Das Sonntagsgespräch Gabriele Schink: „Bücher bauen Brücken“

Manche Themen erhalten weniger öffentliche Aufmerksamkeit oder weniger Raum in den Medien, was aber nicht bedeutet, dass sie weniger wichtig oder weniger aktuell sind. Ein solches Thema ist: Jüdisches Leben hier und heute.

bucher-bauen-brucken_logo_aktionswoche2Deshalb hat sich der Börsenverein – Regionalbüro NRW in diesem Jahr eine Aktionswoche vorgenommen, um mit Hilfe von Verlagen und Buchhandlungen zu zeigen, wie jüdische Bürger heute in NRW leben. Gleichzeitig sollen die Vielfalt und der Reichtum zweitausendjähriger jüdischer Geschichte und Kultur veranschaulicht werden. Dazu sprachen wir mit Regionaldirektorin Gabriele Schink.

Gabriele Schink
Gabriele Schink

Das Regionalbüro NRW ist Initiator der Veranstaltung „Bücher bauen Brücken“. Was genau muss man sich unter dieser Aktion vorstellen?

Gabriele Schink: Geplant ist ein Veranstaltungsreigen, der vom 18. – 24 Mai in ganz NRW stattfinden wird. Dabei soll vor allem thematisiert werden, welchen Vorurteilen und Ressentiments Juden aktuell ausgesetzt sind und Wege aufzeigen, und wie darauf zu antworten ist. Damit ist die Kampagne auch eine deutliche Absage an jede Form von Antisemitismus. Über 70 Verlage aus dem gesamten Bundesgebiet unterstützen die 50 teilnehmenden Buchhandlungen. Sie haben Autorinnen und Autoren vorgeschlagen, die in besonderer Weise etwas zum Thema beitragen können.

So etwas stemmt man nicht allein. Wer sind Ihre weiteren Partner?

Unser Regionalbüro wird der bei der Ausgestaltung von der Synagogen-Gemeinde Köln und weiteren Partnern unterstützt. Die Schirmherrschaft haben Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln übernommen. Medienpartner ist WDR 3.

Finden die Veranstaltungen nur im Buchhandel statt?

Nein. Es wird Führungen durch Synagogen geben, Diskussionsrunden mit Schulklassen, geplant ist auch eine Veranstaltung zum berühmten jüdischen Humor. Die Buchhandlungen sind übrigens ganz frei in der Wahl ihrer Themen. Die Auftaktveranstaltung findet am 18. Mai im WDR-Funkhaus in Köln statt – die Ausstrahlung ist für den nächsten Tag geplant. Rolly Brings und Band werden den Auftakt musikalisch umrahmen.

Wie kam die Idee zustande?

Wir alle haben die Presseberichte über die Zunahme antisemitischer Delikte in NRW gelesen. Die zum großen Teil von Tätern aus der bürgerlichen Mitte begangen werden. Und nur die wenigstens – nämlich die „spektakulären“ – werden von der Allgemeinheit wahrgenommen. Deshalb wollen wir in aller Öffentlichkeit und medienwirksam „Nein“ zu solchen Vorgängen sagen.

Und wie genau wird das geschehen?

Im Mittelpunkt soll die erzählende Literatur stehen, natürlich ist auch Sachliteratur willkommen. Vor allem soll Persönliches aufgezeigt werden – und, wie gesagt – auch jüdischer Humor soll dabei nicht zu kurz kommen. Neben Führungen durch Synagogen wird es Lesungen, Diskussionsrunden, Musikveranstaltungen oder einfach nur Feiern geben. Thematisch sind keine Grenzen gesetzt.

Wie werden die Veranstaltungen promotet?

Im Frühjahr schalten wir eine Website www.buecherbauenbruecken.info mit allem Infos frei, weiter wird es Plakate und Flyer geben. Natürlich auch Dekomaterial für Schaufenster und Büchertische. Das alles wird flankiert durch Pressearbeit des Regionalbüros.

Wie ist der bisherige Stand der Vorbereitungen?

Zahlreiche Autoren haben bereits zugesagt, aber: Da die Veranstaltungen erst für Mai geplant sind, halten wir uns mit einer Namensliste noch zurück. Da uns alle namhaften Verlage aus der ganzen Republik unterstützen, wird die bisherige Liste noch viel länger werden. Dito die Liste der teilnehmenden Buchhandlungen. Nur soviel: Von Aachen bis Wuppertal haben wir bereits zahlreiche Zusagen.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Nun ja, die hinken dem Engagement noch ein bisschen hinterher. Die Verlage haben ja meist schon Autorenauftritte gespendet, und Firmen aus anderen Branchen scheinen abzuwarten, bis die Aktion 2018 bundesweit läuft. Deutlich gesagt: Der Basisbetrag von 20000 Euro stammt aus dem ehemaligen Vermögen des Landesverbands NRW, hinzu kommen erfreulicherweise Sponsorengelder von einigen Branchenunternehmen und Stiftungen. Aber dringend benötigt werden weitere Gelder, vor allem um den Buchhandlungen mehr attraktive Werbemittel zur Verfügung stellen zu können. Da wäre weitere Unterstützung wunderbar, und ich bin sicher, dass die Buchhandlungen das schätzen würden. Dass wir Sponsoren auch entsprechende Möglichkeiten zur Logoplatzierung geben werden ist selbstverständlich.

Wenn ich als Buchhändler mitmachen will, was muss ich tun?

Einfach an mailto:buecherbauenbruecken@buchnrw.demailen oder unter 0211-86445-0 anrufen, dann wird geholfen. Das gilt übrigens auch für Sponsoren, die sich vielleicht noch beteiligen wollen.

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