Ab Jahresende aus für die ARD TV-Sendung “Bücher, Bücher” des HR // Kirchhoffs Sendung “cult.date” kein Ersatz / Fehlt ARD Fantasie?

Wie berechtigt die Sorge der Verleger um die ARD-Programmpolitik in Sachen Kultur ist, insbesonders wenn es um Bücher geht (siehe unsereMeldungen (“ARD verschiebt Sonntag-Kultursendungen ins Nirwana”//”Offener Brief der Verleger an Plog” [mehr…]), offenbart sich nun erneut:

Zum Jahresende wird die TV-Sendung “Bücher, Bücher” des Hessischen Fernsehens ersatzlos aus dem Programm gestrichen (http://www.hr-online.de/fs/buecherbuecher/index.html. “Bücher, Bücher”, das im Wechsel von Gert Scobel und Iris Radisch moderiert wird, gibt es seit 1991 und hatte bisher 36 Sendungen im Jahr. Mit durchschnittlich vier Beiträgen und jeweils 5-8 weiteren Buchtipps der Moderatoren, Studiogästen, Buchhändler(inne)n oder einfacher Leser kam die Sendung rein rechnerisch auf ca. 360 Bücher im Jahr zu sprechen.

“Bücher, Bücher” mit dem schweren Sendeplatz am Samstagabend (gegen 22.00 Uhr (!)) hat ein Stammpublikum von ca. 35.000-60.000 Zuschauer pro Ausstrahlung. Eine bittere Pille, die nicht nur Klaus Hensel, Leiter der Literaturredaktion des Hessischen Fernsehens, da schlucken soll. Mit Bodo Kirchhoffs Büchersendung “cult.date” (http://www.hr-online.de/fs/cultdate/index.html, die am Buchmessen-Samstag (22.50 Uhr) erstmals ausgestrahlt wurde und ca. 60.000 Zuschauer erreichte, ist Hensel aber “mehr als sehr zufrieden”. Man hoffe, sagt er weiter, im nächsten Jahr weitere 4 Ausstrahlungen von “cult.date” realisieren zu können.

Die Sendung “cult.date”, bei der vier Prominente von Kirchhoff jeweils ein Buch “verordnet” bekommen, über das sie sprechen, ist eine öffentliche Veranstaltung im Schauspiel Frankfurt. “Wir suchen weiter nach Möglichkeiten das öffentliche Format im Programm abzubilden”, sagt Klaus Hensel.

Offenbar ist aber auch darüber im HR noch keine letztendliche Entscheidung getroffen worden. Dass “cult.date” mit lediglich vier Sendungen im Jahr kein Ersatz für “Bücher, Bücher” sein kann, ist bereits jetzt offenkundig. Auch wenn “Bücher, Bücher” nur eine kleine Sendung mit einer bedingten Reichweite war, so zeigte sie doch, dass Bücher und Buchthemen eine gesellschaftliche Relevanz haben und ein spannender Teil unserer Kultur sein können.

Wie das geht, macht Elke Heidenreich gerade sehr schön vor. Ab dem 16. November sollen die ARD-Sonntagskulturmagazine nun, so die Entscheidung der ARD, ihren Sendeplatz mit den “Tagesthemen” tauschen. Ursprünglich wurden sie mal direkt nach dem Sonntagskrimi ausgestrahlt und mit dem Argument, sie würden vom “Anschluss-Quotenhoch” der Talkrunde “Sabine Christiansen” profitieren, nach hinten verschoben. Schon das hat sich nicht bewahrheitet.

Schauten früher um die 2,4 – 2,8 Millionen Menschen den “Kulturreport” oder “TTT”, so sind es heute gerade noch mal 1,5 Millionen. Auch die Argumentation des ARD-Vorsitzenden Jobst Plog, es ging lediglich um eine Verschiebung von 15 Minuten, sticht nicht – Christiansen überzieht regelmäßig und gerne. Womit wir bei 23.10 – 23.15 Uhr für die Kulturmagazine und bei 23.40 – 23.45 Uhr für die Büchersendung “Druckfrisch” wären. Was das für die Reichweiten bedeutet, ist jetzt schon klar. Doch hier den prostestierenden Verlegern auf ihr Schreiben hin “Ignoranz” vorzuwerfen, grenzt schon an Zynismus. Sollen sie dafür dankbar sein, dass es überhaupt noch einen Sendetermin für Kultur-Magazine in der ARD gibt und diese nicht, wie “Bücher, Bücher”, sang- und klanglos aus dem Programm verschwinden? Wo Initiativen wie “Deutschland liest vor” http://www.deutschland-liest-vor.de der Körber Stiftung http://www.koerber-stiftung.de sich mit einfachsten Mitteln abmühen, Basisarbeit für das Buch zu leisten, fehlt es offenbar in der ARD nicht nur am Willen, das Medium Buch relevant zu transportieren, sondern offenbar auch an der nötigen Fantasie und dem dazugehörigen, ernstzunehmenden Sendeplatz.
STEFAN BECHT stefan@stefanbecht.de

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