Eichborn Verlag

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Der Eichborn Verlag wurde 1980 vom damaligen Fischer-Lektor Vito von Eichborn und Dr. Matthias Kierzek, damals Inhaber der Fuldaer Verlagsanstalt, als Vito von Eichborn GmbH & Co Verlag KG in Frankfurt gegründet.

Im privaten Hinterzimmer wurde das erste Programm des „Verlags mit der Fliege“ zusammengestellt – eine Mischung aus Weltliteratur (Kobo Abe), politischem Engagement, Sponti-Büchern und Humor. An dieser bunt gemischten Grundstruktur – dem „Eichborn-Spagat“ aus Kunst und Kommerz – hat sich bis heute nichts geändert.

Nach ersten großen Erfolgen (z.B. „Domenica“) vergrößerte sich das junge Unternehmen schnell. Bald gab es die ersten Cartoonbände von Erich Rauschenbach. 1984 kam das erste Manuskript von Walter Moers unverlangt in den Verlag und sorgte für Lachkrämpfe und Tränen der Freude. Vito von Eichborn sagte dem damals völlig unbekannten Zeichner sofort zu. Mit „Der große Boss“ und „Schummeln, aber richtig“ lieferte Eichborn einmal mehr entscheidende Anstöße zu einer lebhaften Debattenkultur und freute sich diebisch über unmoralisch hohe Auflagen, „Das fröhliche Kinderhasserbuch“ wurde stilbildender Auftakt einer langen Reihe von Hasserbüchern, mit denen die Plagen des Alltags erträglicher werden.

Das Unternehmen expandierte und die Umsätze schnellten in die Höhe: sieben Millionen Mark waren es im Jahre 1988, ca. 15 Millionen 1990. Ein literarischer Überraschungscoup erster Güte: 1989 übernahm Eichborn die renommierte ANDERE BIBLIOTHEK des Greno-Verlags und landete mit Irene Disches „Fromme Lügen“ gleich den ersten großen Erfolg. In der von Hans Magnus Enzensberger herausgegebenen und von Franz Greno gestalteten Buchreihe folgten in den nächsten Jahren weitere Entdeckungen, wie beispielsweise „Die Ausgewanderten“ und „Die Ringe des Saturn“ von W.G. Sebald.

Im Sommer 1992 freuten sich Deutschlands Frauen an Simone Borowiaks Kultbuch „Frau Rettich, die Czerni und ich“ (Kinoverfilmung 1998), im Herbst war der Verlag auf der Suche nach einem neuen Quartier – und wurde im Grenzgebiet zwischen Deutscher Bank und Rotlichtviertel in der Frankfurter Kaiserstraße fündig.

Im Jahre 1995 trat Vito von Eichborn als Geschäftsführer zurück und das Trio Uwe Gruhle (Programm/Koordination – abgelöst Mitte 1997 von Dr. Wolfgang Ferchl), Ulrike Bettermann (Herstellung) und Andreas Horn (Vertrieb) übernahm die operative Leitung des Verlages. Der Jahresumsatz von ca. 24,5 Millionen (1995) erhöhte sich in den folgenden Jahren durch Bestseller aus allen Programmbereichen, darunter Dietrich Schwanitz´ „Der Campus“ (Kinoverfilmung 1997) und Krämer/Trenklers „Lexikon der populären Irrtümer“, das als Mutter aller Eichborn-Lexika ein neuartiges Sachbuchgenre und eine erfolgreiche Reihe begründete.

Anfang 1996 streckte das Unternehmen mit der Edition Gatza bei Eichborn seine Fühler nach Berlin aus. Coffee Table Books und neuere deutsche Literatur wie Michael Roes „Rub' al-Khali“ wurden aus dieser Reihe bekannt. Anfang 1998 übernahm Wolfgang Hörner, vorher Pressesprecher in Frankfurt, die Betreuung der Edition, die in Eichborn Berlin umbenannt wurde. 1999 wurden in der Presse zwei junge deutsche Autorinnen gefeiert, die in diesem Imprint erschienen: Karen Duve und Jenny Erpenbeck wurden zu viel zitierten „Fräuleinwundern“.

Mit diesem breit gestreuten Programm gelang es, die Umsätze weiter zu steigern. Im Geschäftsjahr 1998 konnte mit insgesamt über 160 Titeln ein Umsatz von 31,9 Millionen Mark erzielt werden, Anfang 1999 eroberte Walter Moers mit „Käpt’n Blaubär“ zuerst die heimischen Bestsellerlisten, später mit Lizenzausgaben in vierzehn Ländern – von England bis China – die Welt. Schwanitz’ „Bildung. Alles was man wissen muß“ gab Anlass zu heftigen Diskussionen, ging auf Platz 1 der Bestseller-Listen und hielt sich dort über zwei Jahre auf den vorderen Plätzen.

Ebenfalls 1999 beteiligte sich die Achterbahn AG zu 50% an Eichborn, Eichborn wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ein Jahr drauf war es dann soweit: Die Eichborn AG ging an die Börse und begann durch den Erwerb der Büro für Berufsstrategie GmbH (100%), der Beteiligung an der Pendo Verlag GmbH (51,22%) und an der Neugründung der Agentur für Verfilmungsrechte ATL Books GmbH (60,2%) mit dem Aufbau einer Konzernstruktur und der Erschließung angrenzender Geschäftsfelder in den Bereichen Karriererat und Film. Nebenbei wurden 20 Jahre Eichborn Verlag gefeiert.

Auch im Folgejahr ging es um die Erweiterung der Geschäftsfelder: Mit der Beteiligung an der neu gegründeten Filmmusik-Firma Double Fun GmbH (41%) und der luxemburgischen Filmproduktionsgesellschaft Classic Film Productions S.A. engagierte sich Eichborn in der ersten Jahreshälfte weiter im Bereich Film. Unter dem Namen Eichborn LIDO gründete die Eichborn AG im Oktober 2001 ein eigenes Hörbuch-Label. Darüber hinaus startete der Verlag mit dem Aufbau eines Vertriebsdienstleistungsnetzes für Verlage und Hörbuchlabels. Sehr erfreulich: Sven Regener, Sänger von Element of Crime, machte mit seinem Romandebüt „Herr Lehmann“ auch als Autor von sich reden. Kurz nach dem Erscheinen stieg das Buch in die Bestsellerlisten.

2002 folgte auf die Euphorie des Börsengangs das Jahr der Ernüchterung: Dem allgemeinen Trend und einer unbefriedigenden Entwicklung bei den Tochtergesellschaften entsprechend leitete die Eichborn AG gegen Ende des Jahres eine Strategiewende ein: Nach der Diversifizierung besann man sich wieder auf die Kernkompetenzen – also auf das Verlegen von guten Büchern und Hörbüchern. Die Beteiligungen an der Classic Film S.A. und der ATL Books GmbH wurden veräußert, die Double Fun GmbH abgewickelt und 2003 die Büro für Berufsstrategie GmbH an ihren Gründer Jürgen Hesse verkauft. Im Jahr darauf trennte sich Eichborn von der Beteiligung an der Pendo Verlag GmbH.

2003 zeigte, dass Eichborn den richtigen Kurs eingeschlagen hatte: In der ANDEREN BIBLIOTHEK kletterte im Frühsommer Anonyma: „Eine Frau in Berlin“ ganz nach oben auf die Spiegel-Bestsellerliste und stieß international mit Übersetzungslizenzen in 18 Ländern auf ebenso große Begeisterung wie hierzulande. Im Herbst gab Asfa-Wossen Asserate in der ANDEREN BIBLIOTHEK sein Debüt: „Manieren“ blieb 16 Wochen auf den Bestsellerlisten und avancierte zum Longseller.

Auf der Vorstandsebene tat sich 2003 auch einiges: Peter Wilfert wurde neben Dr. Matthias Kierzek Vorstand der Eichborn AG und verantwortete bis zu seinem Ausscheiden Ende des Jahres die Bereiche Programm und Marketing.

2004 gab es reichlich Grund zum Feiern: Das 20-jährige Bestehen der ANDEREN BIBLIOTHEK zum Beispiel, mit dem Humboldt-Projekt. Humboldts „Kosmos“ eroberte 159 Jahre nach der Erstveröffentlichung die Bestsellerlisten, Sven Regeners „Neue Vahr Süd“ ging mit Veröffentlichung in die Top Ten und der Verlag erobert die Gewinnzone. Mit einem Umsatz von 20,44 Millionen Euro erzielte die Eichborn AG einen Gewinn von 672.000 EUR, das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte.

Anfang des Jahres 2004 übernimmt Vorstand Dr. Matthias Kierzek mit einem Bereichsleiter-Team bestehend aus Matthias Bischoff (Programmchef Frankfurt), Wolfgang Hörner (Eichborn Berlin), Ute Hollmann (Marketing/Vertrieb), Ulrike Bettermann (Herstellung / Personal), Uta Niederstraßer (PR- / Unter-nehmenskommunikation), Jutta Willand (Rechte/Lizenzen) und Uwe Grewing (Rechnungswesen) die operative Leitung des Verlages. Ein Jahr später machte Katja Winter (Justiziariat/Investor Relations) die Führungsriege komplett.

2005 ist ein Jahr der Auszeichnungen. Das LIDO-Hörbuch „Utopia“ von Thomas Morus bekommt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Petra Morsbach erhält den Johann-Friedrich-von-Cotta-Preis, Klaus Modick den Nicolas-Born-Preis, Peter Urban wird mit „Warum der Mensch glaubt“ zum Wissenschaftsbuch des Jahres“ (2. Platz) gekürt, Lea Saskia Laasner („Allein gegen die Seelenfänger“) wird mit dem Schweizer Prix Courage ausgezeichnet und Frank Schulz mit dem Hubert-Fichte-Preis geehrt.

2006 steht ganz im Zeichen des 26. Eichborn Geburtstags. Eichborn feiert im Wonnemonat Mai und mit einem Jubiläumsprogramm: etwa mit Frank Schulz' Roman „Das Ouzo-Orakel“ oder Jürgen Roths „Der Deutschland-Clan“. Eichborn blickt zurück und vor allem nach vorn. Denn natürlich steht auch die Zukunft ganz im Zeichen von guter Literatur, Unterhaltung, Wissen und Humor, Ernst und Nonsens, von feinen und unfeinen Büchern, verlegt in einem unabhängigen Publikumsverlag.

2007 macht sich Frank Goosen in „So viel Zeit“ seine Gedanken zum Thema Männer, Musik und midlifecrisis. Eine Debatte ganz anderer Art entfacht das Autorentrio Jürgen Roth /Rainer Nübel / Rainer Fromm: „Anklage unerwünscht“ zeigt eindrücklich, wie der deutsche Rechtsstaat zur Farce verkommt, weil die dritte Gewalt de facto nicht mehr funktioniert. Jürgen von der Lippe und Ingo Oschmann wünschen mit ihrem Bestseller rund um abendliches Vergnügen einen „Schönen Abend!“.

Zum 27. November des Jahres wechselt der Vorstand der Eichborn AG. Stephan Gallenkamp, der u.a. bei dtv, Hugendubel und der FAZ-Gruppe als Geschäftsführer tätig war, löst den langjährigen Vorstand Dr. Matthias Kierzek ab.

Im Februar 2008 freut sich Eichborn mit Horst Evers, der in Mainz den Deutschen Kleinkunstpreis erhält. Kurz darauf erscheint mit „Mein Leben als Suchmaschine“ sein drittes Buch bei Eichborn. Im Frühjahr wird Eichborn Berlin 10 Jahre alt und feiert das Jubiläum u.a. mit neuen Romanen von Jenny Erpenbeck und Karen Duve.

Karsten Kredel wird, von Suhrkamp kommend, 2009 neuer Programmleiter Literatur, nachdem mit Wolfgang Hörner und Esther Kormann die Programmmacher von Eichborn Berlin den Verlag Ende 2008 verlassen haben. Damit wird das gesamte Verlagsprogramm wieder von Frankfurt am Main aus betreut.

Im Eichborn-Frühjahrsprogramm 2009 begegnen wir alten Bekannten: Jan Costin Wagner mit seinem dritten Kimmo-Joentaa-Krimi, und Jürgen Roth, der in seinem Bestseller „Mafialand Deutschland“ anhand zahlreicher Fälle zeigt, wie stark die gefährlichsten Mafiaorganisationen aus Italien und Russland bereits bei uns Fuß gefasst haben.

Mitte des Jahres 2009 präsentiert sich der Verlag mit einem neuen Gesicht. Eine neue Gestaltungslinie, ein neuer Internetauftritt und ein neues Verlagssignet, in dessen Zentrum – wie gehabt – die Fliege sitzt.

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