Jeden Tag wird Geld verbrannt

„Der Standard von heute meldet: Die Interessenten für die ums Überleben ringende Buch- und Medienhandelskette Libro haben Kalkulationen in ihren Schubladen liegen, die die Lust der Gläubigerbanken auf einen allzu großen Forderungsverzicht deutlich schmälern dürften. Gelingt die Sanierung, will eine der zwei offiziell bekannten Bietergruppen, jene um den Investor August de Roode, das aufzubringende Kapital bereits in zwei Jahren in fette Gewinne verwandelt haben. Konkret glaubt de Roode, auch Berechnungen des deutschen Unternehmensberaters Roland Berger folgend, dass Libro, zurechtgestutzt auf das alte Kerngeschäft, in zwei Jahren wieder zwei Milliarden Schilling wert sein dürfte. Die betroffenen Libro-Mitarbeiter, Lieferanten und Kleinaktionäre müssen dafür die sprichwörtlichen Hosen runterlassen. Das sagt de Roode freilich nicht. Kommt sein Konsortium zum Zug, wird internen Plänen zufolge die Libro-Zentrale im niederösterreichischen Guntramsdorf großteils aufgelassen. Das Controlling, die Warenwirtschaft und andere wichtige administrative Aufgaben sollen zurück an den Billa-Konzern gehen. Von den derzeit rund 270 Libro-Filialen wirtschaften rund 70 negativ. Zumindest 40 bis 50 würden rasch geschlossen. Hunderte Arbeitsplätze sind in Gefahr, ein späterer, gewinnbringender Verkauf etwa an den deutschen Bertelsmann-Konzern aber inklusive. Aufbringen will de Roode lediglich 700 Mio. S, die Banken müssten weitere 400 bis 500 Mio. S einbringen. Dass de Roode schon im Mai Einblick in geheime Libro-Daten bekommen hätte und sich über Vertrauensleute rund um Noch-Libro-Chef André Rettberg einen klaren Startvorteil gegenüber dem Zweitbieter, dem Welser Unternehmen Anton Stahrlinger, gesichert hätte, bestreitet de Roode nur zur Hälfte: „Mit Rettberg haben wir derzeit nichts zu tun. Für die Zukunft kann ich nicht sprechen. Aber die besagten Unterlagen konnte jeder von der UIAG bekommen, der sie haben wollte.“ Bei den Banken ist jedenfalls Feuer am Dach. Zunehmend wird im Kreditsektor die Vertrauenswürdigkeit des Konsortiums von de Roode in Frage gestellt. Am Montag hat die britische Risikokapitalgesellschaft Alchemy Partners London dementiert, hinter dem Roode-Konsortium als Financier zu stehen. Darüber hinaus sieht sich Libro- Zweitinteressent Stahrlinger mit einer „beginnenden politischen Schlammschlacht“ konfrontiert, hinter der Manager aus Aufsichtsratskreisen ebenfalls de Roode vermuten. Stahrlinger zum Standard: „Ich bin bekennender Wirtschaftsbündler und habe mit den Freiheitlichen absolut nichts am Hut.“ Gestreut wird derzeit das Gerücht, hinter Stahrlinger stünden Blue- Bull-Chef und Exbörsenguru Mike Lielacher sowie YLine- Chef Werner Böhm, die beide als FP-nah gelten. Stahrlinger: „Ich kenne Herrn Lielacher, aber das letzte Gespräch fand vor sieben, acht Monaten statt.“ Nachsatz: „Das Wort Sumpf ist für Libro eine maßlose Untertreibung.“ Stahrlingers Konzept geht von einer österreichischen Lösung aus. „Kommen wir nicht zum Zug, wird Libro über kurz oder lang an einen ausländischen Konzern verkauft. Ich will das Schnäppchen für Bertelsmann verhindern. Das ist mein sportlicher Ehrgeiz.“ Bis Ende Juni muss die Übernahme durch de Roode oder Stahrlinger stehen, denn „jeden Tag wird Geld verbrannt“, sagte ein Banker. Stahrlingers Angebot – er will bis zu 1,2 Mrd. S für Libro aufbringen – ist zeitlich befristet. „Anfang Juli muss der Libro- Sack dicht sein.“ Am heutigen Dienstag wird mit den Banken, allen voran Bank Austria, verhandelt. „

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