Preisgekrönter Autor Wolfgang Sofsky zu anstößig für BoD?

Heutzutage greifen auch gestandene Autoren schon mal zum Selfpublishing, wenn ihre Backlist von ihren (Autoren-) Verlagen nicht mehr gepflegt wird. Ein paar Mausklicks und ein Buch ist, wenigstens in digitaler Form, wieder erhältlich.

Doch nicht jedem Buch ist dieses Weiterleben vergönnt. Denn Selfpublishing-Dienstleister behalten sich vor, ein Buch „aufgrund seines Inhaltes“, der „den Grundsätzen unseres Unternehmens bzw. unserer Vertriebspartner widerspricht“, abzulehnen.

Das ist legitim. Wie jeder Verlag hat auch ein Selfpublishing-Anbieter das Recht, ein Manuskript ohne Begründung abzulehnen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht, selbst wenn der Autor dafür bezahlt. Doch der Anbieter muss es sich gefallen lassen, wenn er schon explizit darauf verweist, dass über die Grundsätze seines Unternehmens bzw. seiner Vertriebspartner spekuliert wird, die sich mit dem Inhalt eines Buches angeblich nicht vereinbaren lassen. Ist ein kunsthistorischer Essay über Darstellungen der Gewalt in der bildenden Kunst, der von den führenden deutschsprachigen Feuilletons besprochen und gelobt worden ist, anstößig? (Wolfgang Sofsky: Todesarten. Über Bilder der Gewalt. Berlin: Matthes & Seitz, 2011.) Ist sein Autor, der Soziologe und Geschwister-Scholl-Preisträger Wolfgang Sofsky, der Pornografie oder der Verherrlichung von Gewalt verdächtig? Oder welcher Teufel der Political Correctness hat den Verlag BoD geritten, als er die Publikation von Sofskys Buch mit dem Verweis auf die zitierten Grundsätze ablehnte?

Eine Antwort blieb BoD leider schuldig. So bleibt einem nur die Spekulation über die möglichen Gründe für die Ablehnung, die beim genannten Buch bei Angst anfangen und bei Borniertheit nicht aufhören.

(Christian Dittus, Literaturagent, Paul & Peter Fritz AG, Zürich)

Kommentare (1)
  1. Ich habe heute, nachdem ich fünf Bücher mit BoD veröffentlicht habe, ebenfalls obige Antwort für eine Sammlung mit politischen und privaten Gedichten erhalten. Die politischen Reime sind zum überwiegend regierungskritisch und machen auch vor der Kritik an dem Bundespräsidenten nicht Halt, aber weder rechtsradikal oder gar pornographisch noch linksradikal.
    Ich habe BoD darum gebeten, mir wenigsten e i n e n Grundsatz zu nennen.

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