Hörbücher mit den Fingerspitzen unterscheiden

Das Aachener Unternehmen ICOCO media solutions produzierte vor kurzem 80.000 Hör-Broschüren für das Pharmaunternehmen Berlin-Chemie und markierte die CDs mit Braille-Schrift, damit Blinde die Titel lesen können. Auf dem Pappschuber sorgt eine Prägung für die markanten Punkte, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Auf die CDs selbst werden die Punkte mit einer speziellen Siebdrucktechnik aufgebracht. Die Höhe der kleinen Markierungen liegt unter einem Millimeter, so dass sie mit den Fingerspitzen erfühlbar, aber kaum sichtbar sind. Zwei Ausgleichspunkte auf der gegenüberliegenden Seite des Brailleschrift-Textes dienen dazu, eine Unwucht zu vermeiden, die das Abspielen im Laufwerk behindern könnte.

„Berlin-Chemie stellt damit erstmalig Inhalte von Broschüren vertont zur Verfügung“, so Claudia Steinberg, Einkaufsmanagerin bei Berlin-Chemie. „Durch die Markierung mit Braille-Schrift kann jetzt auch gezielt die Gruppe der Blinden und Sehbehinderten angesprochen werden.“ Die Broschüren sind für Diabetiker bestimmt und betreffen die besonderen Lebensvorkehrungen, die diese Zielgruppe treffen muss.

Geschäftsführer Rolf Keldenich glaubt an einen wachsenden Markt für blindengeeignete Medien: „Der Markt für Hörbücher in Deutschland zeigt ein überdurchschnittliches Wachstum. Internetauftritte barrierefrei zu gestalten, gehört seit Jahren zu den Basisanforderungen an neue Webseiten. Aber noch in den Kinderschuhen stecken dagegen die Bemühungen, auch andere medial gespeicherte Informationen ‚für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar‘ (Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen BGG, Artikel 4) zu machen.“

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