Jetzt online: Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Mai 2020

Uwe Kalkowski

Der Coronamonat Mai ist zu Ende gegangen, die Buchbranche scheint mit einem blauen Auge durch die bisherige Krisenzeit gekommen zu sein und allen Widrigkeiten zum Trotz gibt es auch aus der bunten Welt der Literaturblogs viel zu berichten.

Fragen, mit denen sich viele Menschen in unserer Branche beschäftigen, betreffen die Frankfurter Buchmesse 2020. Wird sie – wie angekündigt – tatsächlich stattfinden? In welcher Form? Mit welchen Beteiligten? Und in welcher Ausrichtung? Im Blog novellieren gibt Isabella Caldart einen Überblick über die Pressekonferenz vom 28. Mai 2020 und den momentanen Stand der Dinge.

Der Roman „Milchmann“ von Anna Burns ist bereits in zahlreichen Blogs vorgestellt worden. Auch in diesem Monatsrückblick möchte ich auf eine lesenswerte Besprechung hinweisen und zur Lektüre empfehlen – diesmal im Blog Bateau des Livres.

Ein anderes Buch, dass gerade in vielen Literaturblogs besprochen wird, ist „Die Optimisten“  von Rebecca Makkai. Die differenzierte Rezension von Petra Reich im Blog LiteraturReich hat mir besonders gut gefallen. Im selben Blog habe ich die Besprechung des Buches „Der Krieg der Armen“ von Éric Vuillard sehr gerne gelesen.

„Bist Du ein Buch-Snob?“ Fragen dazu und augenzwinkernde Antworten gibt es im Blog Wissenstagebuch.

Sören Heim rezensiert in seinem Blog eine Rezension. Es geht um Sarah Pines Buchbesprechung des Romans „Herzland“ von Téa Obreht, die in der ZEIT veröffentlicht wurde und den Rezensions-Rezensenten etwas ratlos zurückließ.

Die Autorin Mary Shelley ist den meisten als Verfasserin des Romans „Frankenstein“ bekannt. Dass es von ihr aber auch hochinteressante und mit spitzer Feder geschriebene Reiseberichte aus den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts gibt, ist längst nicht allen Lesern bewusst. Die Texte, die sich mit den deutschen Landen beschäftigen, sind jetzt in einer Übersetzung erschienen – im Blog schiefgelesen werden sie vorgestellt.

Sandro Abbate beschäftigt sich in seinem Blog novelero mit dem Freiheitsbegriff – ein wichtiger und sehr lesenswerter Text; gerade in Coronazeiten.  Gr0ße Leseempfehlung!

Eigentlich sollte am 16. Mai die LitBlogConvention in Köln stattfinden. Und eigentlich war geplant, dort den Siegertitel des Blogbuster-Preises 2020 zu küren, der einen Verlagsvertrag bei Eichborn erhält. Corona hat diese Pläne gehörig durchkreuzt; wann, wo und wie die Preisverleihung stattfinden wird, ist momentan noch offen. Aber nichtsdestotrotz sind einige vielversprechende Manuskripte am Start, die beteiligten Blogs berichten über den Auswahlprozess:
Bookster HRO,  Fiktion fetztFräulein JuliafuxbooksBuch-Haltung,
Lesen… in vollen Zügen,  novellierenTravel without moving, Zeichen & Zeiten

Außerdem ist wieder Vorschau-Zeit: Die Herbstprogramme der Verlage werden verkündet und bei so manchen Literaturblogs gehört deren Auswertung zum festen Ritual. Ich lese diese Beiträge immer sehr gerne, gibt es darin doch zahlreiche Lesetipps zu entdecken. Gut gefallen hat mir dieses Mal die Auswahl, die im Blog Buch-Haltung von Marius Müller und im Blog Bleisatz von Bettina Schnerr getroffen wurde.

Auf Bleisatz gibt es zudem einen spannenden Bericht über die Solothurner Literaturtage, deren Veranstalter angesichts der aktuellen Lage in kürzester Zeit ein vollkommen neues Konzept auf die Beine gestellt haben.

Der Blick über den Atlantik lässt einen erschauern: Zehntausende protestieren in den USA gegen rassistische Polizeigewalt, Straßen brennen, die Gewalt eskaliert. Nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal, denn der strukturelle Rassismus zieht sich durch die gesamte US-amerikanische Geschichte. Der Autor Thomas Mullen beschäfigt sich in seinen Romanen „Darktown“ und „Weißes Feuer“ mit einem ganz besonderen Aspekt dieser Entwicklung. Beide Bücher sind dabei Kriminalliteratur vom Feinsten und sie führen uns zurück in das Jahr 1948, in die Stadt Atlanta. In meinem Blog Kaffeehaussitzer stelle ich sie vor.

Zum Schluss gibt es noch etwas für die Ohren: Tobias Nazemi hat auf buchrevier seine zehn liebsten Hörbuchsprecher und -sprecherinnen aufgelistet. Mit Begründung, Hörproben und mehr.

Das war der Netzrückblick für den Monat Mai 2020. Kommen Sie wohlbehalten durch diese schwierige Zeit.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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