Haderer-Boykott durch Erzdiözese Wien gerät zur Lachnummer

Die Erzdiözese Wien hat ihre Drohung, den Verlag Ueberreuter mit einem Boykott zu belegen, wahr gemacht, schreibt heute Michael Völker im österreichischen Standard. Es geht um das „karikaturistische Oeuvre des Herrn Haderer“, wie das Erzbischöfliche Amt für Unterricht und Erziehung in einem Brief an die katholischen Schulen darlegt. Betroffen von dem Boykott ist ausgerechnet auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der sich im Streit um das Jesus-Buch von Gerhard Haderer auf Seiten der Kirche gestellt und von „Schundzeichnungen“ gesprochen hat.
Christine Mann, Amtsleiterin in der Erzdiözese Wien, fordert die Schulen in einem Schreiben auf, von Bücherankäufen beim Verlagshaus Ueberreuter Abstand zu nehmen – „aus guten Gründen“, wie es heißt. Das Problem: Der Verlag Ueberreuter bietet im Schulbuchsektor nur noch sehr reduziert an, es scheint daher gar nicht einfach, den Verlag mit einem Boykott auch tatsächlich zu treffen. Daher führt die Erzdiözese drei Bücher an, die für den Schulgebrauch überhaupt in Frage kommen und abbestellt werden könnten.
An erster Stelle findet sich ein Werk von Wolfgang Schüssel: „Das rotweißrote Kugelbuch“. Dieses Buch stammt aus Schüssels Zeit als Außenminister, er hat es 1998 gemeinsam mit dem Autor Alfred Komarek herausgebracht und als Karikaturisten-Kollege von Haderer mit flotten Zeichnungen illustriert. Das Vorwort für dieses Kinderbuch stammt übrigens von Schüssels Sohn Daniel.
Die Erzdiözese ersucht die Schulen nun, die Bestellung, sollte sie schon aufgegeben sein, nur dann aufrechtzuerhalten, „wenn es keine vertretbaren pädagogischen Alternativen gibt“. Auch bei Ankäufen für die Schulbibliotheken sollte der Ueberreuter-Boykott bedacht werden – zumindest bis Jahresende: „Soweit schon getätigte Bestellungen noch rückgängig gemacht werden können, ersuchen wir Sie, dies zu tun.“ Und weiter: „Beim Ausrichten von Buchausstellungen werden Sie ebenfalls gebeten, verlässlich keine Bücher dieses Verlags zu präsentieren.“

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