B. G. Teubner (225)

B. G. Teubner

Vor 225 Jahren wurde der Leipziger Typograf und Verleger B. G. Teubner geboren – BuchMarkt-Korrespondent Olaf Schmidt erinnert an den Jubilar:

Wer sich als Schüler oder Student mit den Klassikern der antiken Literatur beschäftigt hat, kennt noch heute den Namen Teubner. Seit 1849 ist die »Bibliotheca Teubneriana« (»BT«) geradezu ein Synonym für philologische Verlässlichkeit. Bereits in einem Gratulationsschreiben von 1855 hieß es überschwänglich, Teubners Textausgaben hätten sich »mit Adlerschwingen über alles übrige Gevögel im philologischen Fach emporgehoben«. Der Verfasser dieser Hymne war niemand Geringerer als Friedrich Wilhelm Ritschl, Übervater der Altphilologie und nachmaliger Förderer Friedrich Nietzsches.
Die Geschichte des Leipziger Teubner-Verlages ist – zumindest bis zum Zweiten Weltkrieg – eine atemberaubende Erfolgsstory. Sein einstiger Lektor für Mathematik, Jürgen Weiß, hat sie aufgeschrieben und damit ein ebenso denkwürdiges wie spannendes Stück Leipziger und deutscher Verlagsgeschichte dokumentiert.

Benedictus Gotthelf Teubner (1784-1856) stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Allerdings war er ein unmittelbarer Nachfahre des berühmten Rechenmeisters Adam Ries (1492-1559) – für den Gründer des einst weltweit führenden Mathematikverlages keine schlechte Genealogie. Mit vierzehn Jahren begann Benedictus Gotthelf eine Lehre beim Hofbuchdrucker C. C. Meinhold in Dresden. Doch bald zog es ihn in die damalige Hauptstadt des deutschen Buchhandels und Verlagswesens, nach Leipzig, wo er zunächst als Schriftsetzer arbeitete. Nebenher bildete er sich ständig weiter, etwa indem er sich Kenntnisse im schwierigen Satz ungarischer und slawonischer Texte und damit jene typografische Sorgfalt aneignete, die auch später bei Teubner immer an erster Stelle stehen sollte und der das Haus sein vorzügliches Renommee vor allem in der Welt der Wissenschaft verdankte.

Nach und nach baute sich Teubner eine eigene Druckerei auf, und zwar während der Napoleonischen Kriege, als der Buchhandel in Deutschland nahezu zum Erliegen gekommen war. Allen Widrigkeiten zum Trotz betrieb Teubner bald die größte Offizin Leipzigs – mit tatkräftiger Unterstützung eines zugezogenen Freundes, eines gewissen F. A. Brockhaus, der sich ebenfalls hier niedergelassen hatte, um sich als Drucker und Verleger einen Namen zu machen.

Teubner war ein Selfmademan par excellence. Getreu seinem Leitspruch: »Was gemacht werden kann, wird gemacht« baute er seinen Verlag immer weiter aus. Zum Gutenbergjubiläum 1840 bezog er einen dreistöckigen Neubau (bewusst in der Nähe der Universität) mit allem, was damals zu einem modernen Verlag gehörte: Schnellpressen, Schriftgießerei, Guillochiranstalt, Tischlerei, Stahlstecherei, Papierlager… »Schwerlich«, schreibt der ansonsten bescheidene Teubner, »möchte es in Deutschland ein zweites Gebäude für diesen Zweck geben.«

Technisch befand man sich stets auf der Höhe seiner Zeit. Nachdem Brockhaus als erster Leipziger Drucker die Schnellpresse von König & Bauer eingesetzt hatte, ließ sich Teubner von der Qualität dieser Erfindung überzeugen und druckte bald das »Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel« selbst mit dieser Presse. 1849 endlich nahm er die legendäre Bibliotheca Teubneriana in sein Programm, die bald unter Philologen einen hervorragenden Ruf genoss. Teubners Satz galt als so vorzüglich, dass auch Naturwissenschaftler und Mathematiker an ihn herantraten, um ihm ihre satztechnisch komplizierten Formelmanuskripte anzuvertrauen. So fuhr Teubner zweigleisig: als Verlag für griechische und lateinische Textausgaben und als Mathematikverlag. Das sollte bis zum Schluss so bleiben.

All das schildert Weiß ausführlich und spürbar mit Herzblut. Aber die Geschichte des Teubner-Verlages erzählt er freilich nur, insoweit sie mit der Lebenszeit seines alten Prinzipals zusammenfällt. Wie es weitergegangen ist, lässt sich jedoch der Teubner-Chronologie im Anhang entnehmen: Teubner erwirbt insbesondere als Mathematikverlag weitere Meriten, wird 1926 der größte deutsche Schulbuchverlag – dann kommt fast mit einem Schlage das Ende: Beim Bombenangriff von 1943, der beinahe das ganze Graphische Viertel und damit das Herz des deutschen Verlagswesens und Buchhandels, zerstört, wird auch das Verlagshaus Teubner in der Poststraße vollständig vernichtet. Die Erben Teubners fliehen 1952 in den Westen und nehmen in Stuttgart die Verlagstätigkeit neu auf. 1991 werden die beiden Firmen wiedervereinigt. 1999 kauft Bertelsmann den Verlag und entlässt alle 50 Teubnerianer. 2008 wird Teubner mit dem Traditionsverlag Vieweg zusammengelegt.

Was bleibt? Ehemalige Teubnerianer haben sich auf das Motto des Patriarchen besonnen: »Was gemacht werden kann, wird gemacht«. Leider scheint, was gemacht werden kann, im Augenblick nicht sehr viel zu sein. Immerhin haben sie eine Stiftung (»Stiftung Benedictus Gotthelf Teubner«) gegründet, die Teubners Andenken in der Öffentlichkeit wach hält. Seit 2004 verleiht sie den »Teubner-Förderpreis«; 2011 steht die erstmalige Verleihung eines »Benedictus-Gotthelf-Teubner-Wissenschaftspreises« an. Und das ist dann doch ziemlich viel! Als Teubner in Leipzig seine Druckerei einzurichten begann, versank Europa im blutigen Chaos der Napoleonischen Kriege. Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Krise, unter der bekanntlich auch das Verlagswesen leidet, scheint es alles andere als unnütz, sich an Gestalten wie Benedictus Gotthelf Teubner zu erinnern.

Jürgen Weiß: B. G. Teubner zum 225. Geburtstag. Adam Ries – Völkerschlacht – F.A. Brockhaus – Augustusplatz – Leipziger Zeitung – Börsenblatt. Leipzig, Edition am Gutenbergplatz 2009. 128 S.

www.stiftung-teubner-leipzig.de

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