Taschenbuch
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Taschenbücher sind, wie der Name schon sagt, Bücher für die „Tasche“. Weiterhin definiert werden die Taschenbücher durch Großauflagen, Seriencharakter, regelmäßige Erscheinungsweise und den Verzicht auf den Schutzumschlag.
Zunächst war das Taschenbuch nur eine Weiterverwertung eines Verlagsrechts. Inzwischen spielen die Originalausgaben eine herausragende Rolle und sind das „zweite Standbein“ der Taschenbuchproduktion.
Das Geburtsjahr des Taschenbuchs in Deutschland ist das Jahr 1950. Rowohlt eröffnete mit dem Erscheinen der ersten rororo’s im Juni eine neue Bücherwelt. Unter großer „publizistischer Resonanz“, wie ein Vater der Taschenbücher in Deutschland, der spätere dtv-Chef Heinz Friedrich zu berichten weiß, schwankte die journalistische Betrachtung des neuen Buchtyps zwischen großer „demokratischer Buchzukunft“ und „Vorboten einer Buchkulturdämmerung“.
Die „Vorgeschichte“ des Taschenbuchs: Im ersten Jahrhundert nach Christus wurden die Schriftrollen von den Buchseiten abgelöst. Die Unhandlichkeit der Codices des Mittelalters führten zur Erfindung der Breviere und Stundenbücher, die man bequem zum „Stundengebet“ mitnehmen konnte. Sie gehören zu den Vorläufern des Taschenbuchs.
Formate waren hier Klein-Oktav, Oktav und Groß-Oktav. Die Erfindung der Schnellpresse war die entscheidende technische Innovation seit Johannes Gutenbergs bahnbrechender Erfindung verbunden mit der Klebebindung, dem Lumbecken, und der Einführung des Pappeinbandes.
Eine der Konsequenzen der Durchsetzung der neuen Buchform: Die Auflösung des Monopols für das gebundene Buch. Inzwischen zeigt sich, dass das Taschenbuch eine umfangreichere und langlebigere Backlist entwickelt, als dies beim Hardcover der Fall ist. Vorzeigebeispiel ist Heinrich Böll’s „Irisches Tagebuch“, Band 1 bei dtv aus dem Jahr 1961, der immer noch verkauft wird.
Vorgänger des Taschenbuchs sind in der „Idee“ die Reclam-Hefte. Neben Reclam gehört die Tauchnitz Edition zu den Vorläufern des Taschenbuches. Für englischsprachige Reisenden erfunden, erhielt man diese Bücher in Bahnhofläden und Kiosken. Mit diesen Büchern wurde auch der Bahnhofsbuchhandel und der Buchverkauf an Kiosken begründet. Taschenbuchähnliche Bücher gab es in den zwanziger Jahren: Die preiswerten und von hohen Auflagen begleiteten Bücher aus den Verlagen S. Fischer, Ullstein und Goldmann.
Vorgänger der rororo’s waren die Rowohlts-Rotations-Romane, die auf Zeitungspapier gedruckt im Nachkriegsdeutschland den Lesehunger stillten. Sie erschienen in Auflagen von 50.000 Exemplaren, Autoren waren Tucholsky, Kästner, Hemingway und andere in der Nazi-Zeit verfemte oder verbotene Autoren.
Weitere Taschenbuchverlage folgten der Idee aus dem Hamburger Verlagshaus: Fischer, Scherz, Goldmann, Herder, List, Ullstein und Heyne gehörten zu den Ersten auf dem deutschen Buchmarkt. Seit 1961 werden diese Verlage von einer Taschenbuchkooperation begleitet. Zwölf Hardcoververlage gründeten als Gesellschafter den dtv. Heutige Gesellschafter sind C.H. Beck, die Ganske-Gruppe, Hanser und die Verlagsgruppe Oetinger.
Inzwischen haben viele Taschenbuchverlage anspruchsvolle Programme, zu ihnen zählen: Arena, Aufbau, C.H. Beck, Diogenes, DuMont, Herder, Kiepenheuer & Witsch, Luchterhand, Matthias Grünewald, Piper, Reclam, Suhrkamp, Unionsverlag.
Der Vertrieb des Taschenbuches unterscheidet sich vom Hardcover in einigen Bereichen. Auch hier wird der Sortimenter in der Regel zweimal im Jahr zur Frühjahrs- und Herbstreise besucht. Der Einkaufsrhythmus für Taschenbücher ist bei der Frühjahrsreise die Phase von April bis Oktober und bei der Herbstreise von November bis März.
Die Novitäten der Taschenbücher werden über sechs Auslieferungsmonate im voraus bestellt. Es können ganze Reihen und Programme zur Fortsetzung bestellt werden. Man kann aber auch jeden Titel einzeln in der gewünschten Stückzahl bestellen oder die Fortsetzungsbestellzahl für einzelne Titel ergänzend erhöhen. Bestseller werden häufig in hohen Stückzahlen in besonderen Containern mit Aktionsrabatt und Partiebezug (der sonst beim Taschenbuch nicht üblich ist) angeboten.
Bei Taschenbuchaktionen können Themenpakete, Autorenpakete oder Bücher z.B. zum Film angeboten werden. Es gibt Bücherpakete zu Jubiläen, Gedenktagen und besonderen Anlässen wie Urlaub, Weihnachten, Ostern, Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, zum Jahreswechsel, Krimi und Science Fiction-Pakete, Pakete zu Ländern, zu Ratgebern, Pakete zum Thema Recht usw.
Natürlich gibt es auch Taschenbücher im Bereich Kinder- und Jugendliteratur.
Taschenbücher werden in der Regel monatlich gebündelt ausgeliefert, häufig auch mit den Titeln der wiederaufgelegten Backlist. Für die so bezogenen Taschenbücher gibt es volles Umtauschrecht beim Verlag.
Die unkomplizierten Umtauschregeln für das Sortiment ermöglichen einen großen „Gebrauchtbuchmarkt“ für das Taschenbuch. Remittenden sind ständig verfügbar und schaffen weiteren Markt.
Im Konditionen-Bereich für das Taschenbuch spiegeln sich die Handelsbräuche aus dem Hardcover mit einigen Ergänzungen wieder. Es gibt Jahresabschlüsse bezogen auf den Gesamtumsatz, diverse Rabatte und Bonuszahlungen bei der Erreichung eines Jahresumsatzziels. Bei Reihenbestellungen, Einführung neuer Reihen und Ladenöffnung kann es gesonderte Rabatte und lange Zahlungsziele geben.
Zu den „erweiterten Konditionen“ gehören Werbematerial wie Prospekte, Magazine, Flyer, Plakate, Schaufensteraufsteller, Deckenabhänger und Give Aways. Aber auch Drehsäulen, Verkaufträger, Ständer und manchmal ganze Regalteile gehören zu den erweiterten Leistungen der Taschenbuchverlage, die bei entsprechend hohem Auftrag kostenlos mitgeliefert oder gegen die Produktionsgebühr erworben werden können.
Marketing- und Werbeschwerpunkt der Taschenbuchverlage sind die Verlagsvorschauen, Aktionsübersichten, monatliche Bestelllisten und Gesamtverzeichnisse. Inzwischen spielt die Homepage der Verlage sowohl für die Buchhändler als auch für die Kunden eine zentrale Rolle, sie sind tagesaktuell und ermutigen zu Schnellschüssen und schneller Reaktion auf aktuelle Themen. Lesemagazine und Anzeigenwerbung sorgen für breite Kommunikation zu Lesern und Buchhändlern.
Zum Programm der Taschenbuchverlage gehören neben den Lizenzausgaben, der Verkauf von Originalausgaben, Jahrestitel, Magnum-Bände, Nachschlagewerke und Wörterbücher, Klassiker-Gesamtausgaben, Taschenbuchsonderausgaben zu besonders attraktiven Preisen.
Auch im Taschenbuchbereich zeigt sich eine starke Verlagskonzentration. Zur Holtzbrinck-Gruppe gehören u.a. die Taschenbuchverlage Rowohlt, Fischer, Wunderlich und Knaur, zur Bertelsmann-Gruppe z.B. die unter dem Random House versammelten Taschenbuchverlage Goldmann und Heyne, zur schwedischen Bonnier-Gruppe die Verlage Ullstein und Piper.
