Auszeichnungen »Manche Buchhandlung ist fit – doch die beste ist der Schmid«. Bayerns Buchhandlung des Jahres in Schwabmünchen ausgezeichnet.

Mittwochabend in der vollen Stadthalle von Schwabmünchen, einer Stadt mit knapp 15.000 Einwohnern 25 km südwestlich von Augsburg: Die ganze Stadt feiert „ihren“ Buchhändler Hans Grünthaler, der 2012 die Buchhandlung Schmid übernommen hat, nachdem er dort 15 Jahre als Angestellter gearbeitet hatte. Zum zweiten Mal verlieh das Bayerische Kultusministerium die Auszeichnung Bayerns Buchhandlung des Jahres, die mit 7.500 Euro dotiert ist. Die unabhängige Jury bestand aus der Buchhändlerin Irmgard Clausen, dem ars vivendi-Verleger Norbert Treuheit, der Geschäftsführerin von Stadtkultur Netzwerk Bayerischer Städte e.V. Christine Fuchs, dem Geschäftsführer des Börsenverein Bayern Klaus Beckschulte und dem Branchenjournalisten Boris Langendorf.

Aufgelockert wurde der Festakt von Andreas Martin Hofmeir, Tubist und Kabarettist, durch heitere herrlich-depressive brasilianische Liebeslieder mit Gitarrenbegleitung, zu denen man im Holledauer Sitz-Samba mitschwingt. Hofmeir hielt auch die eigentliche Laudatio auf den Buchhändler; in wohlgesetzten Versen machte er klar, dass Hans Grünthaler seine Buchhandlung zum „Treffpunkt Kultur“ der Stadt gemacht hat – was sonst keiner tut, „weil es scheißviel Arbeit ist“.

Es ist auch eine Genugtuung zu erleben, wie – mit anderen Worten, versteht sich – der Bürgermeister Lorenz Müller sich für dieses Engagement bedankt und erklärt, warum bei ihm die Städtebaufördermittel des Landes in die Unterstützung der lokalen Einzelhandels-Struktur gehen. Die gängige Formal, dass 1 Euro Fördermittel 6 Euro private Investition nach sich ziehen, wird in Schwabmünchen mit 10 Euro weit übertroffen. Diese Stadt, deren gesamter Stadtrat anwesend ist, auch die Leiter aller ortsansässigen Schulen mit 3.000 Schülern, weiß, was sie an ihren Einzelhändlern hat. „Ich möchte Bücher sehen, stöbern und vor allem sehr gut beraten werden“, so Bürgermeister Müller.

Die Preisverleihung wurde vom Staatssekretär Bernd Sibler vorgenommen, der Buchhandlungen als „Magnete für die Innenstädte“ pries. Buchhändler stehen zwar nur auf Platz 15 in der Wertschätzungs-Rangliste der Berufe (übrigens vor Politikern und Bankern), aber es ist schon eine Auszeichnung, überhaupt auf dieser Liste zu erscheinen – so Boris Langendorf in seiner Würdigung.

In einem kurzen lockeren Gespräch auf der Bühne mit Hans Grünthaler machte Irmgard Clausen dem Publikum noch einmal deutlich, wie leistungsfähig der unabhängige Buchhandel ist: Niemand ist so schnell, denn mit Bestellschluss 17:25 Uhr ist jedes lieferbare Buch am nächsten Morgen um 10:00 in der Buchhandlung. Es tut gut und ist notwendig, dies und die glasklare Gültigkeit der Buchpreisbindung den Politikern und dem breiten Publikum immer wieder klarzumachen – gerade hier, wo im Nachbarort Graben ein großes Auslieferungszentrum von Amazon steht, das immer mal wieder bestreikt wird. Zum Schluss darf Hans Grünthaler sich was wünschen – von den Eltern: Nie aufhören vorzulesen; von den Lehrern: ihre Schüler für das Lesen zu begeistern.

Ulrich Störiko-Blume

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