Brief an den Handel: Verlagsgruppe Ullstein Heyne List wird vorerst keine weiteren Lizenzen für Club-Premieren vergeben

Wie jetzt bekannt wird, hat Heyne Verleger Christian Strasser (Foto) sich am 30. April mit einem Brief an den Handel gewandt, in dem er noch einmal Position zur aktuellen Diskussion um die Vergabe von Lizenzen an den Bertelsmann Club bezieht. Kern seines Briefes, den wir hier im Wortlaut veröffentlichen, ist die Aussage, dass seine Ullstein Heyne List Verlagsgruppe „bis zur Festschreibung“ neuer Regeln „keine neuen Lizenzen für Club-Premieren vergeben“ werde.

In der Tat muss es dringend zu einer branchenverträglichen Lösung in dieser Frage kommen. Und gespannt wird man auch sein dürfen, wie der Handel auch weiterhin reagieren wird. Klar ist doch, dass der CLUB längst von anderen Verlagen auch Lizenzen übernommen hat, die in den nächsten Monaten ausgewertet werden. Diskussionsstoff genug also für die Buchhändlertage in Braunschweig in der kommenden Woche.

Hier der Brief von Christian Strasser

Sehr geehrte Buchhändlerin, sehr geehrter Buchhändler,

ausgelöst durch das Erscheinen eines Romans von John Grisham als Premiere beim Bertelsmann Buchclub entbrannte in den letzten Wochen eine hitzige Debatte um die Rahmenbedingungen unserer Arbeit. Es blieb nicht lange bei der Diskussionen die Praxis der Lizenzvergabe, schnell entwickelte sich eine grundsätzliche Auseinandersetzung um Marktmacht und Preisbindungszukunft.

Ich kann Ihnen versichern, daß mir die Entscheidung für die Vergabe der Lizenz an den Club nicht leicht gefallen ist. Erst nach langen Diskussionen mit den Programm- und Vertriebsverantwortlichen im Haus konnten wir uns zur Annahme des Club-Angebots durchringen.

Dabei war ausschlaggebend, daß wir mit der Vergabe weder gegen Branchenvereinbarungen noch gegen das Preisbindungsrevers oder gar bestehendes Recht verstoßen. Unsere Entscheidung reiht sich vielmehr ein in die etablierte Praxis der Verlage, die bereits zu einer großen Zahl von Club-Premieren bekannter und unbekannter Autoren geführt hat. Wir haben uns dann in der Folge bemüht, diese Lizenzvergabe früh und offen zu kommunizieren und um Verständnis für unsere Position geworben.

Trotz aller Vorüberlegungen hat mich die Heftigkeit der Reaktionen aus Ihrem Kreis überrascht und getroffen. Ich möchte deshalb an dieser Stelle ausdrücklich betonen, daß es zu keiner Zeit in meiner Absicht lag, durch die Vergabe der Club-Lizenz neue und verschärfte Bedingungen in unserer Branche zu definieren. Der stationäre Handel ist und bleibt unser wichtigster Partner, und ich erkläre ausdrücklich, daß wir leidenschaftliche Verfechter der Preisbindung sind.

Und dennoch zeigt die momentane Entwicklung, daß die Regeln in unserer Brauche neu formuliert werden müssen. Bitte stellen Sie sicher, daß der Sortimenterausschuß im Börsenverein Ihre Interessen wirkungsvoll vertritt. Dies gilt insbesondere für die Formulierungen des neuen Preisbindungsgesetzes. Nur wenn diese verbindlich und unmißverständlich für alle Marktteilnehmer sind, wird die Preisbindung auf Dauer gesichert und kann vor allem der Buchhandel seine einzigartige Stellung weiter behaupten. Der Heyne Verlag wird an einer solchen Regelung nach Kräften mitwirken und sie selbstverständlich hundertprozentig einhalten.

Als ersten Schritt hin zu einem neuen Konsens erkläre ich für unsere gesamte Verlagsgruppe, daß wir bis zur Festschreibung dieser neuen Regeln keine neuen Lizenzen für Club-Premieren vergeben werden. Ich hoffe, damit den Weg freizumachen für die Fortsetzung unserer intensiven und kollegialen Geschäftsbeziehungen zum Sortiment und wünsche uns gemeinsam einen erfolgreichen Bücherherbst.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Strasser

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