Der Tagesspiegel über den Streit der Kulturen

Die Botschaft ist klar. Nach dem 11. September 2001 und dem jüngsten Irak-Krieg hat die Frankfurter Buchmesse sich diesmal nicht nur ein einzelnes Land, vielmehr eine Region zweier Kontinente zum literarischen Ehrengast erwählt. Mit der „Arabischen Welt“ als Hauptdarsteller soll nun über alle politischen, religiösen und ideologischen Fronten hinweg ein Zeichen der Verständigung gesetzt werden. Dialog der Kulturen statt Kampf der Kulturen, so lautet in Frankfurt, am größten Buchmesseplatz der Welt, die Devise. Viel Wohlmeinendes mischt sich da wie bei anderen hehren Konferenzen, Symposien und „interkulturellen“ Festivals: mit Illusionen und Heuchelei.

Diese Buchmesse spielt mit ihrer „Arabischen Welt“ ein ebenso mutiges wie riskantes Spiel. Denn ihr Partner, die in Kairo situierte Arabische Liga, repräsentiert von Marokko bis Kuwait kein einziges Land, das demokratische Verhältnisse und wirkliche Meinungsfreiheit kennt. Das war schon vor dem Aufstieg der Fundamentalisten und dem Ausbruch des Terrors nicht anders. Publizisten und Schriftsteller werden zwischen Algier und Beirut immer wieder ermordet, verhaftet, vertrieben oder nur unter wechselnden Formen der Zensur geduldet. Deswegen sehen prominente arabische Exil-Autoren wie Tahar Ben Jelloun oder Rafik Schami, der darüber in dieser Tagesspiegel-Ausgabe schreibt, dem Frankfurter Spektakel mit seinen ominösen Abgesandten und mutigen Einzelgängern voll neugieriger Skepsis entgegen. (…)

Über die „Arabische Welt“, den Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse, berichtet Peter von Becker im Tagesspiegel.

weiterlesen: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/06.10.2004/1401946.asp

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