Holtzbrinck-Gruppe

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Die Holtzbrinck-Gruppe – bewusst wird nicht von Konzern gesprochen – zählt nach Springer und der Bertelsmann AG zu den größten deutschen Medienunternehmen. Wesentliches Merkmal der in Stuttgart beheimateten Verlagsgruppe ist die dezentrale Führungsstruktur: Die hier operierenden Unternehmen arbeiten weitestgehend eigenständig „an der langen Leine“ und eigenverantwortlich.

Die operativen Einheiten werden zwar von Stuttgart geführt, aber das auf seine sehr schlanke Führungsstruktur stolze Unternehmen beschränkt sich im wesentlichen auf Controlling-Funktionen und fördert in einer eigenen Inhouse-Medienakademie den Nachwuchs, um Führungspositionen in den angeschlossenen Unternehmen „aus eigener Kraft“ besetzen zu können.

Die Eigentumsverhältnisse wurden vom Gründer Georg von Holtzbrinck festgelegt: Seine drei Kinder – Dieter von Holtzbrinck, Monika Schoeller und Stefan von Holtzbrinck – erhielten je ein Drittel der Anteile. Nach dem Rücktritt von Dieter von Holtzbrinck, der 2006 seine Anteile zu gleichen Teilen an seine Geschwister abgegeben hat, ist sein Halbbruder Dr. Stefan von Holtzbrinck Vorsitzender der Geschäftsleitung. Monika Schoeller leitet seit vielen Jahren die S. Fischer-Verlage in Frankfurt am Main, die zur Gruppe gehören.

Dieter von Holtzbrinck startete zum Juni 2009 einen Millionen-Deal: Er übernahm von Stefan von Holtzbrinck das „Handelsblatt“, die „Wirtschaftswoche“, den „Tagesspiegel“ und 50% der Anteile der „Zeit“; die Titel werden in der Familiengesellschaft Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) gebündelt. Durch den Kauf wurden die Verbindlichkeiten (Medien sprechen von 300 Millionen Euro) gegenüber Dieter von Holtzbrinck und seiner Stiftung getilgt, die damals beim Ausscheiden Dieter von Holtzbrincks aus der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck vereinbart wurden, hieß es dazu in einer offiziellen Erklärung.

Interessant an diesem Deal ist, dass Dieter von Holtzbrinck lt. einem Interview im „Handelsblatt“ Vorkehrungen getroffen hat, dass die jetzt von ihm übernommenen Verlage nach seiner verlegerischen Tätigkeit zur Verlagsgruppe zurückkommen können. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass diese eines Tages wieder an seinen Bruder Stefan übertragen werden.

Der Gründer Georg von Holtzbrinck startete bereits 1930 seine Karriere bei der „Union Deutscher Verlage“ und konnte während des Krieges den Verlag kaufen. 1951 stieg er als Gesellschafter bei der Zeitung „Christ und Welt“ (Vorläufer des Rheinischen Merkur) ein und gründete 1960 die „Evangelische Buchgemeinde“. Daraus entwickelte sich der Deutsche Bücherbund, der allerdings 1989 mit den übrigen Buchclubaktivitäten zunächst über Leo Kirch an Bertelsmann verkauft wurde.

Das Engagement im Zeitungssektor wurde 1968 mit dem Einstieg beim „Handelsblatt“, 1970 bei der „Saarbrücker Zeitung“ und 1974 bei der „Wirtschaftswoche“ verstärkt. Weitere namhafte Zeitungen – u.a. „Die Zeit – kamen in den Folgejahren dazu.

1962 begann der Einstieg in das Buchverlagsgeschäft. Eine erste Beteiligung von 40% am S. Fischer Verlag wurde getätigt. Es folgte 1970 eine Beteiligung an den Rowohlt-Verlagen, 1977 übernahm Georg von Holtzbrinck von Willy Droemer die Droemerschen Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1983, dem Todesjahr Georg von Holtzbrincks, wurden die Rowohlt-Verlage zu 100% übernommen.

Längst operiert die Gruppe international, und es gehören ihr so renommierte Verlage wie Henry Holt, Farrar, Straus & Giroux, W.H. Freemann, Scientific American (alle New York) oder die Macmillan-Gruppe London mit vielen angeschlossenen Unternehmen an. Aktivitäten im Fernsehen, Hörfunk und den Neuen Medien runden die Interessen der vielseitig operierenden Gruppe ab.

Der Umsatz der Verlagsgruppe GvH betrug 2008 2,56 Milliarden €.

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