Unbedingt ansehen: Preisverleihung Corine 2004 heute in 3sat und morgen früh in BR 3 / Mit einer Nachbemerkung und einer Enthüllung

Es gibt mehre Gründe, heute mal wenigstens den Videorecorder zu programmieren: Heute um 21:45 Uhr auf 3sat und morgen am Sonntag, 21. November um 11 Uhr in BR3 wird die Corine-Preisverleihung als 90-minütige TV-Gala übertragen – routiniert aber auch leicht und locker wieder moderiert von Désirée Nosbusch.

Warum Sie sich das ansehen sollem? Weil alle Vorurteile, die man gegenüber einer solchen Veranstaltung haben kann, wieder einmal bestätigt wurden. Und wieder einmal hat diese Veranstaltung

Corine 2004 bei bester Stimmung

gezeigt, dass es nicht einfach ist, das Buch im Fernsehen quotenwirksam zu präsentieren. Erneut hat es Ansätze gegeben, die als Steilvorlage für einen so guten Schreiber wie Ijoma Mangold (gestern in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG) geradezu zwangsläufig zu einem gnadenlosen Totalverriss („Mit Rilke räkeln“) einladen: Der Herr Prochnow war wirklich gnadenlos schlecht.

Und es gab Längen. 1000 Abendgäste im Prinzregententheater lassen sich eben schwerer in Stimmung bringen als ein kleineres Auditorium in den Vorjahren. Aber der Abend hat in seiner Themenvielfalt Lust gemacht, sich den Event mit den Augen eines neugierigen, vielseitig interessierten Lesers anzusehen. Wirksam jedenfalls ist der TV Event allemal, was Invelde Schuhmacher (Buchhandlung Lehmkuhl) bestätigt: „Wir spüren nach jeder Sendung besonders ein großes Interesse an den Sachbuch-Titeln.“

Das wird besonders für die inzwischen 408.000 (!) Exemplare von „Das Methusalem-Komplott” (Blessing) gelten: In der Sachbuchsparte wurde Frank Schirrmacher mit der diesmal von Karl Lagerfeld bemalten Corine ausgezeichnet.

Insgesamt hatten die Sponsoren Glück mit der Auswahl „Ihrer“ Titel:

Die in der Kinder- und Jugendbuchsparte von der Ursula Lübbe Stiftung vergebene Corine erhielten Ulrich Janßen und Ulla Steuernagel für die „Kinder-Uni” (DVA).

Den von der HypoVereinsbank vergebenen Preis in der Wirtschaftsbuchsparte bekam Hans-Werner Sinn für sein Buch „Ist Deutschland noch zu retten?” (Econ).

Für den Debütroman „Dunkelkammer” (Kunstmann) bekam Louise Welsh die Corine, vergeben vom Heyne Verlag und der Collection Rolf Heyne.

Den Corine Weltbild Leserpreis erhielt Patricia Shaw für den Roman „Wind des Südens” (Droemer Knaur), den von O2 vergebenen Zukunftspreis bekam Tad Williams für seine futuristische Romanreihe „Otherland” (Klett-Cotta).

Der in diesem Jahr erstmals verliehene Hörbuchpreis, vergeben von „Focus“, ging an die Frankfurter Komponisten Richard Schönherz und Angelica Fleer für ihre Interpretation von Gedichten in „Rilke Projekt, 1 bis 3” (BMG/Random House Audio).

Wermutstropfen: Literaturnobelpreisträger Imre Kertész konnte den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten wegen Erschöpfung nicht entgegen nehmen.

Kleine Nachbemerkung: Ich fand, dass der Abend ein gelungenes Public-Private-Partnership-Modell war, in das sich künftig noch mehr Buchhändler und Verleger einbinden sollten. Wo sonst kann man sich zu moderaten Konditionen im Rahmen eines glamourösen Kulturevents derartig präsentieren…? FOCUS und DIE ZEIT haben diese Chance erkannt und sind 2004 ebenso wie 02 neu zu den Sponsoren, wie auch einige Verleger und Buchhändler zu den Förderern, gestoßen.

Und wie sagte zum Schluss Desiree Nosbusch: “ Das ist das Tolle, wenn man ein Buch mit ins Bett nimmt: Man wird selten enttäuscht! Freuen wir uns auf die CORINE 2005. Guten Abend, gute Nacht – und Auf Wiedersehen!“

Dieses Wiedersehen wünsche ich mir.

Übrigens: Was man überhaupt nicht bemerkt, ist das, was am meisten Arbeit macht: Die wirklich perfekte Organisation gipfelte darin, dass Edmund Stoiber, der die Veranstaltung zwischendurch wegen einer wohl wichtigen politischen Entscheidungsfindung verlassen musste, auf seinem Platz fast unbemerkt durch die Kultusministerin ersetzt wurde. Die kam dann aber nicht zum Einsatz, weil der Schirmherr zur Übergabe des Ehrenpreises auf die Sekunde rechtzeitig wieder das Prinzregententheater betrat.

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