5. Berliner Bücherinseln eröffnet

Gestern Abend traf sich die Berliner Kinderbuchszene in der Staatsbibliothek zu Berlin, wo bereits zum fünften Mal die Berliner Bücherinseln [mehr…] eröffnet wurden. Ulrike Nickel, Geschäftsführende Vorsitzende des Vereins kulturkind und Initiatorin der Veranstaltungsreihe, freute sich über einen voll besetzten Saal.

Unter dem diesjährigen Leitthema „Kulturelle Vielfalt im Kinderbuch“ haben in den kommenden Wochen wieder Berliner Grundschulklassen die Möglichkeit, mit Autoren, Illustratoren und Übersetzern über ihre Arbeit zu sprechen und mehr darüber zu erfahren, wie Bücher überhaupt entstehen. Bis zum 7. Juni sind die Schülerinnen und Schüler eingeladen, Bücherorte wie Buchhandlungen, Bibliotheken, Verlage und kulturelle Institutionen zu besuchen. In einer Gesprächsrunde gaben gestern Abend die Autoren Iva Procházková und Klaus Kordon sowie die Illustratoren Sybille Schenker und Einar Turkowski schon einmal einen kurzen Ausblick auf das, was die Kinder erwartet. Jedes Jahr nehmen rund 1000 Schüler an dem Programm teil. Den rund 45 Schulklassen werden 40 Veranstaltungen geboten, was bedeutet, dass niemals mehr als zwei Klassen an einem Termin teilnehmen. „Das Format der kleinen Gruppen ist ein wesentliches Merkmal der Bücherinseln“, so Ulrike Nickel.

Der Übersetzer Tobias Scheffel, der in diesem Jahr die Schirmherrschaft übernommen hat, ist regelmäßiger Gast des Programms und hat seine eigene Erfahrungen mit den Bücherinseln gemacht: Dass ein Übersetzer auf eine Schulklasse trifft, könne für viele dieser Kinder bedeuten, dass sie jemandem begegnen, für den die Kenntnis mindestens zweier Sprachen etwas Bereicherndes, sagte er. „Die Kenntnis einer zweiten Sprache ist keine Behinderung, kein Manko, kein sozialer Makel.“ Dass zu Hause beispielsweise Kurdisch gesprochen wird, Albanisch, Russisch oder Türkisch sei nichts, was dieses Kind in irgendeiner Form benachteiligt. Das sei vielmehr ein Reichtum. Ein Reichtum, der im Schulalltag in aller Regel aber keine Rolle spiele und deshalb als solcher kaum wahrgenommen werde.

Dass das Zuhause-Sein in zwei Kulturen, etwas Positives ist, sei manchem Kind erst klar geworden durch die Begegnung mit einem Übersetzer, der sich zwischen zwei Kulturen hin- und her bewegt und den einen etwas bringt, was sie nicht haben könnten, wenn es ihn nicht gäbe. „Zum Reichtum der Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland gehört übrigens auch genau diese Offenheit – wenngleich das manche offenbar nicht so recht begreifen wollen – und ich freue mich, dass die Berliner Bücherinseln sich von Beginn an für diese Offenheit einsetzen“, so Scheffel.

Unter den Gästen des Abends war auch Andrzej Szynka, Gesandter der polnischen Botschaft. Sein Land ist in diesem Jahr Ehrengast der Bücherinseln. Erwartet werden die Kinderbuchillustratoren Monika Hanulak, Małgorzata Gurowska und Pawel Pawlak.

Das Programm der Berliner Bücherinseln: www.berliner-buecherinseln.de

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