Universitäts-Bibliothek Eichstätt vernichtet tonnenweise Bücher aus dem Bestand der Klosterbibliothek

Das klingt nach einem Skandal erster Güte: Nachdem an der Universitäts-Bibliothek Eichstätt mindestens 100 Tonnen Bücher vernichtet wurden, die zum Teil aus dem historisch wertvollen Bestand der Klosterbibliothek bayerischer Kapuziner stammen sollen, verschärft sich die Kritik an Bibliotheks-Leiterin Angelika Reich, meldet der Onlinedienst des Bayerischen Rundfunk.

Eigentlich sollte die Universität Eichstätt die rund 350.000 Bände der Kapuzinerbibliothek in ihre eigenen Bibliotheksbestände einordnen. Denn die Mönche konnten sich um den historischen Bestand aus kirchlichem und staatlichem Besitz nicht mehr kümmern. Aus diesem Grund wurde die Bibliothek 1999 der Uni Eichstätt überlassen, die sich ebenfalls aus kirchlichen und staatlichen Mitteln finanziert. Weil auch die Magazine an der Uni Eichstätt aus allen Nähten platzten, wurden der Bestand zunächst zwischengelagert – von 2005 an sollten die Bücher unter Aufsicht der Bibliotheksleitung in die Magazine der Uni Eichstätt eingeordnet werden. Dabei bestand die Vereinbarung, dass Mehrfach-Exemplare oder verschimmelte Bücher entsorgt werden konnten.

Doch nicht nur Mehrfachbestände landeten im Reißwolf. 17 vollgepackte Container seien auf alle Fälle vernichtet worden, sagte Gottfried Freiherr von der Heydte, Kanzler der Universität. Weil auch mehr als 200 Jahre alte Exemplare darunter waren, könnte der Schaden hoch sein: Möglicherweise sind auch tausende historisch wertvoller Bücher im Müll gelandet.

Genau das befürchtet Hermann Holzbauer, der ehemalige Leiter der Eichstätter Uni-Bibliothek. Der Mann hat gute Gründe für seine Annahme: Er hatte die gesamte Bibliothek der bayerischen Kapuziner 1998 selbst von Altötting nach Eichstätt überführt – und nach eigenen Angaben bereits damals unbrauchbare Bücher aussortiert. Von den 350.000 Werken, die schließlich nach Eichstätt kamen, sei seiner Meinung nach jedes einzelne erhaltenswürdig gewesen. Holzbauer zufolge handelt es sich bei den vernichteten Büchern großteils um völlig unbeschädigte Werke des 17. und 18. Jahrhunderts.

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