Auswärtiges Amt und PRO HELVETIA unterstützen 17 Übersetzungsprojekte / Fokus auf neue Autoren und Literatur aus Lateinamerika

Die Literaturen des Südens der Welt werden trotz knapper Haushaltsmittel auch weiterhin vom Auswärtigen Amt und der Schweizer Kulturstiftung PRO HELVETIA gefördert. Bewilligt wurden Ende Januar Zuschüsse für insgesamt 17 Übersetzungsprojekte „relevanter belletristischer Werke“, die von der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika (Frankfurt am Main) ausgewählt wurden, teilt die Frankfurter Buchmesse mit.

Berücksichtigt wurden auch sieben Titel bislang ins Deutsche unübersetzter Autorinnen und Autoren. Bei der verlegerischen Autorenförderung liegt der Schwerpunkt auf lateinamerikanischer Literatur. Die Gesellschaft wird von der Frankfurter Buchmesse und dem Evangelischen Entwicklungsdienst mitgetragen.

Zu den Autoren-Neuentdeckungen gehört der Ägypter Alaa Al-Aswani, dessen Roman „Der Jakubijân-Bau“ bereits verfilmt wurde und in der arabischen Welt und in Frankreich zum Bestseller geworden ist. Weitere Romane in der Kategorie „Neue Autoren“ sind „Die blaue Stunde“ des peruanischen Autors Alonso Cueto, der in Indonesien zum Skandal gewordene Roman „Saman“ der jungen Journalistin Ayu Utami und der in China nur im Internet kursierende Roman „Dem Volke dienen“ von Yan Lianke, der die Kulturrevolution als Komödie und Farce erzählt.

Zu den literarischen Entdeckungen zählen auch ein Jugendbuch von Joseph Lemasolai Lekuton (Kenia), in dem romantische Vorstellungen über das Leben der Massai zurechtgerückt werden, sowie Gedichte des Mexikaners Xavier Villaurrutia und des Kambodschaners U Sam Oeur.

Nicht nur komplette Neulinge können von den Zuschüssen profitieren. Im Rahmen der verlegerischen Autorenförderung werden auch Autorinnen und Autoren unterstützt, die mit ihren Werken bereits im Programm eines deutschsprachigen Verlags vertreten sind. Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt der Förderung auf Lateinamerika: Neue Romane wird es geben von Edgardo Cozarinsky (Argentinien), Tomas Gonzaléz (Kolumbien), Pablo de Santis (Argentinien) und Amir Valle (Kuba), sowie Erzählungen von José Guillermo Anjel (Kolumbien) und zwei Kurzromane von Gabriel Trujillo Muñoz (Mexiko).

Mit den Tagebüchern der Argentinierin Alejandra Pizarnik („In einem Anfang war die Liebe Gewalt“) wird schließlich ein besonderes Verständnis des Werkes der Poetin möglich. Außerdem wurden folgende belletristische Werke berücksichtigt: Frühe Erzählungen des Libyers Ibrahim al-Koni, ein neuer Roman der Palästinenserin Sahar Khalifa („Heißer Frühling“) und eine Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda 1994 von Esther Mujawayo („Auf der Suche nach Stephanie“).

Seit 1984 hat das Förderprogramm mehr als 530 Übersetzungen auf den Weg gebracht. Gefördert werden dabei vornehmlich Werke von Autorinnen und Autoren, die bisher gar nicht oder nur unzureichend in deutscher Übersetzung vorliegen, sowie Bücher aus Ländern, deren Literatur kaum auf dem deutschsprachigen Buchmarkt vertreten ist. Besonderes Augenmerk gilt dabei seit langem der Arabischen Welt, die 2004 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war. Mehr als 130 der in dem Programm geförderten Titel waren Übersetzungen von Autorinnen und Autoren aus der arabischen Welt, zwei Drittel davon Übersetzungen aus dem Arabischen.

Die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika nimmt bis zum 1. April 2007 neue Anträge entgegen.

Eine Liste der geförderten Titel mit bibliographischen Informationen findet sich unter: www.litprom.de/uebersetzungsfoerderung.html

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