An: Tim Arnold, Leiter Unternehmenskommunikation Random House, zum Kauf der Axel-Springer-Buchverlage durch Random House

BuchMarkt: Schon zur Jahreswende hat man mit dem Kauf der Verlagsgruppe Ullstein Heyne List durch Bertelsmann gerechnet. Wo lagen die kritischen Punkte?

Tim Arnold: Die Axel Springer Verlag AG hat sich erst nach den Weihnachtsfeiertagen entschieden, einen Käufer für ihr Buchgeschäft zu suchen. Danach begannen Gespräche und Verhandlungen, die einige Wochen gedauert haben. Ein Vertragsabschluss zur Jahreswende war nicht realistisch.
Die Verhandlungen wurden professionell geführt. Die Verlagsgruppe Random House wurde dabei persönlich von Joerg Pfuhl vertreten, der auch schon bei der Integration von Random House in die Verlagsgruppe Bantam Doubleday Dell im Jahr 1998 eine entscheidende Rolle spielte.

BuchMarkt: Die Integration von Heyne in die schon bestehende Gruppe Ullstein Econ List hat zwei Jahre und viel Kraft gekostet. Wie wollen Sie das jetzt angehen? Schaffen Sie das überhaupt auch personell? Oder lassen Sie der neuen Gruppe ihre Unabhängigkeit?

Tim Arnold: Wir möchten die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List als Ganzes übernehmen. Wir haben Hochachtung vor der Arbeit, die unsere Kollegen dort bisher geleistet haben und freuen uns auf unsere neuen Autoren und Lektoren. Zunächst müssen wir jetzt die kartellrechtliche Prüfung abwarten, die mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Während dieser Zeit werden beide Unternehmen vollkommen unabhängig voneinander weiter geführt. Danach werden die besten Köpfe beider Unternehmen zusammen arbeiten, um eine Entwicklungsperspektive für das gesamte Haus festzulegen.
Grundsätzlich gilt bei Random House das Prinzip der verlegerischen Autonomie und der dezentralen Führung.

BuchMarkt: Der Kauf der Ullstein Heyne List Gruppe wird als Signal dafür gewertet, dass Random House künftig nur noch auf populäre Mass Market Titel setzt. Ist in einem Konzept noch Platz für literarische oder anspruchsvolle Labels wie Berlin, Luchterhand oder Siedler, die nicht für den Massenmarkt produzieren?

Tim Arnold: Wir machen überwiegend Bücher für ein breites Publikum. Aber natürlich werden wir daneben immer auch einen literarischen Anspruch vertreten und versuchen, neue Autoren zu entdecken und zu fördern. Beides gehört zusammen, wenn man mit großer Leidenschaft Bücher macht. Man kann sagen: Es ist unser Ziel, dem Kulturgut Buch in Deutschland eine wirtschaftliche Zukunft zu eröffnen.

BuchMarkt: Was passiert, wenn das Kartellamt nicht zustimmt?

Tim Arnold: Dann müssen wir uns überlegen, wie wir die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List so umstrukturieren, dass wir eventuelle Bedenken des Kartellamts ausräumen können. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Übernahme genehmigt wird. Schließlich kann bei einem kombinierten Marktanteil von 11% von einer marktbeherrschenden Stellung keine Rede sein.

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