Hat er oder GU-Verleger Kurt Prelinger das erste durchgehend farbige Kochbuch „erfunden“? Frank Sicker (80)

Frank Sicker, früher Verleger des führenden Ratgeber Verlages Deutschlands, hat eine ganze Generation geprägt

Heute wird Frank Sicker achtzig Jahre alt. In den  70er Jahren war sein Falken Verlag der  führende Ratgeberverlag Deutschlands, der sich jahrelang mit GU um Platz eins im GfK-Ranking stritt  – und auch um die Frage, wer Erfinder des ersten durchgehend farbigen Kochbuchs war. Mit dem Verkauf an die Verlagsgruppe Random House Gruppe verschwand dann eine der profiliertesten Verlagsmarken vom Buchmarkt. Seinem „Lehrmeister“ gratuliert Klaus Kluge, heute Vorstandsmitglied der Bastei Lübbe AG  – und zeigt damit, was und wie er alles schon sehr früh gelernt hat:

An einem Freitag, den 13. werden keine Verträge unterzeichnet. Und wenn, weil Messe, nicht vermeidbar, wird zurückdatiert. Derlei lernt, wer an der Seite von Frank Sicker in die Praxis der Verlegerei eingeführt wird. Und noch etwas lernt der Assistent, oder besser: versucht, sich selbst zu eigen zu machen:  Konsequentes Handeln in allem, was die Geschicke des Unternehmens betrifft. Wollte man die Persönlichkeit von Frank Sicker in nur einem Merkmal zusammenfassen, so ist es eben das. Konsequent denken, konsequent handeln. Und das als – eine Eigenschaft, die weitgehend aus der Mode gekommen ist – Ehrbarer Kaufmann, dem die Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeitern und Fairness gegenüber Kunden und Geschäftspartnern stets Gesetz des Handelns war. Was jetzt sehr pathetisch klingt, war tatsächlich gelebte Praxis in Niedernhausen, dem Sitz des Falkenverlags, Hort der Ratgeberbücher jeglicher Provenienz (unvergessener Lieblingstitel: „Aufzucht und Pflege elternloser Jungvögel“) und Startrampe für so manche spätere Verlagskarriere.

Frank Sicker, er hat uns alle geprägt, die wir später in Ratgeber- oder Belletristik- Häusern unser Glück versuchten, andere gingen als Hochschullehrer nach Leipzig oder als Manager zum Frankfurter Flughafen; man konnte eben viel von ihm lernen. Fachlich ohnehin. Wichtiger aber war das andere. Das comme il faut des Miteinanderumgehens. Moral und wirtschaftliches Handeln müssen eben keine Antagonisten sein. So dürfte ihn, der stets mit sicherem Gespür seine Entscheidungen traf, eine am Ende gereut haben: Der Verkauf des Unternehmens an jemanden, der es mit diesen Werten anders hielt. Tempi passati. Was bleibt, ist die Erinnerung, die immer wieder lebendig wird, wenn es heißt, Entscheidungen zu treffen, die über den Tag hinaus von Bestand sein sollen.

Lieber Frank Sicker, es waren prägende, es waren schöne sechs Jahre an Ihrer Seite, ich möchte sie nicht missen, und da weiß ich mich in bester Gesellschaft.
Alles Gute zum 80. Geburtstag  bei weiterhin blendender Gesundheit,

Ihr
Klaus Kluge

Ach ja, das muss natürlich erzählt werden: Den Jubilar geht es  gut, er sagt, „ich erfreue mich an der Seite meiner Frau einer ganz passablen Gesundheit „- was er wohl auch auf sein Hobby Golf zurückführt, dass er noch mit Leideschaft spielt. Einzige einschneidende Veränderung zuletzt war: Nach über dreißig Jahren hat er „sein Dorf  Niedernhausen“ verlassen (das war Standort auch seines Falken Verlages). Jetzt wohnt er in Wiesbaden, in „einer altersgerechten Bleibe“, ca. 15 fussläufige Minuten vom Zentrum entfernt. Und er verrät: „Witzig ist die Historie dieses Gebäudes: es war nämlich ab Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts der Verlagssitz des Hauses BROCKHAUS. Irgendwann nach Verkauf dieses Verlages wurde aus dem Gebäude eine Zahnklinik, die später in Eigentumswohnungenumgewandelt wurde“.

Kontakt: frank.sicker@gmx.de

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