Heute in der NRZ Essen über die Baedeker-Übernahme

Angesichts des bevorstehenden Wettbewerbs mit der Mayerschen Buchhandlung spricht auch Buch & Kunst von einer „mutigen, aber keinesfalls draufgängerischen“ Übernahme.

Wer gestern vor der Baedeker-Tür stand, rüttelte dort vergebens: „Wegen Inventur geschlossen“, heißt es an den beiden letzten Tagen dieses Jahres, bevor am 2. Januar die Sachsen das Sagen haben. Die bemühten sich gestern gemeinsam mit der Sutter-Gruppe, den Blick nach vorn zu richten: Der klangvolle Name Baedeker bleibe selbstverständlich erhalten, und auch von Filialschließungen – ursprünglich stand die Übernahme des Oberhausener Ladens auf der Kippe – will man vorerst nichts wissen.

Den sonst in Presseverlautbarungen obligatorischen Satz vom vereinbarten Stillschweigen über den Kaufpreis ließen Sutter wie auch Buch & Kunst gestern wohlweislich weg. Denn Sutter hat der Dresdner Buchhandels-Kette wohl eher noch Geld mit auf den Weg gegeben, um die Übernahme zu Wege zu bringen, schließlich musste Baedeker zuletzt nicht nur deutliche Umsatzeinbrüche verkraften, sondern auch tiefrote Ergebnisse. Wie hoch die ausfallen, mag Christian Sutter nicht preisgeben, doch waren sie mitentscheidend dafür, dass die Sutter-Gruppe den Verlustbringer abstößt und sich nunmehr auf die Herausgabe „werbefinanzierter Verzeichnismedien“ wie Telefonbücher und Messe-Kataloge konzentriert.

„Wohl kalkuliert, wohl überlegt“

Ohnehin muss sich der „Platzhirsch“ im Essener Buchhandel auf einen harten Verdrängungswettbewerb einstellen: Immerhin klotzt die Mayersche Buchhandlung ab dem 27. März im alten Boecker-Haus auf 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche mit einem Sortiment von 200 000 Titeln.

Dass in dieser für den Buchhandel im Allgemeinen und Baedeker im Besonderen ausgesprochen schwierigen Lage Buch & Kunst aus Dresden den Sprung nach NRW wagt, bezeichnet Einkaufs-Leiter Tom Kirsch selbst als „mutigen, aber keinesfalls draufgängerischen“ Schritt: „Das ist eine wohl kalkulierte und wohl überlegte Sache, die natürlich wie alles im Leben mit Risiko behaftet ist“.

Ein Risiko, das weitestgehend verringert werden soll. Erste Schritte dazu hat Noch-Eigentümer Sutter eingeleitet, indem der Personalbestand bei Baedeker auf nun noch 150 Mitarbeiter gestutzt wurde, „und davon gehen noch einige“, sagt Christian Sutter – froh, den gekündigten Mitarbeitern über die Trans-Fair-Gesellschaft Unterstützung anbieten zu können. Schon „in allerkürzester Zeit“, so Tom Kirsch, wolle Buch & Kunst mit Baedeker wieder schwarze Zahlen schreiben: „Wir trauen uns das zu.“ Und mehr als das: Lutz Gehrken, geschäftsführender Gesellschafter der Firma, an der zu 55 Prozent der britische Finanz-Investor Barclays Private Equity beteiligt ist, kündigte neben einer Filiale in Recklinghausen weitere neue Standorte in NRW an.

Gewöhnungsbedürftiger Traditionsname

Ein ehrgeiziges Programm also für die Dresdner, die bis dato über Filialen in 19 Städten der neuen Bundesländer verfügten und 2001 einen Umsatz von gut 44 Millionen Euro machten. Gemeinsam mit Baedeker (22,8 Mio. E) rutscht Buch & Kunst künftig auf Platz acht der größten deutschen Buchhandlungen. Ob künftige Expansionen in NRW unter dem Namen Baedeker laufen, ist noch offen. Im Internet schrieb Buch & Kunst den Namen gestern übrigens noch mit „ck“. Aber das wird schon noch.

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