Ausstellung „The Loveliest Girl in the World“ von Miina Savolainen

Miina Savolainen in der Ausstellung

Die finnische Fotografin, Kunst- und Sozialpädagogin Miina Savolainen zeigt erstmals in Deutschland ihr Projekt The Loveliest Girl in the World im Ausstellungsraum in der Schulstraße 1A in Frankfurt.

Zwischen 1998 und 2008 portraitierte sie zehn Mädchen eines städtischen Kinderheims. In der Exposition, die am 25. September eröffnet wurde, werden nicht nur über 120 Farbfotografien gezeigt, sondern auch 16 Kleider, die extra für die Aufnahmen angefertigt wurden, teilweise haben die Mädchen ihre Kleider selbst genäht.

„Als ich anfing, im Heim zu arbeiten, wurde mir schnell klar, dass ich die Mädchen nur mit Worten allein nicht erreichen konnte“, sagt Savolainen. Also suchte sie nach einer anderen Methode und erfand die empowering photography, die inzwischen in Finnland gezielt in der Weiterbildung eingesetzt wird.

Die Gruppe, die zufällig nur aus Mädchen im Alter zwischen sieben und 14 Jahren bestand, erfuhr im Umgang mit dem Medium Fotografie etwas völlig Neues und Ungewohntes: Die Mädchen lernten, sich selbst zu sehen und zu erkennen. „Erstmals interessierte sich jemand wirklich für sie, erlebten sie Wertschätzung und Anerkennung“, erzählt die Fotografin und Sozialpädagogin. Es war ein langer Weg, Vertrauen aufzubauen. „Es ging zunächst darum, herauszufinden, wie die Mädchen fotografiert werden wollten“, erklärt Savolainen. So beschäftigte man sich mit den Jahreszeiten, der Umgebung, den Gefühlen, die im Bild ausgedrückt werden sollten. „Es kann Monate, manchmal Jahre dauern, bis ein Foto entsteht“, gesteht die Künstlerin, der es wichtig war, „mit dem Herzen sehen zu lernen“ und diese Perspektive zu vermitteln.

Die Mädchen empfanden das Fotografieren nicht als Rollenspiel. Im Gegenteil, im Heim mussten sie täglich ihre Rollen ausfüllen, bei den Fotoaufnahmen konnten sie ganz sie selbst sein.

Die ersten Fotos von sich fanden die Mädchen grauenvoll. Erst nach und nach entdeckten sie die Einzigartigkeit ihrer Persönlichkeit. „Jemand muss in den Augen eines anderen schön sein, um sich selbst schön zu finden“, erläutert Miina Savolainen. „Die Mädchen haben auch einander geholfen, sich selbst zu sehen.“

Das Ziel von empowering photography sind nicht die Bilder. Die Fotos sind Resultat eines Weges, der zur Heilung verletzter Seelen führt. So sind Bilder entstanden, die sowohl die Fragilität und Verwundbarkeit der Mädchen zeigen, die aus zerrütteten Familien kommen, als auch das Verlangen nach Glück, Freude und Frieden deutlich werden lassen.

Fast märchenhaft erscheinen die Fotografien, die viele Symbole enthalten. Miina Savolainen hat nicht hinterfragt, warum die Mädchen, mit denen sie meist allein zum Shooting fuhr, dieses oder jenes Motiv auswählten, sich beispielsweise kurzärmelig im Schneesturm abbilden lassen wollten. Aber sie hat über diese Therapie Heilungsprozesse eingeleitet. „Die Mädchen lernten dabei, sich auszudrücken und Ziele für sich zu formulieren“, sagt die Fotografin.

Hunderte analoge Fotografien sind so entstanden, die Mädchen entschieden, welche Bilder sie mochten. „Mitunter wechselten sie auch ihre Auswahl“, ergänzt Savolainen. Zu allen Portraitierten hat sie noch Kontakt, einige haben inzwischen eigene Familien.

Zur Ausstellung, die bis zum 19. Oktober zu sehen ist, liegt ein liebevoll und aufwändig gestaltetes Buch vor, dass man erwerben kann. „Während der Frankfurter Buchmesse bin ich selbst in der Ausstellung anwesend und beantworte gerne die Fragen der Besucher“, setzt Miina Savolainen hinzu.

JF

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