Ein Bericht von der 52. Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna – mit 52 Bildern

Wer den Aufenthalt nicht verlängert hat, ist inzwischen wieder im deutschen Aprilwetter angekommen. 30.000 Besucher (inklusive der Publikumstage am Wochenende) aus 95 Ländern sowie 1.200 Aussteller waren erwartet worden. Bei satter Sonne und über 20 Grad ließ es sich auf der 52. Internationalen Kinderbuchmesse von Montag bis Donnerstag auch mit vollem Terminkalender gut aushalten – das schöne Wetter half zudem, die ein oder andere Warteschlange gelassen zu nehmen.

Denn auch wenn Bologna eine Messe fürs Fachpublikum ist und die Wegzeiten zwischen den Terminen gut planbar sind: Man muss erst mal hinkommen. Die Hauptachsen der Stadt waren in diesem Jahr jedoch Baustellen, Taxis wie immer Mangelware, und der Montag begann überdies mit einem Busstreik. Neu auch die langen Schlangen vor einem einzigen Schalter, an dem sich Journalisten aus aller Welt akkreditierten – bislang hatte man immer Zugang mit dem Presseausweis erhalten und konnte sich im Laufe des Tages im Pressezentrum melden. Wohl dem also, der Montagmorgen keinen frühen Termin abgemacht hatte. Für alle Warteschlangen hatten wir zwar eine Extra-Portion Atemübungen ins Handgepäck gesteckt. Aber manchmal hat es dann auch einfach gereicht.

Zeichnung: Manuela Olten, Wenn Lisa wütend ist, gesehen am Stand von Beltz & Gelberg; Feuerlöscher: Bologneser Feuerwehr

Genug gejammert. Am vergangenen Sonntag, dem Vorabend der Messe, versammelte sich die deutschsprachige Szene traditionell zum Empfang der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) im Istituto di Cultura Germanica. Vorstandsvorsitzende Renate Reichstein und Geschäftsführerin Margit Müller begrüßten die zahlreichen Gäste, die diesmal auch die Terrasse für Begegnungen und Gespräche nutzen konnten. Renate Reichstein rief in ihrer Ansprache dazu auf, insbesondere das Kinderbuch zu pflegen, das für die Zukunft der gesamten Buchbranche von zentraler Bedeutung sei.

Ehrengast der Bologna-Messe war in diesem Jahr Kroatien. Living waters, living stories lautete das Motto des Auftritts. In Schaukästen wurden Originale von 14 Illustratoren präsentiert, dazu kam ein Abriss über hundert Jahre kroatischer Illustrationsgeschichte. Den über 300 Seiten starken, sehr schön gestalteten Katalog müssen wir noch durcharbeiten. In einer Galerie in der Via Farini im Zentrum der Stadt schließlich war eine Schau der Werke von Svjetlan Junakovic (Das große Buch der klassischen Tierporträts, Kunstmann) zu bewundern.

Schaukästen für Originale kroatischer Künstler

Für die Illustratoren-Ausstellung wurden in diesem Jahr 77 Künstler aus aller Welt ausgewählt, darunter Benjamin Gottwald und Nadine Pedde aus Deutschland sowie Verena Hochleitner aus Österreich. War die Schau an gewohnter Stelle und am Wochenende auch für allgemeines Publikum zu sehen, ist das Illustratoren-Café samt Programm in einen Raum im Seitenflügel des Eingangsbereich umgezogen, was vor allem diejenigen verwirrte, die erfahren wollten, wer in diesem Jahr den mit fünf Millionen schwedischen Kronen dotierten Astrid Lindgren Memorial Award erhielt. Er ging an die südafrikanische Leseförderungsinitiative PRAESA [mehr…].

Wie aber werden die Programme der deutschsprachigen Verlage im Herbst aussehen? Einige hatten die Vertreterkonferenzen bereits hinter sich, als sie in Bologna ankamen, anderen besteht sie noch bevor. Ein erster Blick auf Entwürfe und Pläne jedoch zeigt: Wir können uns freuen auf die neuen Bücher.

Bilderbuch: Traumhafte Aussichten

Ein besonderes Projekt bereitet der Aladin Verlag vor: Das Beste von Allem versammelt Illustrationen von 61 Künstlern zu 60 Themen, die je auf einer Doppelseite angeordnet werden. Federführend waren dabei Jutta Bauer und Katja Spitzer, ein Teil des Erlöses soll der Stiftung Illustration zugute kommen. Das wird hoffentlich ein Werk mit langem Backlist-Dasein.

G&G jetzt mit Nilpferd

Die Nachricht, dass Carlsen den Lappan Verlag von der Salzer Holding gekauft hat [mehr…], war oft Gesprächsthema in Halle 30. Was mit dem Bilderbuchprogramm passieren wird, war noch nicht geklärt, zu frisch noch die Unterschrift auf dem Vertrag. Programmleiterin Constanze Steindamm war mit ihren Titeln noch am Stand von G&G mit Ueberreuter und Annette Betz vertreten, auf dessen Verlagsliste wiederum das Nilpferd neu hinzugekommen war, das Bilderbuchprogramm, das Georg Glöckler vor kurzem vom Residenz Verlag gekauft hat [mehr…]. Nilpferd-Programmleiterin Cornelia Hjladej wiederum war in diesem Jahr mit ihren Büchern noch am Österreichischen Gemeinschaftsstand präsent, denn so hatte man gebucht, bevor die neue Heimat bekannt gegeben worden war. Gut, dass man in Bologna dauernd jemanden trifft, den man fragen kann, wenn man kurzfristig den Überblick verloren hat.

Bei Lappan jedenfalls kann man sich auf einen neuen Anthony Brown freuen, Abenteuer mit Willi animiert Kinder zum Weitererzählen von Geschichten. Das Nilpferd bekommt ein neues Logo und bringt u.a. Willy Puchners Unterwegs, mein Schatz sowie Adelheid Dahimènes Mondschein hin, Mondschein her mit Illustrationen von Verena Ballhaus. Künftig sollen fünf bis sechs Titel pro Saison erscheinen, erklärt Cornelia Hjladej, wobei das erzählende Kinderbuch wegfalle, „es wird eine Konzentration aufs illustrierte Buch für Kleinere geben“.

Zahlreiche Illustratoren waren nach Bologna gereist, darunter Lisbeth Zwerger, Binette Schroeder, Ingrid Godon, Carll Cneut, Axel Scheffler, Ole Könnecke, Vitali Konstantinov, Daniela Kulot, Henning Löhlein, Mehrdad Zaeri, Judith Drews, Floor Rieder, Amélie Jackowski, Daniel Napp, Eva Muszynski, Karsten Teich, Hans de Beer, Sonja Danowski, Constanze von Kitzing, Klaus Baumgart, Joelle Tourlonias u.v.m. Man trifft sie an deutschen wie internationalen Ständen, bei Empfängen und immer wieder auch draußen in der Sonne, wo viele Termine kurzfristig hinverlegt werden.

Nicht dabei ist in diesem Jahr Torben Kuhlmann, dessen Lindbergh-Bilder vor zwei Jahren in der Illustratoren-Ausstellung hingen, vor einem Jahr als Bilderbuch bei NordSüd erschienen, das Lizenzmanagerin Louise Pachtner bereits in 22 Sprachen verkauft hat. Gemeinsam mit Sonja Danowski hat er den Golden Island Award gewonnen [mehr…], beide werden demnächst nach Seoul reisen, um ihn entgegenzunehmen, und für den Deutschen Jugendliteraturpreis ist Torben Kuhlmann auch nominiert – eine Bilderbuchkarriere. Eben ist das interaktive E-Book von Lindbergh veröffentlicht worden, ein zweiter Titel, Maulwurfstadt, ist Anfang des Jahres erschienen.

Lobende Erwähnung: Sebastian Meschenmosers „Gordon und Tapir“

Sebastian Meschenmoser hat für Gordon und Tapir (Esslinger) eine lobende Erwähnung bei den Bologna Ragazzi Awards erhalten, Verlegerin Bärbel Dorweiler kündigt für den Herbst Herr Eichhorn und der König des Waldes an, das dann unter dem Verlagsnamen Thienemann erscheint. Bei Carlsen wird es einen neuen Martin Baltscheit geben, So ist das Leben, Verlegerin Renate Herre freut sich außerdem auf ein neues Projekt der Künstler vom Atelier Hafenstraße 64: Das total verbammelte Super Tummelsurium der Tiere ist ein Buch, in dem von Künstlern wie Daniel Napp oder Robert Nippoldt auf je einer Doppelseite tierische Kuriositäten mit viel Witz präsentiert werden. Es wird zwei Lesebändchen haben, eines mit der Aufschrift „Noch mal“, und das andere mit „Nie wieder“.

Ebenfalls bei Carlsen kommt die Dackelgeschichte Ralf von Jean Jullien mit Illustrationen von Gwendal Le Bec. Auch Hans de Beer gibt einem kleinen Dackel einen großen Auftritt, Gustav ganz groß (NordSüd) lautet der Titel. Ein Such- und Wimmelabenteuer durch Teich, Fluss und Meer bis in die Antarktis hat Henning Löhlein für Gerstenberg illustriert: Was schwimmt denn da? Alexander Steffensmeier zeichnet Das große Lieselotte Weihnachtsbuch für Fischer Sauerländer, Yayo Kawamura Das alles sind Bilder und Wörter für Coppenrath.

Dass die Pappe vielseitiger geworden ist, davon hat Antje Ehmann im aktuellen BuchMarkt-Special Junge Zielgruppe berichtet. Von Zuwächsen erzählt (Oetinger)-Programmgeschäftsführerin Doris Janhsen und freut sich auf einen neuen Pettersson und Findus für die Kleinsten, ist Sven Nordqvist doch inzwischen Großvater geworden und dem Format noch zugeneigter als früher.

Jonas Lauströer illustriert für minedition Hase und Igel, im selben Verlag wird ein Jedermann-Bilderbuch erscheinen. Bühnenbildner Julian Crouch liefert die Bilder, Werner Thuswaldner hat die Geschichte nacherzählt. Vitali Konstantinov hat in Bologna die Originalausgabe Seis Barbudos (oqo) mit dabei, die bei Aladin unter dem Titel Sechs Langbärte erscheinen wird.

Mathias Siebel, Bodo Horn-Rumold, Klaus Baumgart, Anja Girmscheid

Nach langer Pause kündigt Klaus Baumgart ein neues Lauras Stern-Bilderbuch bei Baumhaus an, worüber sich Verleger Bodo Horn-Rumold sichtlich freut. Von Britta Teckentrupp wird es einen neuen Titel bei Beltz & Gelberg geben, außerdem einen bei arsEdition: Der Baum der Jahreszeiten wird er heißen, verrät Bilderbuch-Programmleiterin Katharina Frey.

Ein Klassiker-Schwerpunkt bei NordSüd: Doris Lecher illustriert Spiegel, das Kätzchen von Gottfried Keller, und die Märchen der Gebrüder Grimm in der Ausgabe des Plakatkünstlers Herbert Leupin werden wieder aufgelegt. Lisbeth Zwergers Interpretation des Zauberers von Oz kommt in neuer, hochwertig ausgestatteter Ausgabe. Aljoscha Blau illustriert Das Dschungelbuch, und es gibt eine Sindbad-Ausgabe nach Said mit Bildern von Rashin.

Weitere Dreamteams: Marjaleena Lembcke hat eine philosophische Geschichte über Menschen geschrieben, die in einem ungewöhnlichen Gefährt Rückzug und einen Ort der Gemeinschaft finden, die Bilder kommen von Stefanie Harjes: Der Bus mit den eckigen Rädern (Ravensburger).

Will Gmehling liefert die Geschichte, Tobias Krejtschi die Illustrationen zu Eine Hyäne namens Kleopatra (Peter Hammer), und die Hyäne soll sehr nett geworden sein, verrät Verlegerin Monika Bilstein. Hubert Schirneck und Ina Hattenhauer zeigen in Der Wolkenkratzer schwingt die Bürste (Annette Betz) interessante Berufe, Martin Gülich und Amélie Jackowski legen Herr Loti findet ein Paket bei Thienemann vor (gerade erschienen von Amélie Jackowski mit einem Text von Moritz Petz Der Dachs hat heute einfach Pech, NordSüd).

Kai Lüftner hat Worte für zwei neue Projekte: Alexander von Knorre bebildert Superjunge (arsEdition), ein Lied aus der Audio Verlags-CD Rotz’n’Roll Radio. Partypiepel, und Eva Muszynski das Gedicht Gewitterritter für Klett Kinderbuch. Eine erneute Zusammenarbeit von Ingrid Godon und Toon Telegen erscheint unter dem Titel Ich denke bei mixtvision, von Sebastian Perez und Benjamin Lacombe erscheint Superhelden mögen keine Artischocken bei Jacoby & Stuart.

Annabel Lammers, Carll Cneut

Und Bohem-Programmleiterin Annabel Lammers trifft in Bologna Carll Cneut zum Kaffee. Noch bis zum 10. Mai läuft seine sagenhafte Ausstellung In my head in Gent, zu der seit Dezember schon über 30.000 Besucher gepilgert sind. Im Herbst erscheint Der goldene Käfig nach einem Text von Anna Castagnoli, und auch das verspricht ein wahrer Augenschmaus zu werden. Geplant ist dazu ein Malbuch.

Traumhafte Aussichten auch bei Fischer Sauerländer: Lektorin Helga Preugschat schwärmt vom neuen Projekt der argentinischen Künstlerin Isol, die 2013 den ALMA erhielt [mehr…]: Nachts leuchten alle Träume erzählt von Träumen, die dank fluoreszierender Farbe im Dunkeln leuchten, übersetzt hat Karl Rühmann.

Kinderbuch: Immer mehr Eigenproduktionen

Aber zunächst einmal ein Jubiläum: 150 Jahre Alice im Wunderland werden auch in Bologna mit ein paar Vitrinen gefeiert. Am 4. Juli 1865 erschien das Buch zum ersten Mal. Gerstenberg-Lektorin Birgit Lockheimer trifft auf der Messe die Künstlerin Floor Rieder, deren Alice-Wendebuchausgabe mit Alice hinter den Spiegeln in den Niederlanden bereits Furore gemacht hat. Ihre Bilder hat sie auf schwarz eingefärbten Glasplatten eingeritzt und dann gescannt. Entstanden ist eine bibliophile Ausgabe (dt. Übersetzung: Christian Enzensberger) mit etwa 220 Illustrationen, die in Holland die Auszeichnung für das schönste Cover 2014 erhalten hat, auf der Shortlist der schönsten Bücher steht und zahlreiche Buchhändler zu sehr schönen Schaufenstern animiert hat.

Floor Rieder, Birgit Lockheimer

Floor Rieder wird im Herbst mit Autor Jan Paul Schutten zur Frankfurter Buchmesse kommen, denn mit ihm ist sie mit Evolution. Das Rätsel von allem, das lebt für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Derzeit arbeitet sie an einem Folgebuch, in dem es um den menschlichen Körper geht.

Ein überaus witziges Kinderbuch hat uns Monika Osberghaus bereits in Leipzig gezeigt: Mo Willems, bei uns bekannt geworden durch den Knuffelhasen (Gerstenberg), hat Das Buch über uns geschrieben und illustriert, das bei Klett Kinderbuch erscheinen wird. Eine etwas andere Lektüre für Erstleser – ein Elefant und ein Schwein kapieren nach einigen Seiten, dass sie von einem Leser gelesen werden, lachen sich schlapp und versuchen, Kontakt zu ihm aufzunehmen.

Zwei neue Erstlesereihen nehmen Gestalt an: Ueberreuter bringt im Juli das Leseforscher ABC. In sechs Bänden, zwei pro Lesestufe, wird Sachwissen zu verschiedenen Themen so vermittelt, dass der Einstieg überall möglich ist. Herausgeberin ist Kathrin Köller, die Gestaltung übernimmt Julia Dürr. Lektorin Emily Huggins, die von Ravensburger nach Berlin gewechselt ist [mehr…], arbeitet gerade an der Fertigstellung.

Monika Schlitzer und das DK-Projekt „Superleser!“

Dorling Kindersley-Programmleiterin Monika Schlitzer kann in Bologna erste Dummies der neuen Reihe Superleser! präsentieren, die mit zwölf Titeln im Juni in den Handel kommt. Das Thema Lernen werde immer wichtiger, hat man beobachtet, und reagiert nun mit einer Sachbuch-Erstlesereihe. Die Inhalte sind für den deutschen Markt entwickelt worden, bei der Optik kann man auf das Bildarchiv des Mutterhauses zurückgreifen. Überzeugen dürften vor allem Lizenzthemen wie Star Wars oder Lego, die bei den Superlesern immer wieder auftauchen werden.

Thema Leseförderung: Schon vor der Messe hatte Baumhaus bekannt gegeben, dass am 3. November der zehnte Band von Jeff Kinneys Gregs Tagebuch erscheinen wird [mehr…]. Am Stand des Original-Verlags Abrams versammelten sich am Abend des ersten Messetages die zahlreichen Verleger aus aller Herren Länder zum Gruppenfoto.

Wir treffen Übersetzer, Autor und Agent Uwe-Michael Gutzschhahn, der sich besonders über einen Herbsttitel freut, für den er Nonsens-Gedichte zusammengestellt hat: Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her erscheint bei cbj und wird von Sabine Wilharm illustriert. Sybil Gräfin Schönfeldt gibt für Tulipan ein Wilhelm Busch-Hausbuch heraus, im selben Verlag startet mit Antje Damms Kleines Afrika Tulipans kleine Reihe mit Texten für Kinder, die über das Erstlesealter hinaus sind.

Antje Herden wiederum hat Anton, Marlene und die wahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeiten geschrieben, das bei Fischer KJB erscheint, Regina Kehn steuert die Vignetten bei. Bärbel Dorweiler schwärmt von Patrick Hertwecks Debüt im Kinderbuch: In Maggie und die Stadt der Diebe (Thienemann) erzählt der Aufbau-Autor von einem Waisenmädchen im New York der 1870er Jahre, das sein Schicksal mit Hilfe einer Bande von Kinderdieben aufklärt.

Katharina Nüßlein mit dem Cover des neuen Kinderbuchs von Dorit Linke

Fett Kohle – das wär’s, was die Kinderbuchbranche gebrauchen könnte. Vorerst ist es der Titel eines Magellan-Titels von Dorit Linke ab zehn Jahren, dessen Cover uns Pressesprecherin Katharina Nüßlein in Bologna schon zeigen kann. Die Autorin steht mit dem Jugendbuch Jenseits der blauen Grenze auf der Nominierungsliste des Deutschen Jugendliteraturpreises. In ihrem neuen Buch geht es um die Beute aus einem Banküberfall, so könnte natürlich auch die Branchenlösung funktionieren.

Apropos Cover: Eines der schönsten, die wir bislang gesehen haben von der Herbstproduktion, ist ganz gewiss das von Elke. Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen lautet der Untertitel des ersten Kinderromans von Christian Duda bei Beltz & Gelberg. Gemeinsam mit Julia Friese hat er schon einige Bilderbücher gemacht, sie hat nun den Umschlag gestaltet und Schwarz-Weiß-Zeichnungen beigesteuert.

Das neue Kinderbuch von Oliver Scherz wird von Peter Schössow illustriert: Keiner hält Don Carlo auf erscheint bei Thienemann. Tony Ross hat Geschichten von David Walliams bebildert, dem Schauspieler aus der TV-Serie „Little Britain“. Gangsta Grammy und weitere Titel werden im Frühjahr 2016 bei rotfuchs erscheinen, kündigt Programmleiterin Christiane Steen an. In England werde der Autor als „der neue Roald Dahl“ gehandelt (der im nächsten Jahr 100 Jahre alt geworden wäre). Übersetzt wird von Salah Naoura.

Auch bei den Serien gibt es Bewegung. Egmont Schneider arbeitet mit Hochdruck am Relaunch von Hanni und Nanni, die in diesem Jahr 50 Jahre alt werden. Bei rotfuchs erscheint im Herbst der letzte Band vom Kleinen Vampir, für 2017 ist ein 3D-Film geplant. Und bei Kosmos wird es erstmals eine Graphic Novel zu den Drei ??? geben. Mit Tierfantasy geht es ebenfalls weiter, bei Fischer KJB erscheint Inbali Iserles Foxcraft. Die Magie der Füchse, „für alle Fans der Warrior Cats“.

Martin Bethke

Aus den USA kommt ein Autorenprojekt, an dem u.a. Maggie Stiefvater mitgearbeitet hat: Spirit Animals startet bei Ravensburger mit zwei Bänden, es geht um Kinder, die mit Hilfe ihrer Seelentiere die Welt retten sollen. Martin Bethke, verlegerischer Geschäftsführer des Ravensburger Buchverlags, möchte den erzählenden Bereich erweitern, verrät er in Bologna, nicht nur mit Lizenzen, sondern auch mit Eigenentwicklungen. Für die Kinder- und Jugendliteratur soll es künftig eine eigene Vorschau geben.

Sieht man sich diesen kleinen Ausschnitt aus dem, was im Herbst im Kinderbuch passieren wird, in Ruhe an, scheinen die Verlage dem Segment also durchaus volles Augenmerk zu schenken. Über immer mehr deutschsprachige Autoren im Kinderbuch freut sich nicht nur Doris Janhsen, die zugleicht meint, diese Tendenz auch im Jugendbuch zu spüren. Neuere Beispiele bei Oetinger seien Meike Haberstock mit Anton hat Zeit oder Stefanie Taschinski mit Funklerwald. „Bologna bestätigt mich“, so Doris Janhsen: „Was von deutschen Autoren kommt, ist spannender als die Angebote aus den USA oder England.“ Umgekehrt würden aber auch die anderen Länder mehr auf ihre eigenen Autoren vertrauen, was den Lizenzverkäufern das Leben schwer mache. Bei den Hamburgern ist im Herbst u.a. ein Sams-Vorlesebuch von Paul Maar zu erwarten.

Jugendbuch – viel aus und manchmal auch etwas nach Amerika

Schauen wir also aufs Jugendbuch. Vielversprechend klingt der Roman von Meg Wolitzer, Was uns bleibt ist jetzt bei cbt, eine Geschichte, in der ein Mädchen nach dem Tod der ersten großen Liebe auf ein Internat für traumatisierte Jugendliche kommt und über das Schreiben eines Tagebuchs in die Welt der eigenen Vergangenheit gerät. Nach der Lektüre von Wolitzers Die Interessanten (Dumont) darf man gespannt sein. Es übersetzt Petra Koob-Pawis.

Inés Garland hat im vergangenen Jahr für Wie ein unsichtbares Band den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen, nun legt Fischer KJB mit In den Augen der Nacht nach, aus dem Spanischen wieder übersetzt von Ilse Layer. Von David Levithan, in diesem Jahr mit Letztendlich sind wir dem Universum egal (Fischer FJB) gleich zweimal für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, kommt Two Boys Kissing – Jede Sekunde zählt, wieder übersetzt von Martina Tichy jetzt bei Fischer KJB, „eine große Geschichte über homosexuelle Jugendliche von heute“. „Gender topics“ seien ihr wiederholt angeboten worden, hatte uns übrigens rotfuchs-Programmleiterin Christiane Steen erzählt.

Die School for Good and Evil (Ravensburger) von Schriftsteller und Drehbuchautor Soman Chainani bildet Jugendliche für ihre spätere Karriere in einem Märchen aus, entweder als positive Helden oder als Bösewichte. Oetinger bringt den zweiten Engame-Band, Loewe kündigt den neunten und letzten Band von Derek Landys Skulduggery Pleasant an. Beltz & Gelberg bringt einen neuen Louis Sachar mit dem Titel Schlamm.

Alexandra Borisch ist nach ihrem Wechsel von Herder/Kerle [mehr…] zum ersten Mal für cbj in Bologna. Und sehr glücklich, neben den von ihr so hoch geschätzten Kinderbuchautorinnen Ute Krause, Sabine Zett und Annette Roeder im Jugendbuch mit Sophie Kinsellas Schau mir in die Augen, Audrey einen besonderen Titel im Programm zu haben – die Protagonistin hat Angststörungen und versteckt sich hinter einer Sonnenbrille, nähert sich dennoch dem Freund ihres großen Bruders an.

Volker Busch, Katharina Braun, Stephanie Janek und das It Girl

Egmont Schneider-Programmleiterin Katharina Braun schwärmt gemeinsam mit Lektorin Stephanie Janek vom Herbst-Spitzentitel It Girl von Katy Birchall, nach der Waterfire Saga der zweite Vorstoß in etwas höhere Altersgruppen. Volker Busch, Verleger der Egmont Verlagsgesellschaften, ist im Thema nicht ganz so drin, kann sich aber über die Erfolge der Minecraft-Bücher freuen und über den Start des Minion-Films im Juli, zu dem sowohl Schneiderbuch als auch Balloon insgesamt zwölf Titel liefern.

Kerstin Gier wird im Herbst den dritten Band ihrer Silber-Trilogie abliefern. In Bologna treffen wir Eva Schöffmann-Davidov, die mit ihren höchst aufwändig gestalteten, schönen Covern sicher auch zum Verkaufserfolg beigetragen hat. Arena verspricht ein neues Jugendbuch von Isabel Abedi. Und Loewe-Presse- und Lizenz-Chefin Jeannette Hammerschmidt hat eine ganz frische, sehr erfreuliche Nachricht: Mechthild Gläsers Die Buchspringer ist in die USA an McMillan verkauft, so etwas passiert bekanntlich nicht alle Tage. Die Erstauflage in Deutschland ist bereits weg, vor allem viele Blogger seien von dem Buch begeistert, freut sich Jeannette Hammerschmidt, die außerdem eine neue Ursula Poznanski ankündigen kann. Layers. Die Wahrheit ist vielschichtig wird ihr neuer Thriller heißen, in dem es um neue Technologien geht.

Sachbuch – jetzt nicht aufgeben

Die Stimmung bleibt verhalten beim Sachbuch, zumindest wenn es um Einzeltitel geht. Dafür wiederum passiert ganz schön viel. Im Kreativbereich sind wir besonders gespannt auf Mein Naturbuch (Jacoby & Stuart) von Judith Drews, das etwa 400 Seiten stark werden soll sowie auf Voll gemütlich. Das Kinder Künstler Buch vom Bauen und Wohnen (Beltz & Gelberg), einen neuen Streich aus der Frankfurter Ateliergemeinschaft Labor. Die Weinheimer bringen außerdem ein Spielebuch von André Gatzke, Das André Spielebuch, zu dem eine Tour geplant ist. Und Das große Weihnachtsbastelbuch (Gerstenberg) aus der Werkstatt von Sabine Lohf wird auch wunderschön, wie die ersten Ausdrucke verheißen.

Das Team Jens Soentgen und Vitali Konstantinov arbeitet an Chemie und Alchemie für Furchtlose. Wie man mit dem Feuer philosophiert (Peter Hammer), Nikolaus Nützel und Dr. Hannes Blankenfeld schreiben über Jugend in Gefahr. 19 Tipps, wie du deinen 20. Geburtstag erlebst. Und den 100. vielleicht auch noch. (cbj).

Reiner Engelmann widmet sich nach Der Fotograf von Auschwitz erneut der Zeit des Nationalsozialismus. Wir haben des KZ überlebt – Zeitzeugen berichten wird sein neuer Titel bei cbj heißen. Hermann Vinke hat mit seiner Tochter Kira Zivilcourage 2.0 – Vorkämpfer für eine gerechte Zukunft (Ravensburger) geschrieben, und bei Gabriel erscheint die Biographie Mohammed. Das unbekannte Leben des berühmten Propheten des Islamwissenschaftlers Lorenz Just, der am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert. Im selben Verlag kommt Christiane Baer-Krauses Wie heißt dein Gott eigentlich mit Nachnamen? Kinderfragen zu den Weltreligionen mit Fotografien von Jan von Holleben.

Pläne und Ideen

Ecole des Loisirs wird 50

Sein 50-jähriges Jubiläum hatte der französische Verlag l’ecole des loisirs sehr schön inszeniert. War der Stand stets ohnehin schon ein Hingucker, wurde er diesmal durch eine kleine Galerie ergänzt, in der die wichtigsten Titel der Verlagsgeschichte präsentiert wurden. Der auch deutschen Bilderbuchlesern bekannte Hase aus dem Moritz-Bilderbuch Pipikack von Stephanie Blake wies den Weg, als Button auf dem roten Teppichboden ebenso wie zum Eingang der kleinen Ausstellung.

Die Shanghai Children’s Bookfair findet vom 13. bis zum 15. November 2015 statt. Direktor Randy Wang, Projektmanagerin Katherine Chen und Pressesprecherin Alicia Liu waren nach Bologna gekommen, um für die Teilnahme zu werben. Ihnen ist bewusst, dass die Reise weit ist, berichten aber auch von Lizenzerfolgen, die darauf basieren, dass die Verleger vor Ort waren. Es wird ein internationaler Bilderbuchpreis ausgelobt, der Chen Bochum International Childrens’s Literatur Award, zudem wird an einem Fellowship-Programm gearbeitet, um Kollegen aus dem Ausland den chinesischen Markt näherzubringen.

Und natürlich kam in zahlreichen Gesprächen auch immer wieder das Thema auf, wie sich der Buchhandel in den deutschsprachigen Ländern entwickelt. Denn was nützen die schönsten Projekte, die sonnigste Stimmung in Bologna, wenn die Bücher später gar nicht oder sehr vorsichtig eingekauft und dann remittiert bzw. nicht mehr nachbezogen werden?

Was könnte man noch tun, damit das Kinderbuch im Buchhandel eine solche Nachfrage erfährt wie am Wochenende vor Beginn der Fachmesse in Bologna? Da strömten die Endkunden in Scharen in eine Halle, in der die Buchhandlung Stoppani verkaufte. Geduldig reihten sie sich in Warteschlangen vor den Kassen ein, so wurde uns berichtet. Wenn nur ein Bruchteil von ihnen später wieder im stationären Sortiment auftauchen würde, wäre über die sicher traumhaften Tageseinnahmen hinaus viel gewonnen.

Natürlich gibt es ähnliche Veranstaltungen auch in Deutschland, seien es Messen, Bücherschauen, Ausstellungen und/oder Lesungen. Und dennoch hatte man nach vier Tagen in Italien plötzlich wieder die ein oder andere, mehr oder weniger realistische Vorstellung davon, was noch alles möglich wäre.

Am von der Frankfurter Buchmesse organisierten Deutschen Gemeinschaftsstand konnten Bärbel Becker und Imke Buhre übrigens am Dienstag Abend noch eine erfreuliche Nachricht verkünden: 2016 wird Deutschland Ehrengast auf der Bologna-Messe sein. „Look!“ lautet das Motto, das Logo basiert auf einer Zeichnung von drei Vögeln von Ole Könnecke. „Bei der Illustratoren-Ausstellung wollen wir den Fokus auf die vielen talentierten Künstler richten, die es in Deutschland noch zu entdecken gilt“, verriet Bärbel Becker, Leiterin internationale Projekte.

Bis zum nächsten Jahr – Imke Buhre und Bärbel Becker bereiten schon mal den deutschen Gastlandauftritt vor

Für alle, die in diesem Jahr zu Hause geblieben sind, haben wir wie versprochen auf den Neptunbrunnen geklopft und den ein oder anderen Cappuccino mitgetrunken. Allen, denen wir in Bologna begegnet sind, danken wir für die Gespräche, Tipps, Geduld und Hilfestellungen. Wer zusammen wartet, kommt schneller an. Frohe Ostertage wünscht Ihnen

Susanna Wengeler

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