Joachim Gaucks Autobiografie derzeit auf Rang drei der bestverkauften Sachbücher 2012 – ein Buch mit zwei Leben

bild(,26322)Beflügelt von der Bundespräsidentenwahl in diesem Frühjahr hat der Pantheon Verlag bis heute über 140.000 Paperbacks der Erinnerungen unseres Staatsoberhauptes Joachim Gauck ausgeliefert. Seine Autobiografie mit dem Titel „Winter im Sommer, Frühling im Herbst“ liegt damit laut aktuellem Stand des Handelspanels Buch von Media Control GfK auf Rang drei der bestverkauften Sachbücher des Jahres 2012.

Zur Erinnerung: Erschienen sind Joachim Gaucks Erinnerungen bereits im Herbst 2009 als Hardcover bei Siedler – ein halbes Jahr später war seine erste Kandidatur. Das hat dem Buch dann einen richtigen Wind gegeben, wir hatten schon damals über diese Entwicklung berichtet. Zeitweise war der Titel Bestsellerliste unter den ersten zwanzig und hat sich bis heute als gebundenes Buch über 180.000 mal verkauft. Im Mai 2011 erschien der Titel dann als Paperback bei Pantheon.

Auch die Wirkung des Buches ist spürbar geworden: Das Buch hat dem ehemaligen Stasi-Unterlagenwächter “zu einem echten Imagewandel verholfen”, wie Markus Desaga resümiert, der als Pressesprecher u.a. für Pantheon zuständig ist. “Als wir das Buch damals im Verlag vorstellten, dachte man an ein kleines Buch, dass sich mit Stasi-Aufarbeitung beschäftigen wird. Niemand hat ahnen können, was Gauck für Emotionen mit seinem Buch freisetzt”.

Er kann zu Recht stolz auf seine richtige Einschätzung sein: Seitdem war Gauck von Veranstaltung zu Veranstaltung als reisender Demokratielehrer bundesweit unterwegs, bis er Bundespräsident wurde.

Die beiden Kandidaturen haben dem Titel zwei Leben verschafft. Das zweite hat sich besonders auf die Verkäufe des Paperbacks ausgewirkt – obwohl der Titel nicht auf der TB Bestsellerliste erscheint – sichtlich, weil das Quality Paperback Pantheon nicht als TB gezählt wird. Man darf gespannt sein, wie diese Entwicklung weitergeht, wenn diese Gattung nicht mehr auf der HC-Liste auftaucht. Darüber macht man sich in allen großen Verlagshäusern Gedanken. Denn: Die Problematik der Neuzuordnung der Paperbacks hat ja für einen Verlag zur Konsequenz, dass eine Originalausgabe jetzt mit Blockbustern auf der TB Liste konkurrieren muss und nicht mehr mit den teureren HCs auf der normalen HC Sachbuchliste. Umgekehrt beschäftigt alle, dass dieses Genre die Preisentwicklung für Bücher negativ beeinflusst hat. Die (Taschenbuch)Titel, deren Einband man jetzt versteift, aber günstiger anbietet, wirken sich nicht nur negativ auf den Umsatz aus, weil sie nicht nur die Preise der normalen HCs verderben, sondern auch das Preisempfinden der Käufer.

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