Literaturpreise Esther Kinsky erhält den Düsseldorfer Literaturpreis 2018

Freude bei Suhrkamp und sicher auch bei Esther Kinsky:  Die in Berlin lebende Schriftstellerin erhält für ihren Roman Hain den Düsseldorfer Literaturpreis 2018, den  die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf  vergibt und der mit 20.000 Euro dotiert ist. Der Preis zeichnet Autorinnen und Autoren aus, deren deutschsprachiges literarisches Werk inhaltlich oder formal Bezug auf andere Künste nimmt. Bisher wurden sechzehn Autorinnen und Autoren damit ausgezeichnet, u. a. Patrick Roth, Christoph Peters, Katharina Hacker, Ulrich Peltzer, Ursula Krechel, Thomas Hettche, Michael Köhlmeier, Marcel Beyer und zuletzt Marion Poschmann. Die Preisverleihung findet am Montag, den 11. Juni 2018 im Forum der Stadtsparkasse Düsseldorf statt.

Hubert Winkels, Mitglied der Jury, begründet die Wahl so:
„Geländeroman steht unter dem Titel von Esther Kinskys herausragendem Roman Hain. Gelände meint ungenaue Landschaft. Alles ist ferngerückt und leicht verwaschen, das Nahe ebenso wie das real Entfernte. Glanzloser ist noch keine Landschaft ausgebreitet, glanzloser noch kein Roman gemalt worden. Trauer muss die Erde tragen, und voll Trauer gesellt sich die namenlose Erzählerin den spröden Erscheinungen des italienischen Winters.  Sie reist allein. Ihr Mann, mit dem sie gerne reiste, ist kürzlich gestorben. Die Trauer entindividualisiert, trägt den Einzelnen ein in eine größere Ordnung, macht ihn zum Teil einer Allegorie. Esther Kinsky bewegt sich erzählend auf dem schmalen Grat zwischen Vereinzelung und Symbolik. Auf diese Weise gerät sie auf der individuellen Seite nie ins Sentimentale und auf der bildhaften Seite nicht ins Pathetische. Langsam, fast schwerflüssig ist die Bewegung im Roman, doch äußerst beweglich die Sprache, die diese Bewegungen erzeugt, in ihrer tonalen Heruntergestimmtheit fast ohne Übergang wechselnd von den konkreten Landschaften zum Sinnbild. So entwickeln sich geisterhafte Anwesenheiten. In einem vergessenen Fach einer alten Fototasche findet die Erzählerin ein altes Filmnegativ und erkennt darauf die Umrisse ihres Mannes.  Technische Medien und große Kunst sind Totenbeschwörungen. Auch Hain ist eine Totenbeschwörung, ein literarisches Requiem, eine Winterreise zu den Toten. Tief traurig und dunkel schön. Der Roman ist meisterlich und herzerhebend und ohne jede Absicht spendet er Trost.“

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