Deutschland erwartet den zweiten Pisa-Flop

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa haben sich deutsche Schüler auch in der zweiten Pisa-Studie nicht verbessert. Sie landen in allen drei Testdisziplinen nur in der unteren Hälfte der Leistungstabelle von 31 Industriestaaten. Beim aktuellen Schwerpunkt Mathematik konnten sie sich um drei Plätze verbessern und belegen jetzt den 17. Rang. Beim Lesen und Textverständnis, die Schlüsselkompetenz für das Lernen in Schule und Beruf, kommen sie dagegen nur auf Platz 20.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen, wollte die Ergebnisse weder bestätigen noch dementieren. Aber auch sie warnte vor zu großen Hoffnungen auf eine schnelle Verbesserung deutscher Schüler: „Größere Veränderungen sind in einem so komplexen System wie der Schule innerhalb eines eineinhalbjährigen Zeitraums nicht erwartbar“, erklärte die rheinland-pfälzische SPD-Kultusministerin.

Drei Jahre nach der ersten Pisa-Studie belegt die Untersuchung erneut: In keinem anderen vergleichbaren Staat der Welt hängt der Schulerfolg so stark von Einkommen und Vorbildung der Eltern ab wie in Deutschland. Das deutsche Schulsystem versagt nach dem Fazit der Forscher bei der Förderung von Arbeiter- und Migrantenkindern. Bei gleicher Begabung hat ein Akademikerkind in Deutschland eine mehr als dreimal so große Chance, das Abitur zu erlangen, als ein Facharbeiterkind.

Für die neue Studie waren im Frühjahr 2003 bundesweit 50.000 Schüler im Alter von 15 Jahren getestet worden. Die Auswertung wird seit Wochen mit Spannung erwartet. Offiziell werden die Ergebnisse von der Kultusministerkonferenz und der OECD erst am 7. Dezember vorgestellt. In einigen Bundesländern waren auf Anordnung der Ministerien monatelang vor der Untersuchung Pisa-Aufgaben aus dem ersten Test intensiv geübt worden. Einen detaillierten Vergleich der Bundesländer haben die Kultusminister erst für den Herbst 2005 angekündigt.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat den Kultusministern Konzeptionslosigkeit bei der Schulreform vorgeworfen. Sollten sich die neuen deutschen PISA-Ergebnisse bestätigen, dann sei dies die „Quittung für richtungslose Werkelei” und für die ständigen Verschlechterungen der Lern- und Arbeitsbedingungen in den Schulen. Das sagte GEW- Vorstandsmitglied Marianne Demmer der dpa.

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