Streit um die Bibel in gerechter Sprache spitzt sich zu / Herausgeberkreis meldet sich zu Wort / Deutsche Bibelgesellschaft sieht Bedeutung der Lutherbibel gestärkt

Erst Ende März hatte das Leitungsgremium der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Kritik an der Bibel in gerechter Sprache geübt, wie der Online-Dienst der christlichen Nachrichtenagentur idea berichtete. Für die Verwendung im Gottesdienst sei diese Übersetzung generell nicht geeignet; maßgeblich bleibe die Lutherübersetzung, heißt es demnach in einer Stellungnahme des Rates unter Vorsitz des Berliner Bischofs Wolfgang Huber.

Bereits letzte Woche hatte sich der Herausgabekreis der „Bibel in gerechter Sprache“ deutlich zu Wort gemeldet: „Gegen Versuche, uns als nicht auf dem Boden des christlichen Bekenntnisses stehend oder sogar als häretisch auszuscheiden, verwahren wir uns. Wir haben keine Dogmatik geschrieben, sondern die biblischen Bücher übersetzt. Spätere dogmatische Lehrbildungen in die Übersetzungen einzutragen, würde bedeuten, eine Lehrautorität der Schrift vorzuordnen. Die „Bibel in gerechter Sprache“ will gerade als Übersetzung dem gegenwärtigen Verständnis der biblischen Schriften dienen“, schrieb er in einer Pressemitteilung.

Weiter heißt es: „Die Bibel wird neu zu Gehör gebracht und kann wieder zum kritischen Gegenüber und zum Korrektiv allen kirchlichen Handelns und theologischen Redens werden – gerade wenn nicht nur der gewohnte Wortlaut kirchenamtlich autorisierter oder empfohlener Übersetzungen gelesen wird. Dass dies von einigen als problematisch erlebt wird und sie ihrer Irritation Ausdruck verleihen, kann nicht verwundern.“

Dem Herausgabekreis gehören an: Prof. Dr. Frank und Dr. Marlene Crüsemann, Prof. Dr. Luise Schottroff, Prof. Dr. Helga Kuhlmann, Prof. Dr. Jürgen Ebach, Prof. Dr. Martin Leutzsch, PD Dr. Ulrike Bail, PD Dr. Claudia Janssen, Pfarrer Erhard Domay, Pfarrerin Hanne Köhler

Die „Bibel in gerechter Sprache“ aus dem Gütersloher Verlagshaus ist eine Übersetzung, die nicht nur eine geschlechtsneutrale Sprache verwendet, sondern auch die Fortschritte im christlich-jüdischem Dialog und hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit berücksichtigt. Die Bibel erlebt inzwischen dritte Auflage, nachdem bereits 40 000 Exemplare über den Ladentisch gegangen sind (siehe BuchMarkt heft vom Februar 2007, S. 151.)

In einer heute veröffentlichten Pressemitteilung begrüßt nun die Deutsche Bibelgesellschaft unter Dr. Jan-A. Bühner ihrerseits das Bekenntnis des Rates der EKD zur Lutherbibel „Die Bibelübersetzung nach Martin Luther hat eine identitätsstiftende Bedeutung für die protestantischen Kirchen in Deutschland. Sie ist für große Teile der Öffentlichkeit, auch über Konfessionsgrenzen hinweg, die wichtigste Bibel in Deutscher Sprache. Für mich ist die Lutherbibel das Deutsche Original unter den Bibeln“, äußert sich Bühner in seiner Erklärung.

Dagegen halte die Deutsche Bibelgesellschaft die Qualität einiger neu vorgelegter Übersetzungen für ungenügend. Dies gelte für die Bibel in gerechter Sprache hinsichtlich ihrer germanistischen Qualität, ihrer theologischen Unschärfe und ihrer mangelnden Treue zum Ausgangstext, so Bühner.

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