Günther Grass Mitglied bei der SS: Geständnis in Autobiografie ruft weireichendes Echo hervor / Spekulationen über den Verlust des Nobelpreises

Einen besseren Zeitpunkt für das Marketing seiner Autobiografie konnte es für das Geständnis nicht geben. Günther Grass soll in seiner Autobiografie, die im September erscheint, bekennen, er sei im Alter von 17 Jahren, Mitglied der SS gewesen. Was Frank Schirrmacher am Wochenende in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erstmals ans Tageslicht geholt hat und sich durch ein persönliches Interview bestätigen ließ, ruft ein weitreichendes Echo hervor. Seither diskutiert die Gesellschaft: Durfte Grass diese Tatsache so lange für sich behalten?

Inzwischen wird diskutiert, ob Grass womöglich der Nobelpreis aberkannt wird, wie die Rheinische Post am Montag Morgen in ihrer Printausgabe titelt. Konkrete Stellungnahmen aus Stockholm gibt es dazu aber noch nicht. Vom „Ende einer moralischen Instanz“, so Biograf Michael Jürgs in der Welt bishin zu Verständnis bei Martin Walser in der Stuttgarter Zeitung, der darin „ein vernichtendes Licht auf das Bewältigungsklima“ in Deutschlaqnd fallen sieht, reichen die Reaktionen. Jürgs, der sich in seiner Biografie („Bürger Grass“, Random House) besonders mit der Jugend des Schriftstellers auseinandergesetzt hatte, zeigte sich „persönlich enttäuscht“, weiß die Frankfurter Rundschau zu berichten. Für Ralph Giordano verliert Grass dagegen nicht an Glaubwürdigkeit.

Scharfe Angriffe kamen entssprechend mehrerer Berichte vor allem von Joachim Fest. Er verstehe nicht, «wie sich jemand 60 Jahre lang ständig zum schlechten Gewissen der Nation erheben kann, gerade in Nazi-Fragen – und dann erst bekennt, dass er selbst tief verstrickt war», sagte Fest der «Bild»-Zeitung.

Wie verschiedene Medien berichten, forderte Lech Walesa Grass auf, seine Ehrenbürgerschaft der Stadt Danzig zurückzugeben. Der Rat der Stadt, so die Netzzeitung, wolle aber erst einmal abwarten. Außerdem droht ihm auch der Entzug des Carel Capek Preises, den ihm der tschechische PEN-Club verliehen hat.

Die Autobiografie soll im September unter dem Titel „Beim Häuten der Zwiebel“ im Steidl Velag erscheinen.

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