Friedhelm Herborth (70)

Friedhelm Herborth wird heute 70.

Friedhelm Herborth

Als der Verlag Velbrück Wissenschaft im Frühjahr 2000 mit seinem ersten Programm startete, stellte sich Friedhelm Herborth vor, dass er mit seiner Erfahrung vielleicht fünf oder sechs Jahre dazu beitragen würde, dass der Verlag auf ein gutes Gleis komme, auf dem dieser dann ohne ihn weiterfahren könne. Es ist aber anders gekommen. Denn nach zwei Jahren verabschiedete sich ein jüngerer Mitarbeiter.

Friedhelm Herborth hat ab 1962 in Frankfurt studiert; Philosophie und Soziologie bei Horkheimer, Adorno und Habermas; Entwicklungspsychologie bei Tobias Brocher im Sigmund-Freud-Institut.

Ab 1967 arbeitete Friedhelm Herborth als freier Lektor für das Abendstudio des Hessischen Rundfunks und übersetzte aus dem Englischen und Französischen vor allem philosophische und psychoanalytische Literatur, aber auch Biologische Grundlagen der Sprache von Eric H. Lenneberg.

Ab 1. Oktober 1973 begann Friedhelm Herborth als Lektor im S. Fischer Verlag für die Reihe Conditio Humana, ein Jahr später setzte er seine Lektorentätigkeit im Suhrkamp Verlag fort, wo er ab 1977 als Leiter des wissenschaftlichen Programms für die dort erschienenen gebunden Titel und die Reihe suhrkamp taschenbuch wissenschaft (stw) verantwortlich war.

Seit dem Frühjahr 2000 macht er das Programm Velbrück Wissenschaft. Aus seiner Verantwortung gegenüber den Autoren übernahm Friedhelm Herborth „vorübergehend“ auch alle Detailarbeiten an den ins Programm aufgenommenen Titeln. Aus „vorübergehend“ ist indes eine Dauereinrichtung geworden. Und Herborth ist offenbar recht glücklich über die Entwicklung, die der Verlag seither genommen hat. Es liegen inzwischen rund 200 Titel in einem Programm vor, das sich als „Arbeit am Prozess der Aufklärung“ versteht. Insbesondere werde an diesem Programm geschätzt, „dass es interdisziplinär angelegten Arbeiten einen Kontext bietet, der sie in eine umsichtig geförderte Diskussion um philosophische, politische, soziologische und kulturwissenschaftliche Grundlagenprobleme der Moderne einbindet“.

Friedhelm Herborth denkt, seine Arbeit noch eine Reihe von Jahren weiterführen zu können. Denn wenn man im Alter weiter einer Tätigkeit nachgehen könne, mit der man sich voll und ganz identifiziere und dafür auch noch ein gehöriges Maß an Anerkennung erlange, dann altere man nicht, wie unter anderem Norbert Elias überzeugend vorgelebt habe, in dem in unserer Gesellschaft üblichen Sinne.

Gleichwohl trieb ihn von Beginn seiner Velbrück-Tätigkeit an die Frage um, wie sich die Kontinuität der Verlagsarbeit langfristig und ohne ihn sicherstellen lasse. „Zu meiner großen Freude“, sagt er, „bereitet sich seit einiger Zeit ein Gruppe jüngerer Wissenschaftler auf die Fortsetzung und Weiterentwicklung meiner Arbeit vor.“

Velbrück Wissenschaft hält sich aus eigener Kraft – eine Entwicklung, die viele „Experten“ für unmöglich gehalten hätten. „Hohe Qualität setzt sich eben immer wieder durch“, meint Friedhelm Herborth und verweist auf das gleich im ersten Programm erschienene 700-Seiten-Buch Die Transformation der Kulturtheorien von Andreas Reckwitz als ein besonders erfreuliches Beispiel. Und hohe Qualität bietet der Verlag auch im Lektorat und in der Gestaltung und Ausstattung der Bücher.

Fast alle Bücher des Verlags Velbrück Wissenschaft sind beim Partnerverlag Humanitas Online auch als E-Books erhältlich. Auf dem Feld der reflektierenden Literatur, wie Velbrück sie anbietet, ist diese Publikationsform für viele eine willkommene Ergänzung. Doch macht die Zahl der Verkäufe eines E-Books nur einen Bruchteil der Verkäufe des gedruckten Buchs aus. „Und dieses Verhältnis wird sich in diesem Bereich von Literatur wohl auch in Zukunft nicht wesentlich ändern“, äußert der erfahrene Verleger. Nicht zuletzt, weil das Buch hier in vieler Hinsicht einfach das praktischere Medium sei.

Warum ist der kleine Verlag seit zehn Jahren so erfolgreich? „Weil das Programm bei aller Vielfalt klar konturiert ist. Deshalb wirkt es wie ein Kristallisationskern, der Titel, die gut dazu passen, anzieht. Und weil Titel, die Ergebnisse spezialisierter Forschungen auf einer höheren Synthesestufe integrieren, in der Regel nicht nur für mehrere Wissenschaften, sondern auch für eine größere Öffentlichkeit von Interesse sind.“ Und weil das Programm Velbrück Wissenschaft nicht auf kurzlebige Trends, sondern auf nachhaltige Entwicklungen setzt, ist es im deutschsprachigen Raum zur ersten Adresse für Grundlagenliteratur in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geworden.

Dann gibt es bei Velbrück überhaupt keine Probleme? „Sicher konstatieren wir, dass die wissenschaftlichen Buchhandlungen nicht mehr alles von uns bestellen. Aber es gibt noch genügend Nachfrage. Es ist unsere Aufgabe, alles zu tun, was mit dem und für den Buchhandel notwendig ist“, unterstreicht Friedhelm Herborth. Die Käufer von Velbrück-Büchern wollten gut informiert werden. Das geschieht inzwischen auf der Website des Verlages. „Das ist ideal. Dank dieser neuen technischen Möglichkeiten lassen sich umfassende und aktuelle Informationen schnell und günstig zur Verfügung stellen“, weiß der Verleger.

Das frisch gedruckte Gesamtverzeichnis 2000 – 2010 lässt es sichtbar werden: Fast jeder Titel ist ein Slogan für den Verlag, der zum 70. Geburtstag Friedhelm Herborths den 10. Jahrestag seines Bestehens feiern. Wissen in Bewegung drückt es vielleicht am deutlichsten aus.

JF

Kontakt: f.herborth@gmx.de

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