Schicksal hängt nach wie vor am seidenen Faden

„Die Zukunft von Libro hängt weiter an einem seidenen Faden. Die involvierten neun Banken, bei denen Libro Schulden in Höhe von 2,3 Mrd. S hat, verlangen vom Konsortium des YLine- Chefs Werner Böhm ultimativ eine Finanzierungsgarantie über Eigenmittel zwischen 700 Mio. S und einer Milliarde bis Mittwoch, allerspätestens aber bis zum 30. Juni. Der Plan des Konsortiums, hinter dem die Kronen Zeitung und der steirische Industrielle Ernst Hofmann stehen, die erforderlichen Sanierungsmittel über vier Kapitalerhöhungen bis Jahresende 2001 aufzubringen, wird von Bankenseite als „lachhaft“ bezeichnet. Die Gruppe Böhm/Hofmann hat am vergangenen Freitag die Mehrheit an Libro für einen symbolischen Schilling übernommen. Die Banken bezeichneten diesen Schritt als „Kriegserklärung“. Sie sitzen jedoch am längeren Hebel. Gemäß einer Vertragsklausel müssen die Banken dem Deal zustimmen, sonst tritt der Kaufvertrag nicht in Kraft. Die Banken, allen voran die Bank-Austria-Gruppe und der Raiffeisensektor, hoffen weiterhin auf andere Angebote für Libro. Ansonsten müsse eine eigene Auffanglösung gefunden werden. Im Klartext: Die Kreditinstitute können sich vorstellen, die Weiterführung des Libro-Geschäftes, etwa den Einkauf frischer Ware, im Ausgleich zu finanzieren, bis ein Libro-Retter gefunden ist. Ein Konkurs soll um jeden Preis verhindert werden. Im übrigen hat sich die Libro-Krise laut Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger bereits seit Jahren abgezeichnet. Laut Gutachten haben sich die Umsätze je Standort bereits seit dem Geschäftsjahr 1997/98 dramatisch nach unten entwickelt. Die Einnahmen je Quadratmeter in Libro-Geschäften gingen demnach insgesamt um 20 Prozent zurück. Bereits 1999 schrieb Libro einen operativen Verlust von 139 Mill. S (10,10 Mill. Euro) In dem zitierten Gutachten ist nach bisher bekannten Verlusten von rund 1,3 Mrd. S im abgelaufenem Jahr von einem „Jahresfehlbetrag“ in Höhe von 2,2 Mrd. S im vergangenen Geschäftsjahr die Rede. Besonders dramatisch entwickelten sich die Amadeus-Geschäfte. Bereits 1999 machten sie mit 64,3 Mill. S 9,7 Prozent vom Umsatz Verlust. 2000 lag der Verlust dann mit 101 Mill. S schon bei 10,7 Prozent. Der Innsbrucker Amadeus setzte 2,8 Mill. S um und schaffte dabei ein Minus von 3,6 Mill. S. Desaströs auch die Situation in Deutschland: Bei 158 Mill. S Umsatz hat Libro dort ein Minus von 89 Mill.S. zusammengebracht. Als eigene Gesellschaft könnte Libro Deutschland zwar in den Konkurs geschickt werden – aber nur theoretisch: Laut dem brisanten Papier hat die Libro AG eine Haftungserklärung über 260 Mill. S unterschrieben. Als einer der Hauptgründe für die Krise wird in dem Roland Berger-Papier die ruinöse Schleuderei genannt. „Dramatische Margenverschlechterung durch Preisschleuderei … in allen Sortimentsgruppen“, heißt es darin. Im Detail: Die Margen bei Büchern lagen bei Libro 1999 noch bei 44,7 Prozent, 2000 nur noch bei 43,3. „

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