Die Besten dieses Jahres: Für den Deutschen Hörbuchpreis 2013 sind nominiert …

Gut 300 Hörbücher von 80 Verlagen mussten in der elften Runde des Deutschen Hörbuchpreises begutachtet werden, und nun steht die Vorauswahl der besten Audioproduktionen des Jahres fest. Wie immer sind Überraschungen und Geheimtipps dabei.

Die Nominierungsjury (www.deutscher-hoerbuchpreis.de/die-jurys/die-nominierungsjury.html) hievte 21 Hörbücher in insgesamt sieben Kategorien aufs Siegertreppchen, wobei eine Kategorie gezielt auch die besten Verlage auszeichnet.

Beste Interpretin

Mechthild Großmann für „Der Zwerg reinigt den Kittel“ von Anita Augustin, Hörbuch Hamburg

„Mechthild Großmanns Nominierung spiegelt unsere Begeisterung über ihre Lesung wider. Von Anfang an stand fest, dass sie die Idealbesetzung für Anita Augustins Buch ist“, erzählt Christin Dwertmann, Programm-Managerin bei Hörbuch Hamburg. „Die Geschichte über Almut Block und ihre Freundinnen, die sich als frischgebackene Rentnerinnen in die ‚Entlagerstätte für senile Altlasten‘ und damit ins Altersheim begeben, passt einfach zu dieser großen Schauspielerin. Der Text ist geistreich, witzig, melancholisch, sarkastisch, wütend – und Mechthild Großmann transportiert all diese Facetten spielend leicht mit ihrer tiefen, unverwechselbaren Stimme. Es ist ein Vergnügen, ihr zuzuhören!“

Jessica Schwarz für „Herzenstimmen“ von Jan-Philipp Sendker, Random House Audio

„Herzenstimmen“ ist die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst. Eine Reise zwischen dem materialistischen Westen und spirituellen Asien. „Und Jessicas Schwarz‘ Stimme nimmt uns mit auf diese Reise“, schwärmt Sabine Buss, Programmleiterin bei Random House Audio, „und sie schafft ein Wunder: Ihre Stimme ist eigentlich warm, dunkel und gefühlvoll, aber sie driftet nie ab in Kitsch oder Pathos, sondern bleibt erdig nah an Realität und Nüchternheit. So hört man die Zerrissenheit der Hauptfigur – und ganz deutlich auch die Momente, wenn sich alles zum Richtigen fügt.“

Dagmar Manzel für „August“ von Christa Wolf, Der Audio Verlag

„Die Nominierung von Dagmar Manzel ist mir eine ganz besondere Freude“, sagt Katja Krause, Programmleiterin des DAV. „Sie liest die letzte Erzählung von Christa Wolf sensibel, zurückhaltend in den Mitteln und entwickelt gerade dadurch eine ganz besondere, leise Präsenz. Sie hat die Größe, ganz dem Stoff zu dienen, sich zurückzunehmen, um dem Text eine Bühne zu bereiten. Letztes Jahr schon war sie in dieser Kategorie nominiert, und natürlich hoffe ich sehr, dass sie für ihre überragende Leistung diesmal den Preis heimtragen darf.“

Bester Interpret

Robert Stadlober für „Pampa Blues“ von Rolf Lappert, Silberfisch (Hörbuch Hamburg)

Die Jury meint: „Robert Stadlober ist auf überzeugend unbefangene Weise identisch mit dem Text. Pausen, Modulation sowie behutsam gestaltete Emotionen prägen seinen Vortrag, der ohne falsche Sentimentalität auskommt. Bei aller Direktheit des Tons spürt der Hörer immer auch Zuneigung und die narrative Lust des Sprechers, diese Geschichte zu beleben, der er sich aus einer reizvollen ironischen Distanz nähert.“

„Es ist immer wieder ein wahnsinniges Erlebnis, wenn Text und Sprecher zu einer Einheit werden“, ergänzt Dörte Brunotte, Programmleitung Silberfisch. „Deshalb freuen wir uns riesig, dass wir gleich mit dem ersten Jugendhörbuch von Rolf Lappert nominiert sind. Es ist, als ob Robert Stadlober das Pampa-Blues-Feeling des Romans selbst in sich trägt.“

Armin Rohde für „Die Räuber-Hotzenplotz-Edition“ von Otfried Preußler, Der Audio Verlag

„Die Nominierung von Armin Rohde als bester Interpret hat im Kinderlektorat für Begeisterungsstürme gesorgt“, erzählt Kristin Avemark, Programmleitung Kinder- und Jugendprogramm des DAV. „Nicht nur, weil seine Glanzleistung in einer heiß umkämpften Kategorie berücksichtigt wurde, sondern auch, weil es ein großartiges und leicht verspätetes Geburtstagsgeschenk für den in diesem Jahr 50 gewordenen Räuber Hotzenplotz ist. Wir hoffen, dass die Feier im kommenden Jahr, zur Bekanntgabe der Gewinner, weitergehen wird! Denn Armin Rohdes beispiellose Interpretation des Kinderklassikers hätte es rundum verdient: Es ist ein wahre Freude, seiner Version des grummelnden und knarzigen Räubers zu lauschen.“

Gustav Peter Wöhler für „Vielen Dank für das Leben“ von Sibylle Berg, Hörbuch Hamburg

Die Jury sagt: „Gustav Peter Wöhler nimmt sich selbst wohltuend zurück zugunsten der androgynen Vielstimmigkeit eines sperrigen, für die Hörbuchfassung gut lektorierten Textes. Unaufgeregt, lakonisch und ohne Schrulligkeit gelingt die Verwandlung zur Frau in einer Art und Weise, die gleichermaßen überzeugend und überraschend ist. Die Musikalität seines Vortrags verleiht dem Text eine zusätzliche Dimension.“

„Dass Gustav Peter Wöhler Kandidat für den besten Interpreten ist, wundert mich ehrlich gesagt überhaupt nicht“, gibt Verlagschef Johannes Stricker zu. „Selten habe ich ein so treffliches Zusammenspiel von Text und Stimme gehört. Wie er diesen so traurigen Text fast singt, ist einfach anrührend!“

Bestes Hörspiel

„Ulysses“ nach James Joyce, Der Hörverlag

Jurybegründung: „Die speziell für das Medium Radio geschaffene Adaption ermöglicht den Zugang zu einem Roman, der vielen als unlesbar erscheint. Ohne zu stark zu vereinfachen, wird Weltliteratur hier für jeden hörbar gemacht. Ein erstklassiges, gut geführtes Ensemble und der wohldosierte Einsatz akustischer Mittel kennzeichnen die sorgfältige Inszenierung, die ‚ohne Lametta‘ auskommt und doch Sinnlichkeit und Lebensfülle vermittelt.“

Hörverlag-Pressesprecherin Heike Völker-Sieber beschreibt die Minuten nach der Benachrichtigung über die Nominierung: „Kein ausgelassener irischer Riverdance in der Lindwurmstraße, vielmehr tiefer Stolz und stille Freude im ganzen Team. Und natürlich gab es – ebenfalls ganz unirisch – zwei Flaschen Sekt.“

„Im Feuer. SANDOW feat. Alexander Scheer“ von Kai-Uwe Kohlschmidt, Major Label

Die Jury meint begeistert: „Nicht nur Feuer, ein akustisches Inferno bietet dieses Hörspiel, das mit einer phänomenalen Klangregie die Grenzen des Möglichen auslotet. Direkt, unmittelbar und schutzlos präsentiert es eine Geschichte, die anders als in dieser Umsetzung gar nicht denkbar wäre. Die Subkultur mit ihren politischen Aspekten wird auch dank der Live-Anmutung des Hörspiels zur greifbar vermittelten Zeitgeschichte.“

Zu der Nominierung sagt Autor Kai-Uwe Kohlschmidt: „Meine erste Reaktion darauf war ein
Gefühl der Dankbarkeit gegenüber meiner Band, deren Geschichte das Hörspiel erzählt, und meinem Team gegenüber, welches das Skript mit so viel Herzblut in Szene gesetzt hat. Es ist ein wildes, leidenschaftliches Kaleidoskop im Bemühen um Autarkie und Wahrhaftigkeit an den Grenzen der geschichtlicher Brüche jenseits der üblichen Verklärungen und Klischees. Gelebter Untergrund und schrille Bohème. Dass all dies den Preis verdient, erscheint dem Macher naheliegend – ob dies eine Mehrheit in der Jury teilt, ich täte es mir natürlich wünschen.“

„Übernacht“ von Johanna Steiner, Lauscherlounge

„Wir haben alle kurz mal durchgeatmet und uns dann synchron riesig gefreut“, erzählt Annika Metze, Marketingleiterin der Lauscherlounge, von der Nachricht durch den Verein Deutscher Hörbuchpreis. „Als kleiner, unabhängiger Hörspielverlag setzen wir alles daran, besondere Stoffe auf eine ebenso besondere Art und Weise umzusetzen. Im Fall von ‚übernacht‘ hieß das, völlig auf Action zu verzichten. Keine Waffen, kein Verbrechen, keine Aliens oder Grusel – nur normale Menschen in einer Silvesternacht in Berlin. Johanna Steiners Skript und Regie ist es zu verdanken, dass man tatsächlich das Gefühl hat, für gut eine Stunde mittendrin zu sein im normalen Leben dreier Menschen. Auch Julia Hummer, Fritzi Haberlandt und Tom Schilling sowie Sänger Olli Schulz zaubern auf dieser CD, was das Zeug hält. Und wie schön ist es dann, wenn man mit einer solch tollen Nominierung belohnt wird!“

Die sei mehr als gerechtfertigt, so die Jury: „Der Original-Hörspieltext von Johanna Steiner überzeugt mit emotional spannenden Situationen und dichter Atmosphäre. In ungekünstelter, natürlicher Sprache sind die Stimmen eins mit der Figur, die sie vertreten: Sie bieten einander nicht Texte an, sondern reden wirklich miteinander. Eine erfrischend junge Produktion, die durch Leidenschaft und eine ständige sinnliche Anspannung fesselt.“

Bestes Kinderhörbuch

„Fennymores Reise oder Wie man Dackel im Salzmantel macht“ von Kirsten Reinhardt, Der Audio Verlag

„Dass das Hörbuch nominiert wurde, freut mich ganz besonders. Schon als wir die ersten Seiten des Buches gelesen haben, wussten wir, dass der bunte und ideenreiche Text ‚verhörspielt‘ werden muss, und waren umso glücklicher, als der WDR sich zur Produktion entschlossen hat“, erzählt Kristin Avemark, Programmleitung Kinder- und Jugendprogramm des DAV. „Das Hörspiel ist herrlich skurril und begeistert Kinder und Erwachsene. Die hervorragenden Sprecher – vor allem Matthias Brandt als ruhiger Erzähler in dieser turbulenten Geschichte – und die stimmungsvolle Inszenierung machen ‚Fennymores Reise‘ zu einem Hörspielerlebnis der besonderen Art.“

„Zorgamazoo“ von Robert Paul Weston, Silberfisch (Hörbuch Hamburg)

„Was für das ganze Genre Hörbuch gilt – dass gesprochene Sprache immer auch Musik ist –, das wird bei diesem Kinderhörbuch in Reimen so deutlich wie selten“, meint Silberfisch-Programmleiterin Dörte Brunotte. „Deshalb freuen wir uns ganz besonders über die Nominierung! Zumal ‚Zorgamazoo‘ ein absolutes Herzensprojekt des Kinderlektorats ist. Und im wahrsten Sinne des Wortes ein Gedicht für die Ohren.“

Genauso sieht es die Jury: „Fantasievoll, lebendig, rasant – dieses Hörbuch weckt auf humorvolle Weise den Spaß an Reimen. Es wird getragen durch einen bezwingenden Rhythmus und besticht durch eine dunkel glitzernde Ästhetik, die sogar im Cover zum Ausdruck kommt. Der fantastische Vortrag durch Martin Baltscheit trägt zur Wiederbelebung einer fast ausgestorbenen Kunstform bei.“

„Geisterritter – Das Hörspiel“ von Cornelia Funke, Oetinger audio

„Den Hörer zieht es förmlich hinein in Cornelia Funkes Geschichte, die vom ersten Augenblick an einen starken Sog entfaltet“, urteilt die Jury. „Dank eines einfallsreichen Sounddesigns der Hörspielfassung werden die Eindrücke wesentlich von der Musik hervorgerufen. Die exzellent besetzte Hauptrolle und der wohltuende Ernst, mit dem der Grusel erzählt wird, zeichnen die Produktion aus.“

Mit einem Augenzwinkern hebt Markus Langer, Verlagsleiter Oetinger Media, in seinem Statement zwei Wörter hervor: „Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes total beGEISTERt, dass wir wieder für den wichtigsten Preis unserer Branche nominiert sind, und werden die Entscheidung der Preisjury in jedem Falle RITTERlich annehmen.“

Bestes Sachhörbuch

„1913. Der Sommer des Jahrhunderts“ von Florian Illies, Der Audio Verlag

„Florian Illies’ Buch ist ein großer Wurf. Es zieht Linien zwischen Geschichte, Menschenschicksalen und großen künstlerischen Hervorbringungen – und das auf eine so bezaubernd leichte Art, dass man jede Menge lernt, ohne sich je belehrt zu fühlen“, schwärmt DAV-Programmleiterin Katja Krause. „Stefan Schad gelingt es wunderbar, das Virile, Sprunghafte, Unerwartete der Vorlage stimmlich abzubilden. Man hört gebannt zu und versteht, was gute Literatur, auch fiktionaler Art, zu erzählen vermag: dass alles mit allem verbunden ist.“

„Der heilige Pillendreher. Ein elektroakustisches Hörbuch“ von Jean-Henri Fabre, Buchfunk

„Der Anruf aus Köln kam an meinem Geburtstag, die Nominierung für den Deutschen Hörbuchpreis war mein schönstes Geschenk“, freut sich David Fischbach vom Verlag Buchfunk, der die Idee zu diesem außergewöhnlichen Hörbuch hatte. Um Eigenlob zu vermeiden, verweist er auf die Rezension des „Tagesspiegel“: „Kann man aus so etwas überhaupt ein Hörbuch machen? Heiliger Skarabäus: und was für eines! Verglichen mit dem, was mir hier sonst so alles zu Ohren kommt, setzt ‚Der heilige Pillendreher‘ Maßstäbe. Und mit Gert Heidenreich, einem unserer differenziertesten Sprecher, hat man die Idealbesetzung gefunden.“

Erwähnt sei eine weitere Rezension, die sich mit der Jurybegründung deckt. Die Sendung „Passagen“ auf WDR 3 lobte die elektroakustische Musik: „Die geräuschhaften, elektronischen Kompositionen von Robert Rehnig wirken nie naturalistisch, sondern so fremdartig wie diese Käferwelt. Hier wird nicht akustisch illustriert, sondern die Wahrnehmung geschärft, als habe man das Ohr an der rollenden Pille. Die Ereignisse des Schabens, Grabens, Rollens und Kriechens erscheinen wie in akustischer Großaufnahme.“

„Prima la Donna. Operndiven in Ton und Wort“ von Thomas Voigt, Ars Produktion

„Ein liebevoller Umgang mit den Operndiven prägt diese Produktion, die selbst Opernfeinde für das Thema zu gewinnen weiß“, meint die Jury. „Skurril und komisch, ohne dass die Diven der Lächerlichkeit preisgegeben würden, wird ein nostalgischer Blick in eine fremde Welt geworfen. Ein akustisch dicht gestaltetes Feature auf der Höhe der Zeit.“

Beste verlegerische Leistung

Der Hörverlag für „Erzählerstimmen. Die Bibliothek der Autoren“, herausgegeben von Christiane Collorio, Michael Krüger und Hans Sarkowicz

Die Begeisterung der Jury ist unüberhörbar: „Als ‚Literaturlexikon für die Ohren‘ ist diese Sammlung eine beeindruckende editorische Meisterleistung, angefangen von der aufwändigen Archivrecherche über die Auswahl der Stimmen bis hin zur liebevoll gestalteten Aufmachung. Die Edition vermeidet jede akademische Angestrengtheit und wartet mit vielen Überraschungsmomenten auf. So wird Literatur erlebbar, ohne ihr einen Denkmalcharakter zu verleihen.“

„’Erzählerstimmen‘ wie auch ‚Ulysses‘ sind beide im wahrsten Sinn des Wortes akustische Schwergewichte. Beide hätten ohne eine gewaltige Portion Verrücktheit und Risikofreude nie realisiert werden können – alleine das ist schon eine Belohnung wert“, stellt Hörverlag-Pressesprecherin Heike Völker-Sieber fest. „Die beteiligten Künstler, Kolleginnen und Kollegen in den Sendern und im Hörverlag haben sich teils über Jahre intensiv mit diesen Projekten beschäftigt, alle Herausforderungen angenommen und gemeistert. Diese ‚Möglichmacher‘ haben es verdient, dass die einzigartigen Resultate ihrer Arbeit gewürdigt werden, dass noch oft und lange über sie gesprochen und geschrieben wird.“

mairisch Verlag für „Pressplay 3. Die Anthologie der freien Hörspielszene“, hg. von Claes Neuefeind

„Die Nachricht, dass wir mit ‚pressplay 3‘ nominiert sind, hat uns umgehauen“, so Verlagschef Daniel Beskos. „Ganz besonders freuen wir uns für die beteiligten Hörspielmacher, ohne deren Beiträge die ‚pressplay‘-Reihe gar nicht möglich wäre. Eine Auszeichnung wäre deshalb vor allem auch ein großer Erfolg für die sehr lebendige, aber oftmals viel zu wenig wahrgenommene Szene der unabhängig produzierenden Hörspielmacher, denen die Reihe eine Plattform bieten will.“

Das sieht auch die Jury so: „Der dritte Teil der Anthologie ist – wie schon seine Vorgänger von 2006 und 2008 – eine verdienstvolle Leistung des Herausgebers Claes Neuefeind sowie des Verlags. Der freien Szene mit ihren ungebundenen und experimentellen Werken Gehör zu verschaffen, stellt eine erfreuliche Bereicherung für die Branche dar. Die Edition schafft ein wichtiges Forum für junge Autoren und verhilft nicht wenigen dieser Stücke zum Sprung ins Radio und zu einem großen Publikum.“

Hörbuch Hamburg für „Die Erinnerungen sehen mich“ von Tomas Tranströmer

„Die Auszeichnung für Michael Krüger freut mich sehr“, so Johannes Stricker, Geschäftsführer von Hörbuch Hamburg. „Denn sein Einsatz für das Hörbuch von Tomas Tranströmer ist ja nicht sein erster für das Medium. Auch an der Entstehung des zweiten nominierten Titels – ‚Erzählerstimmen‘ – war er involviert, und er macht sich bei vielen anderen Projekten für seine Autoren auch vor dem Mikrofon stark. Zudem freut mich an der Nominierung, dass es offensichtlich nicht unbedingt eine große, monumentale Edition sein muss, um von der Jury gewürdigt zu werden, sondern auch diese kleinen, mit viel Herzblut realisierten Projekte Chancen auf eine Auszeichnung haben.“

Das besondere Hörbuch / Beste Unterhaltung

„Die Känguru-Chroniken. Live und ungekürzt“ von Marc-Uwe Kling, Hörbuch Hamburg

Marie Spengler, Lektorin bei Hörbuch Hamburg, freut sich sehr über die Nominierung: „Marc-Uwe Kling steht für intelligenten Humor und Sprachwitz, und das kombiniert er einfach unschlagbar gut.“

Ins Detail geht die Jury: „Der Autor überzeugt als Interpret seiner selbst ebenso wie in der tierischen Rolle, hier mit einem erfrischend unniedlichen Exemplar besetzt. Die Begeisterung des Publikums überträgt sich hörbar auf den Kabarettisten, was dem Mitschnitt eine besondere Qualität verleiht: Er ist mehr als nur das Dokument einer Veranstaltung. Unterhaltsam und zudem unverwechselbar werden die pointierten Kurz-Szenen präsentiert.“

„Er ist wieder da“ von Timur Vermes, Lübbe Audio

„Darf man über Adolf Hitler lachen? Ja. Darf man aber auch mit ihm lachen? Seit diesem Hörbuch auf jeden Fall“, sagt Kerstin Kaiser von Lübbe Audio und schließt sich der Jury an: „Der im Berlin im Jahr 2011 erwachte Adolf Hitler sieht die heutige Gesellschaft mit seinen Augen und seiner Erfahrungswelt und führt somit komische und zugleich ehrliche, aber erschreckende Schwachstellen auf. Die hingebungsvolle und real-komödiantische Interpretation Christoph Maria Herbsts zieht den Hörer in den Blickwinkel Hitlers hinein, dem er sich nach wenigen Minuten nicht mehr entziehen kann. Das ist ein Hörbuch, das man mit viel Freude in Endlosschleife hören kann. Besser kann man nicht unterhalten werden!“

„Die unerhörten Abenteuer von Sheldon & Mrs. Levine“ von Sam Bobrick und Julie Stein, Christoph Merian Verlag

Jurybegründung: „Trotz der ins Absurde gesteigerten Figurenzeichnung werden die Charaktere Mutter und Sohn von den beiden hervorragenden Interpreten glaubhaft verkörpert. Der überraschende Plot, der nicht offensiv auf die Pointen zusteuert, driftet niemals ins Groteske ab. Das Stück beeindruckt als reines Sprechtheater, dessen unterschwellige Komik sich langsam, aber gewaltig entwickelt.“

„Die Nominierung für ein Hörbuch aus unserem Verlag freut uns riesig, und wir hoffen natürlich sehr, dass wir im vierten Anlauf dieses Mal einen Preis gewinnen“, so Oliver Bolanz vom Christoph Merian Verlag. „Das tragisch-komische Hörspiel ist auf jeden Fall eine Entdeckung wert und beste intelligente Unterhaltung. Nicht zuletzt dank der großartigen Sprecher Dinah Hinz und Klaus Brömmelmeier wird diese Schauerkomödie in Briefform zu einem echten Hörvergnügen, welche einige Überraschungen bietet.“

Wie geht es weiter?

Für Buchhändler lautet die Antwort: Unbedingt einen Aktionstisch zusammenstellen! Die Nominierungen für den Deutschen Hörbuchpreis sind eine breit gemischte Empfehlungsliste und sollten jeden Geschmack bedienen – nicht nur von Hörbuch-Interessierten, sondern allgemein von Literaturliebhabern, die das Besondere suchen.

Die Antwort für das weitere Prozedere: Abgesehen von den Kinderhörbüchern, aus denen die Kinderjury des Hörbuchpreis-Partners DIE ZEIT den Sieger ermittelt, werden aktuell die nominierten Titel von der Preisträgerjury (http://www.deutscher-hoerbuchpreis.de/die-jury/die-preistraegerjury.html) auf Herz und Nieren getestet – im Januar folgt die Entscheidung über die Gewinner.

Feierlich gekürt werden die Gewinner am 6. März während der Gala zum Deutschen Hörbuchpreis, die gleichzeitig als Auftaktveranstaltung der lit.COLOGNE fungiert. Übertragen wird die Gala live im Radio ab 20.05 Uhr über die Sender WDR5, hr2-kultur, NDR Kultur und SWR2. Und wer den Abend nicht nur akustisch verfolgen möchte, sollte den Videorekorder programmieren: Erneut sendet 3sat die Aufzeichnung im TV, allerdings auch leider wieder sehr versteckt in der Nacht vom 9. auf den 10. März um 0.45 Uhr.

rw

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