Pomikalkos Auslese All die schönen Bücher… Ellen Pomikalkos Lieblingsbücher

tommyTommy Wieringa Dies sind die Namen Hanser

Ein großer welthaltiger Roman in ebenso einfacher wie poetischer Sprache. Abwechselnd schildert er das Leben eines Polizeichefs in einer östlichen Stadt mit ihrem vor allem ethischen Verfall und die Odyssee von Flüchtlingen, die ein Lkw-Fahrer in der Steppe ausgesetzt hat. Wie Pontus Beg in seinem von Gewalt und Korruption gezeichneten Alltag Konfuzius kennen lernt und sich bei einem Rabbi über das Judentum informiert, das ist ebenso unverkrampft und beinahe beiläufig erzählt wie das trostlose Herumirren der hungernden Menschen, die keine Empathie füreinander haben und den einzigen, der so etwas zeigt, aus Neid umbringen. Die Szenen sind von großer symbolischer Aussagekraft. Dass beide Stränge dann trotz aller Nähe zur Realität zu einem Sinnbild der Menschheit werden, ist der Kunst dieses geborenen Schriftstellers zu danken. Die Parallele zur Flucht der Juden aus Ägypten vor 3000 Jahren lässt die Zeiten zusammenschnurren, und wie schnell arme Menschen sich eine hilfreiche Religion basteln, ist auch überzeugend. Mich hat der Roman sehr gefesselt und beeindruckt, vor allem, weil er mit solcher Natürlichkeit erzählt wird, als stecke nicht die hohe Kunst des einzig richtigen Ausdrucks dahinter. Habe an Bulgakows „Meister und Margarita“ gedacht und an Aitmatows „Richtstatt“. (269 S., 22 Euro)

lilyLily King Vater des Regens C.H. Beck

Ein faszinierendes Vater-Tochter-Buch, sehr konkret von der Tochter geschrieben. Er ist ein unausgeglichener Zyniker und Alkoholiker, sie zwischen der weggelaufenen Mutter und ihm hin- und hergerissen. Ihr älterer Bruder lässt sich nie mehr beim Vater sehen. Jahrelang lebt auch sie allein und will gerade eine Professur in Berkeley beginnen, als er sie um Hilfe bittet. Diesen Roman hat sie vor ihrem hervorragenden Ethnologenbuch “Euphoria” (BuchMarkt 8/2015) geschrieben. Er zeigt ihr Talent, keine überflüssigen Worte zu machen. Sie setzt ihre große Liebe aufs Spiel, weil sie den Vater nicht verlassen kann. Dass sie dann selbst eine Familie hat und mit ihrem schwarzen Mann Obamas Kandidatur und Sieg miterlebt, freut einen, denn ihr Vater bleibt, der er ist, bis zum Ende. Sie gehört zu meinen Favoriten, ihre Bücher werde ich immer lesen. (399 S., 21,95 Euro)

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