Das Autorengespräch zum Wochenende Philipp Reinartz: „Das schlechte Image des Krimis ist überholt“

Philipp Reinartz (31) lebt als „Autor, Journalist und Kreativunternehmer“ in Berlin. Sein Krimi-Debüt bei Goldmann ist der Auftakt einer Serie um Kommissar  Jerusalem „Jay“ Schmitt, der bei der Berliner Mordkommission die Leitung einer Sondereinheit für außergewöhnliche Fälle übernimmt. Gleich der erste Fall wird zu einem intelligent durchdachten Spiel zwischen Jäger und Gejagtem. Am 20. März erscheint Die letzte Farbe des Todes. Dies war Anlass für Fragen an den Autor.

BuchMarkt: Herr Reinartz, worum geht es in Ihrem neuen Buch?

Foto von Philipp Reinartz
Philipp Reinartz

Philipp Reinartz: Es geht um merkwürdig inszenierte Morde in Berlin. Um einen Kommissar, der die Botschaft dahinter sucht. Um familiäre Konflikte. Und um die Vergangenheit, die plötzlich wieder aktuell wird. Erzählt wird aus drei verschiedenen Perspektiven in teilweise ganz kurzen Kapiteln. Drei Geschichten, die nur scheinbar nebeneinander laufen, bis die Zusammenhänge nach und nach klarer werden.

Das klingt spannend, wie kamen Sie dazu?

Die Idee für den Plot habe ich schon seit Jahren im Kopf. Das Krimigenre hat nur leider immer den Ruf der leichten Unterhaltung, des Unliterarischen. Das hat mich anfangs abgehalten. Der Erfolg von Büchern wie Herrndorfs Sand , gleichzeitig Krimi und Literatur, und die Erfolge von horizontal erzählten Spannungsserien im Bewegtbild haben jedoch gezeigt, dass dieses Image überholt ist. Zumindest teilweise.

Teilweise?

Ja, es gibt natürlich immer noch diese Klischee-Krimis, blutleer – oft trotz viel Blut – und unglaubwürdig. Da reden die Figuren eben nicht wie Menschen wirklich reden. Und auf der letzten Seite entpuppt sich die Krankenschwester als Geheimagentin / Axtmörderin / Mutter des Kommissars und als Leser denkt man sich: „Naja, wenn der Autor es eben will.“ Doch es geht eben auch anders. Ich liebe Handlungswendungen, die Sinn ergeben, und alles Bisherige in neuem Licht erscheinen lassen. Aha-Momente, wie bei Die üblichen Verdächtigen oder eben Sand. Und meistens sind solche komplexen Plots gar nicht die kompliziertesten. Mit ganz wenigen Worten könnte ich die Lösung von Die letzte Farbe des Todes verraten. Ich will die Leser herausfordern und ihnen die Chance geben mitzudenken.

Welche Leser haben Sie denn im Kopf?

Die letzte Farbe des Todes von Philipp Reinartz
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Einerseits junge,urbane Leser, die der Buchmarkt zunehmend an TV-Serien verliert, weil dort schneller, authentischer, spannender  erzählt wird. Andererseits auch echte Krimifans abseits des Regionalkrimigetümmels. Ich hätte getippt, dass mehr Männer als Frauen den Krimi mögen, aber meinen Testlesermeinungen nach fühlen sich Frauen wie Männer angesprochen.

Und der Buchhändler? Mit welchem Argument kann der das am besten verkaufen?

Zunächst einmal meldet sich da eine neue, junge Krimi-Stimme zu Wort. Mit einer frischen Perspektive auf Berlin, ohne die Stadt zum alleinigen Protagonisten zu machen. Wichtiger noch: Da wir das als Serie angelegt haben, haben die Figuren Zeit, sich zu entwickeln und kommen so, glaube ich, näher an Leserin und Leser heran. Zudem schreibe ich visuell, da liegt natürlich auch der Gedanke an eine Verfilmung nicht fern.

In der vergangenen Woche sprachen wir mit Carla Berling über ihren neuen Roman „Mordkapelle“ (Heyne).

 

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