Dr. Michael Schön, Geschäftsführer der Buchhändler-Vereinigung, zum KNOE/Libri-Vorstoss

„Für mich kam diese Meldung recht überraschend, weil es immer geheißen hat, dass eine Datenübernahme z.B. ins VLB nicht möglich sei, und jetzt geht es auf einmal, die Datenpools der ärgsten Konkurrenten zusammenzulegen und gleich noch die Geschäftsidee des VLB mit zu übernehmen. Wie das wettbewerbsrechtlich zu beurteilen ist, weiß ich nicht. Klar ist aber, dass die Daten nicht besser als im VLB sein können. Zudem wird es kaum gelingen, den Titelbestand des VLB ausschließlich über online-Meldungen der Verlage darzustellen; ans VLB werden mit einem relativ stabilen Wert ca. 70 Prozent der Titel elektronisch gemeldet. Der Rest muss – auch bei unseren Wettbewerbern – in irgend einer Form „händig“ erledigt werden. Sicher wird es auf den ersten Blick preiswerter sein, bei KNOE/Libri zu melden – scheinbar. Die wahren Umsätze werden dort – barsortimentsüblich – mit Rabatten gemacht. Verlagsbestellungen werden dadurch eher behindert, durch das VLB indes ermöglicht. Insofern wird diese neue Datenbank ein Instrument für den Buchumsatz und nicht – wie das VLB – ein branchenübergreifender, interessenunabhängiger Nachweis von Titeln und gebundenen Preisen sein: Was im übrigen das VLB zu einem unverzichtbaren Argument zum Erhalt der Preisbindung macht. Auch wenn ich die neue Konkurrenz sehr ernst nehme, sehe ich keinen Grund, das VLB damit totzusagen. Die Argumente, die vor 30 Jahren für die Gründung eines VLB gesprochen haben, gelten auch heute noch uneingeschränkt bzw. angesichts dieser neuen Geschäftspolitik der Barsortimente noch viel stärker als damals: alle Titel, alle Preise und das unabhängig. Und wer in Zukunft darüber nachdenkt, im VLB oder nur noch bei KNOE/Libri zu listen, sollte die preisbindungsrelevanten Folgen im Auge haben. „

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