Es ist gefunden: Das Wort für „nicht mehr durstig“ lautet künftig „sitt“

Selten wurde eine Wortschöpfung mit soviel Werberummel begleitet wie die gemeinsame kreative Aktion des Tee-Herstellers Lipton und der Dudenredaktion.Von April bis August dieses Jahres waren Verbraucher und Schüler aufgerufen, ein sprachliches äquivalent für nicht mehr durstig zu finden.Warum das Ganze? Ein großer PR-Gag für Lipton, eine Image-Pflege für den Wörterbuch-Klassiker aus Mannheim. Man wolle nicht mehr nur der Oberlehrer der Nation sein, verkündigte Dr. Mathias Wermke, Leiter der Duden-Redaktion, bei der Präsentation des Gewinners in Hamburg.So erklang dann auch aus seinem Munde das nicht mehr ganz frische Vokabel-Trio jung, dynamisch, kreativ, um der der Aktion Erfolg zu bescheinigen. Knapp 100.000 Innovative beteiligten sich per Telefon, Postkarte oder Internet, eine Jury aus Mitgliedern beider Unternehmen tagte angeblich nächtelang (gab es da nur Tee zu trinken?), um den besten Vorschlag mit Hilfe eines speziellen (Tee-)Netzes von Kriterien herauszufiltern: Es sollten keine Markennnamen auftauchen (etwa sprity), das Wort mußte leicht sprechbar und kurz sein, deutsche Herkunft und Sympathie waren gefragt. Am 7. Oktober ließ Dr. Matthias Wermke vor Blitzlicht und laufenden Kameras, gelben Teedosen und ebenso gelben Buchrücken der jüngsten Duden-Ausgabe endlich die Katze aus dem Sack: Sitt heißt das Zauberwort, das in Zukunft unzählige Kneipenwirte zur Verzweiflung bringen soll, wenns vom Stammtisch ruft: Nix nächste Runde … Wir sind vollkommen sitt! Das Wort wurde mehrfach eingereicht und gewann das Rennen aus folgenden Gründen: Es ist eine Neuschöpfung, harmoniert mit dem bereits bekannten satt und läßt sogar die Altphilogen jubeln, denn sitim sedare bedeutete schon im alten Rom den Durst löschen. So richtig Feierstimmung kam aber doch nicht auf, auch riß der Gewinner, ein symphatisch bescheidener 17-jähriger Schüler aus Ludwigsburg, nicht seine Arme in Formel-1-Manier nach oben: Bis zur Eintragung in den Duden hat sein Wort nämlich noch einen langen Weg vor sich. Erst wenn sitt im deutschsprachigen Raum tatsächlich in aller Munde ist und der Mannheimer Redaktion entsprechende schriftliche Belege vorliegen, folgt die offizielle Anerkennung.Ein erster Praxistest soll übrigens auf der diesjährigen Buchmesse stattfinden. Beim traditionellen Messeausklang am BuchMarkt-Stand (Montag, 12 Uhr) sind alle Gäste aufgefordert, nach reichlich Altbier mit dem Satz Jetzt bin ich sitt abzuwinken.

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