Verkauft, aber Vertrag ist noch nicht in Kraft

„Im Poker ums Überleben von Libro jagt ein Kuriosum das andere: Wahrscheinlich erstmalig in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte kauft ein Konsortium eine schwer angeschlagene Einzelhandelskette von den dahinterstehenden Altaktionären – um einen Schilling. Der Vertrag tritt aber nicht in Kraft, weil die involvierten Banken, allen voran die Bank- Austria-Gruppe und der Raiffeisensektor die Zustimmung verwehren. Die Begründung ist eindeutig: „Wir haben noch bis nächsten Freitag Zeit. Das Konsortium Böhm/Hofmann ist in unseren Augen kein verlässlicher Partner. 700 Mio. S müssen zur Libro-Sanierung sofort, ohne Wenn und Aber auf den Tisch gelegt werden. Das hat noch niemand geboten.“ Anders klarerweise die Sichtweise der Libro-Verkäufer Unternehms Invest AG, Telekom Austria und Deutsche Beteiligungs AG. Sie steigen aus Libro aus und hoffen damit schnellstmöglich von Altlasten befreit zu sein. Die Banken werten das wörtlich als „Kriegserklärung“ von Yline-Chef Werner Böhm und dem steirischen Industriellen und Yline-Aufsichtsratschef Ernst Hofmann. „Man versucht uns den Schwarzen Peter zuzuschieben. Das ist nichts anderes als eine weitere gezinkte Karte von Böhm. Wir warten auf seriöse Angebote“, so ein Bankensprecher zum Standard. Im Vertrag mit Böhm/Hofmann ist schließlich noch eine Klausel eingebaut, dass bis 10. Juli die Bankeneinigung stehen muss, ansonsten tritt er nicht in Kraft. Vertreter der Bietergruppe sind seit Tagen für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Vertreter des Kreditsektors sprechen nur hinter vorgehaltener Hand. Die Kreditinstitute, bei denen Libro mit 2,3 Mrd. S in der Kreide steht, hoffen weiter auf ein Übernahmeangebot der Styria AG (Die Presse, Kleine Zeitung), das sehnlichst für Montag erwartet wird. Styria-Boss Horst Pirker entscheidet am Wochenende darüber. Ein Banker: Entweder kommt bis Dienstag oder spätestens Mittwoch früh ein seriöses Angebot oder Libro muss in den Ausgleich (siehe Artikel unten, Anm.). An einer Auffanglösung durch die Banken ist niemand interessiert.“ Zur Finanzierung eines Libro-Ausgleichs müssten die Banken dem Vernehmen nach kurzfristig 100 bis 200 Mio. S und bis zu 400 Mio. S in den nächsten drei, vier Monaten selbst in die Hand nehmen. Nur so sei die Weiterführung des Libro-Geschäftes, etwa die Bestellung frischer Ware, sicherzustellen. Böhm/ Hofmann haben in ihrem Offert 300 Mio. S sofort zugesagt und wollten weitere 700 Mio. S in drei Raten bis Jahresende aufbringen. Erst dann – Ende 2001 – soll der vom Konsortium geforderte Bankennachlass von 50 Prozent erfolgen. Den Banken ist dies zu wenig. „Wir wollen nicht in ein paar Wochen die nächste Pleite haben.“ Ein möglicher Libro-Ausgleich wird im Kreditsektor aber nur als „Hoffnungsausgleich“ bezeichnet. Hoffnung insofern, als weiterhin ein Libro-Retter gesucht werden muss. Möglich ist in diesem Zusammenhang, dass auch bereits ausgeschiedene Bieter, wie der Welser Büroartikelgroßhändler Anton Stahrlinger, wieder von den Banken eingeladen werden, Libro zu managen. An der Börse riefen die Nachrichten die Zocker auf den Plan. Binnen Minuten ging es mit Libro viele Prozent hinauf und hinunter. „Ein wenig Panik kommt langsam auf“, sagte ein Aktienhändler. „

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