Recht, Wirtschaft, Steuern - Dr. Thomas Hoeren über sein Handbuch "Moderecht" (C.H.Beck) „Das Ganze ist ein spannendes Rechtsgebiet für Newcomer, weil die Großkanzleien hier oft versagen“

Die Modebranche zeichnet sich durch zahlreiche Besonderheiten aus, die den Rechtsschutz besonders komplex und facettenreich machen.  Dr.Thomas Hoeren, Herausgeber und Autor des bei C.H.Beck erschienenen Handbuchs Moderecht im Gespräch:

Dr. Thomas Hoeren (c) Wolfgang Borrs

 

Professor Hoeren, wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, ein Handbuch zum Moderecht zu schreiben? Ist Mode Ihre heimliche Leidenschaft?

Dr.Thomas Hoeren: Schon seit einigen Jahren gebe ich Seminare für Anwälte im Moderecht. Das hat damit zu tun, dass ich besondere Kreativität von Mode immer schon zu schätzen wusste und bewundert habe. Namen wie Alexander McQueen, Dries van Noten oder Maison Margiela stehen als Beispiele extremer und hoch innovativer Modekultur. Erstaunlich ist ferner, dass es, gemessen an der gerade wirtschaftlichen Bedeutung der Modeindustrie, bislang kaum ein umfangreiches Handbuch für Moderecht gibt.  Auch im internationalen Kontext spielt Fashion Law noch nicht die Rolle, die ihr zukommen müsste.

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Wie breit ist das Beratungsspektrum im Bereich Moderecht tatsächlich?

Das Moderecht zeichnet sich durch eine breite Palette von Fragen und Rechtsgebieten aus. Da ist zunächst das Immaterialgüterrecht, Markenschutz und Urheberrecht. Daneben bestehen aber eigenständig Rechtsgebiete des Moderechts, etwa das Textilkennzeichnungsrecht. Spannend sind auch die kartellrechtlichen und handelsrechtlichen Fragen des Vertriebs von Modeprodukten. Neue Fragen tun sich auf, wenn man an den Schutz von Shopkonzepten oder den Bereich Smart wear denkt.

Wo liegt der Schwerpunkt anwaltlicher Tätigkeit in diesem Bereich: Eher in der gerichtlichen Durchsetzung von Rechten oder in einer breit gefächerten Beratung?

Zunächst einmal denkt man klassisch an die markenrechtlichen Probleme, etwa bei der Durchsetzung von dem Schutz von Markenartikeln gegen Imitate. Das Rechtsgebiet ist aber weitaus vielfältiger. Der Anwalt muss auch bei Shopkonzepten und Vertriebsverträgen beratend tätig sein können. Deshalb spielt auch die Frage der Händlerprovision ebenso eine große Rolle wie die Gestaltung von Franchiseverträgen.

Wer sind typische Mandanten?

Mandanten kommen typischerweise aus dem Bereich der Bekleidungsindustrie, aber auch der Händler und Boutiquen. Hinzu kommen Modedesigner. Und das alles nicht nur national, sondern auch international.

Welche branchenspezifischen Probleme beim Vertrieb von Modeartikeln über Webshops können auftauchen?

Das ist ein ganz schweres Problem. Die großen Häuser ziehen zunehmend die kleinen Händler über den Tisch, indem sie den stationären Handel als Lagerstätte für ihren zentralen Webshop gebrauchen. Der Onlinehandel macht den Modehandel kaputt, nimmt ihm die Chance zu eigenständigem wirtschaftlichen Handeln und sorgt für erhebliche Marktverschiebungen.

Wie wichtig ist es als Anwalt/Anwältin mit den Produktcharakteristika in der Modeindustrie vertraut zu sein? Ist es unerlässlich ein besonderes Faible für Mode zu haben?

Man sollte schon ein Gespür für die Besonderheiten des Modemarktes haben und Mode zu schätzen wissen. Es lohnt sich daher, sich auch persönlich und privat Gedanken zu machen über seinen Modegeschmack.

Würden Sie neu zugelassenen Kolleginnen und Kollegen empfehlen, sich auf dieses Beratungsfeld zu spezialisieren? Eignet es sich für kleine und mittlere Kanzleien?

Das Ganze ist ein spannendes Rechtsgebiet gerade für Newcomer, zumal die klassischen Großkanzleien hier oft versagen. Die denken nur an Markenrecht der großen Adidas, Gucci & Co. und sehen nicht die vielfältigen Probleme daneben. Da gibt es viel Beratungsbedarf, gerade auch in Richtung auf die betroffenen Mittelständer.

Macht eine Beratungstätigkeit im Bereich des Moderechts auch den Austausch mit ausländischen Kanzleien erforderlich? Wie lässt sich, z.B. bei Plagiaten, international Rechtsschutz durchsetzen?

Wir haben in dem Handbuch auch Experten aus der Türkei, Italien und Frankreich zugezogen. Der Modemarkt funktioniert in diesen Ländern ganz anders. Auch muss man wissen, mit welchen Tricks man dort vor Ort seine Rechte durchsetzen kann.

Zum Abschluss: Wie halten Sie es denn persönlich mit Mode?

Ich bezeichne mich als modisch unabhängig. Ich weiß die unglaubliche Kreativität von Mode zu schätzen, muss aber deshalb kein modischer Geck sein.

 

 

 

 

 

Das Gespräch führte Katharina Nitsch, Gruppenleitung Business Service & Telefonmarketing E-Commerce, beck-shop.de

 

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