Das Autorengespräch Takis Würger: „Der letzte Satz ändert alles“


Takis Würger ist ein Mann, von dem wir vermutlich noch viel hören werden. Er berichtete für den Spiegel aus Afghanistan, Libyen und dem Irak. Im Alter von 28 Jahren kündigte er seine Arbeit als Reporter und ging nach England, um an der Universität von Cambridge Ideengeschichte zu studieren. Dort boxte er als Schwergewicht gegen Oxford und brach sich eine Rippe und die Hand. Er ist ein Cambridge Blue, Mitglied im Hawk’s Club, bei den Adonians, im Pitt Club und einer Drinking Society, deren Name hier nicht genannt werden darf.  Verbrechen hat er in den Klubs keine begangen. Sein Roman Der Club (Kein&Aber) erscheint am 03. März. Dies war Anlass für Fragen an den Autor.

BuchMarkt: Herr Würger, worum geht es in Ihrem Buch?

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Takis Würger

Takis Würger: Es geht um einen jungen Mann, Hans, der niemanden mehr hat, außer seiner Tante, einer Kunsthistorikerin aus Cambridge. Sie bietet Hans an,  dass sie ihm einen Studienplatz besorgt, wenn er sich als Gegenleistung in einen alten, geheimen Studentenclub einschleicht, in den Pitt Club. So gerät Hans in die britische Upper Class. Die junge, reiche, schöne, strahlende Charlotte hilft ihm dabei, die sozialen Codes der Snobs zu lernen. Sie ist unerreichbar für Hans. Er verliebt sich in sie. Nach und nach begreift er, was in dem Klub vor sich geht. Er  versteht, dass seine Tante einen Plan hat, den sie vor ihm zu verbergen versucht und dass er eine Spielfigur darin ist. Und er versteht, warum Charlotte jedes Mal zu stottern anfängt, wenn der Name „Pitt Club“ fällt.

Warum hatten Sie das Befürfnis die Geschichte des Protagonisten zu erzählen? Die ja irgendwo auch Ihre eigene Geschichte darstellt…

Ich habe mit 19 Jahren angefangen, als Reporter zu arbeiten. Dadurch bin ich es gewohnt, das aufzuschreiben, was ich erlebe. Als ich in Cambridge studierte, fehlte mir das. Der Roman war mein Weg, meine Erlebnisse, mein Staunen, meine Wut, meinen Abscheu zu verarbeiten.

Wie sieht es denn mit dem Wahrheitsgehalt der Geschichte aus?

Es ist fast alles wahr. Ich habe in Cambridge studiert, ich habe für die University geboxt, ich bin Mitglied im Pitt Club. Die Streifen auf dem Cover sind der echten Krawatte des Pitt Clubs nachempfunden.

Was ist Ihr persönliches Fazit aus der Zeit in England? Was haben Sie mitgenommen?

Wenn ich auf meine Zeit in Cambridge zurückschaue, dann verbindet sich das Gefühl der Erleichterung, dass es vorbei ist, mit dem Gefühl der Wehmut. Es war hart und schön. Ich habe viel über Hobbes, Constant, Kant und Marx gelernt, viel über Smokings, rahmengenähte Schuhe und Champagner. Viel auch über Freundschaft, über Liebe und über mich. Ich bin dankbar dafür.

Klingt so, als könnte das einer breiten Leserschaft gefallen…

Leser, die Geheimnisse mögen und Verschwörungen, bedingungslose Liebe, Eliten, Entwicklungsromane, Exzess, Campus, Champagner, Donna Tartt, Ferdinand von Schirach und England.

Und der Buchhändler, worin könnte der das Potential sehen?

Ich glaube es ist ein Roman für Menschen, die von einer tiefen Liebe träumen. Hans sagt irgendwann mal über Charlotte „Wir fanden in unserer Schwäche zueinander“. Das ist für mich ein wichtiges Thema des Buches. Aber es geht auch um Rache. Wenn man das zu begreifen beginnt, muss man das Buch durchlesen, weil der letzte Satz alles ändert.

 

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Durch Klick auf das Cover geht’s zum Buch

Wie würden Sie Ihren Schreibstil beschreiben?

Ich finde einfache Sätze schön. Metaphern missfallen mir meist, weil sie ungenau sind, deswegen finden sich in diesem Roman fast keine Metaphern. Es gibt sieben verschiedene Stimmen, die jede eine eigene Sprache hat, deswegen ist es schwer, dem Buch einen Schreibstil zu zuordnen. Eins noch: Ich mag Wortwiederholungen, da hab ich länger mit meiner bezaubernden Lektorin Sara Schindler drüber diskutiert. Ich glaube, eine Besonderheit meines Schreibstils ist, dass ich oft die selben Wörter wiederhole.

 

Was liest einer, der das Schreiben bevorzugt?

Im Moment viele Zeitzeugenberichte aus dem Jahr 1942, das liegt an meinem neuen Romanprojekt. Sonst: Schirachs Sprache ist schön, bei Ben Wells habe ich geweint. Mein Lieblingsautor ist Thomas Glavinic. Er ist mein Meister und Mentor. Ich habe ihm den ewigen Treueschwur geschworen. Was er sagt, ist Gesetz. Er ist der größte deutschsprachige Autor, und er sieht gut aus.

In der letzten Woche sprachen wir mit Mechtild Borrmann über ihren Crossover-Roman „Trümmerkind“

 

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