Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und die Frage: Hat Milan Kundera denunziert?

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Feuilleton gibt es heute die Buchmesse-Skizzen mit Anekdoten von und Erfahrungen auf der Frankfurter Buchmesse.

Die „Kritik in Kürze“ widmet sich Stefan Rehbergers Träum weiter und Der lange Weg nach Wien von Christof Meuler, Torsten Schulz und Frank Willmann.

Tobias Döring beschäftigt sich unter „Bei der Namib hat sich Gott vertan“ mit Peter Orners neuem Roman Die Wiederkehr der Mavala Shikongo: „Was bleibt, ist allerdings nichts weniger als die Gewissheit, dass wir hier eines der beglückendsten Bücher seit langem in Händen halten.“

„Schluss mit geruhsam“ betitelt Jörg Thomann seine Rezension von Ulrich Wickerts neuem Kriminalroman Der nützliche Freund. Er beschere uns einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht. „Etwas Schlaflosigkeit aber hätte und der Krimi durchaus bereiten dürfen“, findet er. Schließlich geht es um die Leuna-Affär.

Bereits gestern in den Feuilletons vertreten war Milan Kundera. Er steht unter Verdacht, vor fast 60 Jahren einen Prager Widerständler bei der Polizei verraten zu haben. Der Schriftsteller wehrte sich gestern in der Frankfurter Rundschau gegen diesen Vorwurf [mehr…]. Seine Verteidiger glauben, dass das Dokument, das diesen Vorgang belegt, gefälscht sei.

Hubert Spiegel fragt sich unter „Event und Floristik“, was Matthias Koch mit dem Aufbau Verlag vor hat. Wir wissen es: [mehr…].

Kurz erfahren wir auch noch, dass die Stadt Weimar das Haus der Frau von Stein an den spanischen Sammler Bofill und die Faber Gotic verkauft wurde.

Frankfurter Rundschau

Das Thema des Tages ist wie gestern die Frankfurter Buchmesse, doch heute geht es um die Zukunft des Buches und die neuen Lesegeräte für E-Books. Die sechs wichtigsten werden vorgestellt. Zusätzlich äußert sich Science-Fiction-Autor William Gibson zum Thema in einem Interview: „Ich bin noch nicht davon, dass es sich (das E-Book, Anm. d. Redaktion) wie ein Buch auf Papier lesen lässt.“

Im Feuilleton rezensiert Arno Widmann unter dem Titel „Sinfonie einer Großstadt“ Elif Shafaks Der Bonbonpalast: „Wenn er das Buch aus der Hand legt, ist der Leser traurig. Scheiden tut weh!“. Und unter „Als Mann besonders“ rezensiert Christine Pries Niklas Luhmanns Liebe. Eine Übung.

Julia Kospach hat sich mit Schriftsteller Ilija Trjanow über das Entdecken von Literatur, unserem alltäglichen Rassismus und die von ihm herausgegebene Reihe „Weltlese“ unterhalten. Zu seiner Funktion als Herausgeber sagt er: „Man muss mir als Herausgeber trauen, dass ich interessante Bücher auswähle. Alle anderen Kategorien sollen keine Rolle spielen.“

Harry Nutt bespricht unter „Der Wortschwall des Medienkaisers“ Christopher Clarks Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers. Dem Autor gelinge es, die Alternative von Verklärung und Verdammung von Wilhelm II. zu überwinden.

„Alles gut beim Aufbau-Verlag“ weiß Johannes Schneider. „Nach Verkauf geben sich Programmleitung und Neubesitzer frohgemut.“ Darin, dass Matthias Koch ein Branchenneuling ist, sieht er Chance und Risiko zugleich.

Die Deutsche Thomas-Mann-Gesellschaft hat in einem offenen Brief an die Bayerische Akademie der Schönen Künste gegen die Umbenennung des „Großen Literaturpreises“ in „Thomas-Mann-Preis“ protestiert. Damit werde der seit 30 Jahren vergebene Thomas-Mann-Preis Lübecks und das Ansehen des Autors beschädigt, hieß es.

Die Zeit

Hier wird heute erneut, aber in großem Ausmaß, über die Zukunft von Buchhandlungen und Verlagen im Hinblick aufs E-Book philosophiert. Im Wirtschaftsteil wird jede Seite der Medaille beleuchtet und ebenfalls ein Rückblick zur Geschichte des Buches geboten.

Im Feuilleton widmet man sich dem zweiten fast schon zu viel diskutierten Thema: MRR. Christoph Amend und Christof Siemes präsentieren Pro und Contra der Frage: „Ist das deutsche Fernsehen Blödsinn?“

Besprochen wird im Literatur-Teil: Elif Shafaks „Bonbonpalast“, Orhan Pamuks „Das Museum der Unschuld“ und andere Repräsentanten der türkischen Literatur.

Die Menschen in Deutschland halten wenig vom Beruf des Buchhändlers, so das Allensbacher Institut für Demoskopie. Buchhändler seien im Ansehen der Menschen noch unter ebenfalls wenig geschätzten Offizieren, Politikern und Gewerkschaftsführern.
Buchhändlerin Walburga Westbrock erklärt sich das damit, dass die Leute durch Online-Shops in ihrer Annahme fehlgeleitet würden, dass Buchhändler außer Regale aufräumen nichts weiter tun hätten.

In Zeit Wissen verkündet Tim Renner, die Buchverlage sollten sich ein Beispiel an der Pornoindustrie nehmen. Diese habe ihre „Bildchen sehr schnell, sehr aggressiv online vertrieben“. Der Buchmarkt laufe nun Gefahr, die Fehler der Musikindustrie zu wiederholen, die sich lange wehrten, den online-Zugriff auf Musik anzubieten. Man solle die E-Books neuer Titel am besten schon vor Erscheinen des Buches auf den Markt bringen.

Die Welt

Ein verschollenes 40-Seiten-Manuskript von Heinrich Heine wurde gefunden und vom Hoffmann und Campe Verlag auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert [mehr…].

Die Bayerische Akademie der Schönen Künste will den „Großen Literaturpreis“ in „Thomas-Mann-Preis“ umbenennen. Die Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft protestierte umgehend in einem offenen Brief, da seit 30 Jahren bereits der „Thomas-Mann-Preis“ der Stadt Lübeck vergeben werde.

Süddeutsche Zeitung

Auch hier im Feuilleton: Orhan Pamuk als Festredner der Frankfurter Buchmesse, und MRR als Medien-Papst, der aussprach, was alle dachten.

Elke Heidenreich lege ein seltsames Verhalten an den Tag, so Bernd Dörries. Sie äußere öffentlich, wie peinlich es ihr sei, für das ZDF zu arbeiten, fordere dann aber eine bessere Sendezeit für „Lesen“ und behaupte, Preisverleihungen seien ihr zuwider, ginge dann aber recht freudig auf die Bühne des Hans-Bausch-Mediapreis, um recht persönliche Dinge aus ihrem Privatleben preiszugeben. Schließlich habe sie zugegeben, dass alles nicht so gemeint zu haben.

Neue Zürcher Zeitung

Auch die NZZ widmet sich unter „Hat Milan Kundera ein dunkles Geheimnis?“ der Frage, ob der tschechische Autor zu recht des Denunziantentums beschuldigt wird. Ernüchternd stellt sie fest, dass den Schlüssel zu dieser Information allerdings Kundera allein habe.

Im Feuilleton schreibt Manfred Koch unter „Gut ist, das gesetzt ist“ über den Abschluss von Dietrich Sattler Hölderlin-Edition.

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