Rettberg muss sich aus Lion.cc-Aufsichtsrat zurückziehen

„André Rettberg, Vorstandschef der insolvenzgefährdeten Handelskette Libro, muss sich aus dem Aufsichtsrat der Onlinetochter Lion.cc zurückziehen. Ihn ersetzt Libro-Sanierer Otto Arbeiter. Am verlustträchtigen Internetladen hält die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) 35 Prozent der Anteile. „Wir sind derzeit in Prüfung, wie es weiter gehen soll“, sagte Erich Schumann, WAZ-Konzernherr, am Freitag bei der Eröffnung der Mediaprint-Druckerei in Kärnten. Eine Vollübernahme stehe nicht zur Diskussion. Internetuser, die über Lion.cc gratis Kurzmitteilungen (SMS) verschickt haben, müssen jetzt auf andere Dienste ausweichen. Die 20.000 registrierten Benutzer (vor einem Jahr sollen es noch 200.000 gewesen sein) wurden aufgerufen, ihre Gratis-Telefon- und Adressverzeichnisse bis zum 18. Juni 2001 zu löschen. Lion.cc hatte diesen Schritt schon angekündigt. Am Wochenende starteten wie berichtet die Due-Diligence-Prüfungen von Libro in der Firmenzentrale in Guntramsdorf. Zumindest zwei Interessenten für die Übernahme der Mehrheit sind im Datenraum: eine Gruppe um EuroInvest/PBS/Stahrlinger, eine um VCH/August de Roode. Dem Vernehmen nach sind auch andere Interessenten noch im Rennen. Letztere haben auch die britischen Alchemy Partners im Hintergrund. Diese als harte Sanierer bekannten Risikokapitalisten sind in Österreich an der Telekomfirma AheadCom beteiligt. Alchemy wollte auch Autohersteller Rover von BMW übernehmen – woraus aber nichts wurde. Laut Insidern habe Anton Stahrlinger den Vorteil des Logistik-Know-hows aus seinem Papierwarengroßhandel. Zudem sei De Roode ein Bekannter Rettbergs, was bei Gläubigern für Stirnrunzeln sorge. De Roode wolle Rettberg eine Zeit lang im Unternehmen halten – was „Mr. Libro“ Insidern zufolge weiter anstrebe. Am Freitag verhandelte der Kreditschutzverband für die Lieferanten mit Libro. Bei ihnen hat man 700 Mio. S Schulden, bei Banken 2,3 Mrd. Bankenvertreter bestätigten, man kalkuliere eine Auffanglösung durch, sollte die Übernahme jetzt scheitern. Ein Konkurs oder Zwangsausgleich soll tunlichst vermieden werden, meldet der Standard heute. „

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