Ohne geistiges Eigentum keine Informationsgesellschaft: Frankfurter Mahnung des VS, des P.E.N.-Zentrums Deutschland und des Börsenvereins

Mit Besorgnis beobachten der VS – Verband deutscher Schriftsteller, das P.E.N.-Zentrum Deutschland und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den verbreiteten Verlust des Wissens um die Bedeutung eines starken Urheberrechts für die Zukunft unseres Landes.

„Als Industrienation ohne Bodenschätze ist Deutschland in besonderem Maße auf geistig-schöpferische Leistungen angewiesen, wenn es im Wettbewerb der Informationsgesellschaften bestehen will“, heißt es in einer eben verbreiteten „Frankfurter Mahnung von VS, P.E.N. und Börsenverein. „Hat die Entwicklung eines modernen Arbeits- und Sozialrechts Deutschland im 20. Jahrhundert zu einer erfolgreichen Industriegesellschaft gemacht, so ist es nun an Politik und Gesellschaft, das Urheberrecht zum Arbeitsrecht des 21. Jahrhunderts auszuprägen. Nur wenn der Staat diejenigen schützt, die vervielfältigungswürdige Inhalte schaffen, setzt er die nötigen Anreize dafür, dass solche Inhalte auch im digitalen Zeitalter noch entstehen können und in ihre Veredelung und öffentliche Bereitstellung investiert wird.“

VS, P.E.N. und Börsenverein fürchten, dass Deutschland mit dem fehlenden Respekt für geistige Schöpfungen zugleich seine Rolle als eine der führenden Kultur- und Bildungsnationen verliert. Deswegen fordern sie die Bundesregierung auf, weit größere Anstrengungen auf die Weiterentwicklung des Urheberrechts zu richten und ein Konzept für eine sinnvolle Stärkung des Schutzes schöpferischer Leistungen im 21. Jahrhundert vorzulegen.

Dringend geboten ist daneben die Korrektur von Fehlentwicklungen der jüngsten Vergangenheit. So sollten die Pläne für Kürzungen bei den Abgaben für Vervielfältigungsgeräte endgültig aufgegeben werden. Notwendig sind vielmehr Maßnahmen, die der dramatischen Aushöhlung des materiellen Wertes urheberrechtlich geschützter Werke durch moderne Kopiertechnologien wirksam entgegen wirken. Die Diskussionen um eine umfassende digitale Bibliothek deutscher Literatur im Internet müssen von der Anforderung des Urhebers ausgehen, über das Schicksal seiner Werke souverän zu entscheiden. Jegliche Art politischer Zwang zum open access zu urheberrechtlich geschützten Werken ist eine gravierende Fehlsteuerung. Um das berechtigte öffentliche Bedürfnis zu befriedigen, an der Kultur- und Wissensgesellschaft teilzuhaben, muss der Staat ein politisches Zeichen setzen und mehr Geld in die Wissensbereitstellung und -aufbereitung investieren.

Unterschrieben ist die Mahnung von Imre Török (VS), Johano Strasser (P.E.N.-Zentrum) und Gottfried Honnefelder (Börsenverein).

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