Heinz Biehn Brief an Christian Strasser

In die aktuelle Diskussion um die Vergabe von Lizenzen an den Club bringt ein Brief von Heinz Biehn an Christian Strasser eine Facette ein, die bislang so noch nicht zur Sprache gekommen ist. Heinz Biehn, viele Jahre rechte Hand von KiWi-Verleger Dr. Neven DuMont und heute freier Berater, hat uns die Genehmigung erteilt, seine Zeilen hier zu veröffentlichen.

Lieber Herr Strasser.

Sie werden erstaunt sein, nach so langer Zeit etwas von mir zu hören. Der Briefwechsel zwischen Ihnen und Herrn Riethmüller veranlasst mich dazu.

Anfang der 60er Jahre schrieb Herr Riethmüller sen. einen Brief an Joseph Caspar Witsch, den dieser in einer Verlagsbesprechung verlas: „Sie, Herr Witsch, gehören zu den Totengräbern des Sortiments, da Sie zu denen gehören, die zunehmend Lizenzen an Buchgemeinschaften vergeben.“ Soweit der Sortimenter-Vater damals.

Es ist offensichtlich schwierig, einem Unternehmer aus dem Sortiment verständlich zu machen, dass jeder Unternehmer, also auch der Verleger, zunächst einmal eine Verpflichtung gegenüber dem eigenen Unternehmen hat. Danach kommt der noch immer wichtigste Partner für jeden Verlag, der Autor. Der hat, sogar laut Vertrag, ein Anrecht darauf, dass sein Werk vom Verlag bestmöglich. vermarktet und nicht nur verwaltet wird.

Meine Erfahrung ist, dass in den Verlagen weitaus mehr Wissen über die Sorgen und Probleme des Sortiments vorhanden ist und es mehr Verständnis und Rücksichtnahme gegenüber diesem gibt als umgekehrt – welcher Sortimenter z. B. muss mit Agenten verhandeln.

Nichts gegen Appelle an traditionelle Gemeinsamkeiten und den Willen, diese so weit als möglich zu erhalten, zum Nutzen aller. Niemand kann sich einen unregulierten Wettbewerb wünschen. Aber wir müssen auch alle zur Kenntnis nehmen, dass es nicht das vornehmste Kriterium der Marktwirtschaft ist, traditionelle Strukturen zu schützen. Der Markt sucht sich seine Produkte (und das Buch ist ein Produkt) und die Produkte suchen sich ihre Märkte, ob uns das passt oder nicht.

Vor diesem Untergrund mit Boykottmaßnahmen nicht nur zu drohen, sondern diese auch noch zu verhängen, ist nicht nur kurzsichtig, sondern ein gefährlicher Bumerang – es gibt nicht wenige bei den Kartellbehörden, denen die Usancen unserer Branche suspekt sind.

Heinz Biehn

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