Viertes Buchgassenfest in Frankfurt

Claus-Peter Leonhardt

Bereits am Freitagabend wurde das vierte Buchgassenfest, dem eine Aktion [mehr…] vorausging, an historischem Ort eröffnet.

Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth würdigte die Veranstaltung als weiteres Event im großen Spektrum der lebendigen Frankfurter Literaturszene. Gaby Hagmans, Direktorin des Caritasverbandes Frankfurt – in der Wohnanlage Lebenshaus Sankt Leonhard fand das Fest statt – begrüßte die etwa 40 Besucher.

Roman Fischer vom Institut für Stadtgeschichte erläuterte in einem Vortrag die Anfänge der Buchmesse in Frankfurt, die bereits im 11. Jahrhundert liegen. Damals kamen Schriftrollen, Handschriften noch, in Fässern mit Schiffen über den Main und wurden dann die wenigen Meter bis zur Buchgasse auf einrädrigen Karren von vier Männern gerollt. Pferdefuhrwerke waren viel zu teuer.

Gerhard Zwerenz-Texte bildeten den Abschluss des ersten Abends.

Am Samstagabend lautete das Motto Verlust, Wandern, Flüchten, Ankommen. Zwischen Kulturen und Ländern. Fest-Organisator Claus-Peter Leonhardt begrüßte die Gäste und wies auf das Konzept der Veranstaltung hin: Lokale Autoren erhalten auf dem Buchgassenfest ein Podium. „Das Fest soll am Platz der Ur-Buchmesse zu einem Ereignis für Schriftsteller, Verleger und an Büchern Interessierten werden“, wünschte er sich.

Der Literaturclub der Frauen aus aller Welt, mit dem Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller Veranstalter des Festes, geht auf eine im Jahr 1997 gegründete Schreibwerkstatt der iranischen Autorin Shirin Kumm zurück. Der Literaturclub bestritt im Anschluss den Hauptpart des Abends. Zunächst las Susanne Czuba-Konrad, Vorsitzende des Vereins. In diesem Jahr erschien die vierte Anthologie des Literaturclubs, Frankfurterinnen.
Danach stellte die gebürtige Sizilianerin Venera Tirreno-Schneider ihre Geschichten vom heimisch werden in Deutschland vor: „Sizilianische Traditionen klebten wie Panzerplatten an mir“, schilderte sie.
Reha Horn, sie hat afghanische Wurzeln, beschrieb die schwierige Situation eines Mädchens zwischen einem konservativen Elternhaus und dem Wunsch, Freundschaften mit Gleichaltrigen zu schließen. Dabei geht es weniger um Nationalitätszugehörigkeit, sondern viel mehr um Anerkennung eines aufwachsenden Menschen, um Respekt vor seinen Gefühlen und Vorstellungen.
Die Autorin und Karikaturistin Doris Lerche las aus einem noch nicht veröffentlichen Roman mit autobiografischen Zügen. Sie beschreibt die schwierige Zeit der Flucht am Ende des Zweiten Weltkriegs und den nicht immer gelingenden Neuanfang. In Lerches expressiven Gedichten werden unterschiedliche Probleme der globalen Gesellschaft in wenigen, präzisen Worten auf den Punkt gebracht.
Pete Smith, 2012 mit dem Robert Gernhardt Preis ausgezeichnet, las aus seinem Roman Endspiel die Tagebuchaufzeichnungen Elenas. Das junge Mädchen hält das Grauen des Krieges in der Beschreibung des unermesslichen Leides fest, das in jener Zeit zum Alltag geworden ist.
Abschließend berichtete Ralf Schwob über eine gescheiterte Flucht.

Ab Mitte Dezember steht das Literatur-Fass wieder in der Baubachstraße im Restaurant Margarete und soll dort zum monatlichen Literaturstammtisch werden.

JF

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