Der einfachste Weg, Portugiese zu werden Wieso schreiben Sie unter einem Pseudonym, Herr Sellano?

Jeden Freitag hier ein Autorengespräch. Heute mit Luis Sellano zu seinem neuen Buch „Portugiesische Rache“ (Heyne)

Schon sein erster Besuch in Lissabon entfachte „seine große Liebe für die Stadt am Tejo“. Seither zieht es den deutschen Autor Oliver Kern, der unter dem Pseudonym Luis Sellano gerade seinen zweiten „Lissabon-Krimi“ Portugiesische Rache (Heyne) veröffentlichte, immer wieder auf die Iberische Halbinsel. Hier kommen ihm Ideen, hier genießt er die portugiesische Mentalität, hier führt er gewissermaßen eine „Beziehung mit der Pyrenäenhalbinsel“ –  Anlass für uns, den Autor zu befragen:

BuchMarkt: Herr Sellano, worum geht es in Ihrem neuen Buch?

Luis Sellano: “ Ich wünsche mir sehr, dass die Deutschen lernen, ihr Leben so zu genießen, wie es die Portugiesen tun, die weit weniger Grund dafür haben“ (c) Dirk Kittelberger

Luis Sellano: Nachdem er sich so einigermaßen in Lissabon eingelebt hat, ermittelt Henrik Falkner, der Hauptcharakter meines ersten Lissabon-Krimis, seinen zweiten Kriminalfall.Dabei wird er auch mit Portugals Vergangenheit unter dem faschistischen Regime Salazars konfrontiert und muss feststellen, dass die Schatten dieser autoritären Diktatur bis hinein in die Gegenwart reichen.

Es ist bereits ihr  zweiter „Lissabon-Krimi“, knüpft er nahtlos an den ersten Teil an?

Nicht ganz nahtlos. Für Hendrik sind ein paar Monate vergangen, die ich ihm zum Eingewöhnen in seiner neuen Heimat gegönnt habe. Leser, die den ersten Roman kennen, treffen auf alte Bekannte. Man kann aber auch problemlos mit dem zweiten Buch in die Geschichte einsteigen. Überraschung und Spannung ist für jeden garantiert.

Wieso Lissabon-Krimis? Woher kommt diese Affinität zur Iberischen Halbinsel?

Das lässt sich vielleicht am einfachsten dadurch erklären, dass ich mich dort sehr wohl und aufgehoben fühle. Land und Leute sind mir sympathisch, genau so wie das Wetter  (vergleiche Deutschland in den letzten Wochen!). Und  dann sind da noch Essen, Kultur, Architektur, Vielfalt und Meer…für mich ist Spanien und Portugal mehr als nur Urlaub, weshalb ich mich auch intensiv damit befasse. Ich möchte fast behaupten, ich habe eine Beziehung mit der Pyrenäenhalbinsel.

Ticken die Portugiesen anders als die Deutschen?

Absolut. Der Portugiese an sich ist widersprüchlich. Auf der einen Seite trägt er den Saudade, den portugiesischen Weltschmerz, auf seinen Schultern, den er vor allem im traditionellen Fado-Gesang verkündet und verbreitet. Andererseits verfügt er über große Lebensfreude und das, trotz der enormen, wirtschaftlichen Probleme, die dieses Land hat. Wenn ich vergleiche, wie gut es uns dagegen in Deutschland geht, dann bin ich jedes Mal fassungslos, über die deutsche Jammerkultur, über die Verzagtheit und Engstirnigkeit, auf die ich hier bei uns treffe. Ich wünsche mir sehr, dass die Deutschen lernen, ihr Leben so zu genießen, wie es die Portugiesen tun, die weit weniger Grund dafür haben.

Würde der Krimi, seine Handlungen, die Mentalität der Protagonisten auch in Deutschland funktionieren?

Durch Klick aufs Cover gehts zum Buch

Ein guter Krimi sollte überall funktionieren. Aber natürlich spiele ich in meinen Geschichten mit der portugiesischen Mentalität und selbstverständlich mit der Schönheit Lissabons. Das schafft einen besonderen Rahmen. Ich will ja auch bewusst verleiten, oder besser verführen. Die Leser in die Stadt am Tejo locken, um ihnen die Gelegenheit zu geben, ihre eigenen Eindrücke zu sammeln.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

„Ich habe hier für Sie noch eine interessante Lektüre für Ihren Urlaub, bei der auch die Spannung nicht zu kurz kommt und sie gleichzeitig einen ungewöhnlichen Reiseführer mitnehmen“ – Also so in etwa, aber ich bin ja kein Buchhändler.

Welche Leserschaft wollen Sie ansprechen?

Krimileser, Portugalinteressierte, alle, die gerne unterwegs sind, sei es literarisch oder auch physisch.

Sie schreiben unter einem Pseudonym – Wieso?

Das war für mich der einfachste Weg, Portugiese zu werden.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Was machen Sie, wenn Sie nicht Portugiese sind?

Jetzt können Sie diese auch beantworten:

Dann bin ich ein in Schwaben lebender Niederbayer, der seiner Heimat treu verbunden, auch eine Krimireihe begonnen hat, die im Bayerischen Wald angesiedelt ist. Das erste Buch dieser Reihe erscheint bei Heyne im März 2018. Das klingt nicht nur nach einem harten Kontrast zum Lissabon-Krimi, das ist es auch. Ich war selbst von mir überrascht, in der Lage zu sein, so ein literarisches Doppelleben zu führen. Aber es funktioniert, ja, es funktioniert sogar ausgesprochen gut und ich liebe es.

In der vergangenen Woche sprachen wir mit Jörg Maurer über sein neues Buch „Im Grab schaust du nach oben“

 

 

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