Reflexionen über Sprache, Schrift und Seele

Tanja Leonhardt

Im Klingspor-Museum in Offenbach sprach gestern Abend die Künstlerin Tanja Leonhardt und illustrierte ihren interessanten Vortrag mit Bildern und kleinen Filmen.

Seit langem beschäftigt sich Tanja Leonhardt mit Schrift, mit dem Klingspor-Museum verbindet sie eine besondere Beziehung durch verschiedene gemeinsame Aktionen, einige ihrer Werke, so erläuterte Museumsleiter Dr. Stefan Soltek in seiner Begrüßung, befinden sich hier. Im vergangenen Sommer fand im Museumshof auch eine Aktion mit ihren großen Holzbuchstaben statt.

In ihren Reflexionen geht die Schriftkünstlerin zunächst auf die (gesprochene) Sprache als Ausdruck der Seele ein. Dabei bilden Hören und Sprechen eine tatsächliche, Schreiben und Lesen nur eine scheinbare Einheit. Analphabeten können sich verständigen, selbst wenn sie die Schrift nicht beherrschen.

Sprache kann auch Verrat bedeuten, Zerstörung und Missbrauch, als Beispiele dienen Paul Klees Anfang eines Gedichts und Cy Twomblys Letter of resignation.

„Schreiben heißt, die Verbindung des Sprechens mit dem Selbst kappen“, so drückte es der französische Philosoph Maurice Blanchot aus.
„Aber das Gedicht spricht ja! Es bleibt seiner Daten eingedenk, aber – es spricht,“ sagt andererseits Paul Celan in seiner Büchner-Preis-Rede 1960.

Tanja Leonhardt entwickelt eine eigene Metaphorik und vergleicht die gesprochene Sprache mit dem fließenden und sich ständig ändernden Wasser, das (Hand-)Geschriebene dagegen mit starrem Eis. Wie Eisblumen ganz unterschiedliche Strukturen aufweisen, sind auch Handschriften völlig verschieden; Beispiele belegen das.

Die Handschrift gehört zu einem stabilen Ich, unterstreicht Tanja Leonhardt und warnt davor, weniger Wert auf Handschrift zu legen. Die Gesellschaft scheint gegenwärtig diese Fähigkeiten eher in den Hintergrund zu rücken. Doch ein Kind, das keinen Stift mehr in die Hand nimmt, sondern sich sofort zum Schreiben an den Computer setzt, wird wichtige Seiten seiner Persönlichkeit nicht entwickeln können.

JF

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