Bibliografie
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Das Wort Bibliografie leitet sich aus dem Griechischen ab: Biblos = Buch und graphein = schreiben; ursprünglich das Abschreiben von Büchern.
Bis ins 18. Jahrhundert wurde mit dem Begriff Bibliografie „das Wissen vom Buch und die Bücherkunde“ definiert. Heute steht der Begriff für ein „Verzeichnis literarischer Erzeugnisse“ und im Deutschen wird er in dreifachem Sinn gebraucht:
- Ein Literaturverzeichnis (Die Literaturverzeichnisse an sich)
- Die Herstellung und Nutzung von Literaturverzeichnissen (Praxis der Literaturverzeichnisse)
- Die Lehre von den Literaturverzeichnissen (Theorie der Literaturverzeichnisse)
Bei der Tätigkeit des Bibliografierens unterscheidet man zwischen:
- aktivem bibliografieren: Bibliografien erarbeiten und zusammenstellen.
- passivem bibliografieren: Literatursuche, Literaturkontrolle und Titelsuche
Aufgebaut sind die Bibliografien nach dem Verzeichnisumfang, Vollständigkeit, Auswahl, Chronologie und Systematik.
Nach der Form gibt es:
- Allgemeinbiografien: Bibliografie, die unabhängig vom Inhalt, alle Literatur eines Zeitraums erfassen.
- Nationalbibliografien: Bibliografien eine Landes oder einer Sprachgruppe, die diese Literatur systematisch und vollständig erfassen.
- Fachbibliografien: Bibliografien zu einem bestimmten Wissenschaftsgebiet.
- Spezialbibliografien: Bibliografien zu einem bestimmten Thema.
Eine weitere Unterscheidung der Bibliografien ergibt sich aus der Erstellung in Primär- und Sekundärbibliografien. Die Primärbibliografien werden nach dem Prinzip der Autopsie erstellt: Das Buch liegt vor und wird begutachtet. Bei der Erarbeitung von Sekundärbibliografien wird auf bereits publiziertes Material zurückgegriffen. Das Buch muss nicht vorliegen.
Die Beschreibungssysteme der Bibliografien haben sich wesentlich verändert. Während in der Vergangenheit die Preußischen Instruktionen (PI) maßgeblich waren, sind mit Einführung der Elektronischen Datenverarbeitung in der Bibliografie die Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK) eingeführt worden.
Nutzer von Bibliografien sind drei Gruppen:
- Buchhändler zur Literaturbeschaffung
- Bibliothekare zur Erwerbung, Katalogisierung und Auskunft
- Wissenschaftler und Leser, um den Stand der publizierten Titel ihres Gebietes oder Themas zu erfahren.
Auch Bibliografien können systematisch erschlossen werden, über eine „Bibliografie der Bibliografien“ oder „eine Bibliografie, der Bibliografie der Bibliografien“. Hier findet man eine Übersicht möglicher Bibliografien.
Die Hauptarten der Bibliografien unterscheiden sich in ihrer äußeren Form: Bei den selbstständigen Bibliografien sind es Hefte, Bände und Karteikarten sowie digitale Datenbanken. Selbständig bedeutet in diesem Fall zum Zwecke des Bibliografieren erstellte Dateien, systematisch, chronologisch, bestandsorientiert oder nach anderen Sachkriterien.
Bei den unselbstständigen Bibliografien handelt es sich um Literaturverzeichnisse in Zeitschriften, Handbüchern, Lexika, orientiert am Thema, meist am Erscheinungsdatum der Basisschrift, oder an der auch zufälligen Lektüre- und Quellenliste des Autors und individuell verfügbarer Literatur. Diese Art der Bibliografien wird auch „versteckte“ Bibliografie genannt.
Abgeschlossene Bibliografien: Bibliografien mit einen „abgeschlossenen“ Berichtszeitraum. Ein Beispiel wäre: Literatur zum Thema Christoph Kolumbus im Zeitraum von 1492 bis 1850, oder Literatur über Thomas Mann zwischen 1933 und 1955. Die genannten Zeiträume werden erfasst und der Titelstand kann sich nicht mehr verändern. Eine „abgeschlossene Bibliografie“ ist das Deutsche Bücherverzeichnis 1912 bis 1945, herausgegeben von der Deutschen Bücherei in Leipzig. Diesen Bibliografie-Typ nennt man auch „retrospekte (rückblickende) Bibliografie“.
Laufende Bibliografien sind Bibliografien, die weiterhin erscheinende Titel aufnehmen. Dazu zählen Bibliothekskataloge, die immer wieder Neuzugänge erfassen oder die aktuellen Verzeichnisse der Deutschen Nationalbibliothek, die Deutsche Nationalbibliografie. Die laufenden Bibliografien werden auch „periodische Bibliografien“ genannt.
Bibliografien werden auch nach ihrem Inhalt definiert:
Allgemeine Bibliografie sind ohne inhaltliche Orientierung – sie nehmen systematisch fortlaufend alle Titel auf, die nach den Sammelkriterien der Bibliothek angeschafft werden. Das gilt auch für die Deutsche Nationalbibliografie, für Kataloge von Stadtbibliotheken oder für den Bestand von Universitätsbibliotheken.
Fachbibliografien sind themen- und gebietsorientiert. Hier wird beispielsweise Literatur einer bestimmten Wissenschaft zusammengestellt. Das könnte ein Verzeichnis von Büchern zu Fragen der Politik- und Staatswissenschaft zum Thema „Wiedervereinigung“ sein.
Ein weiteres Merkmal sind Bibliografien, die über ihre Herkunft definiert werden:
Nationale und Internationale Bibliografien.
Die Deutsche Nationalbibliografie enthält die Sammelgebiete der Deutschen Nationalbibliothek – immer mit Bezug zur deutschen Sprache zur deutschen Kultur und zu Deutschland.
Die Internatonalen Bibliografien stellen Bücher aus aller Welt in ihre Verzeichnisse. So z.B. die Library of Congress, die Nationalbibliothek der Vereinigten Staaten von Amerika, die über die in den USA und über die USA erscheinende Literatur hinaus auch Bücher von übergeordneten Interesse in allen Sprachen, zu und aus allen Ländern und über viele Gebiete sammelt.
Titelbibliografien sind Bibliografien, die sich wesentlich am Titel eines Buches orientieren.
Annotierende Bibliografien (Annotation = kurze Erläuterung) sind Bibliografien, die Erläuterungen zum Titel in referierender Form und rezensierende Zusätze bei der Titelerfassung hinzufügen.
In der buchhändlerischen Praxis dominieren die Kataloge der Barsortimente und das Verzeichnis lieferbarer Bücher die bibliografische Arbeit im Sortiment. Das gilt auch für den Versand- und den Internetbuchhandel.
Diese bibliografischen Hilfsmittel können die systematischen Bibliografien nicht ersetzten. Die Barsortimente sind Verkaufskataloge, orientiert an gängiger Literatur, das Verzeichnis lieferbarer Bücher erfasst die gemeldeten lieferbaren Titel mit allen redaktionellen Schwächen, die damit verbunden sind.
