Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Dezember 2016

Der Dezember ist auch in der Literaturblogger-Szene die Zeit der Jahresrückblicke. Eine schöne Gelegenheit, beim Stromern durch die Beiträge das Literaturjahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Gut gefallen haben mir die Rückblicke von Jochen Kienbaum auf lustauflesen.de, von Friederike Kipar auf Die Buchbloggerin, von Simone Dalbert auf Papiergeflüster, von Tilman Winterling auf 54Books, von Mara Giese auf Buzzaldrins Bücher oder von Mareike Fallwickl auf Bücherwurmloch. Zahlreiche Leseeindrücke unterschiedlichster Art sind in diesen beispielhaft erwähnten Rückblick-Beiträgen versammelt. Lesenswert auch der Beitrag von Katharina Herrmann auf Kulturgeschwätz, in dem sie sich mit ein paar seltsamen Entwicklungen im Literaturbetrieb des vergangenen Jahres beschäftigt.

Kalkowski
Der Kaffeehaussitzer in seiner natürlichen Umgebung Foto: © Vera Prinz

Im Dezember war es soweit: Vom Blog Das Debüt wurde erstmals der Bloggerpreis für den besten Debütroman 2016 verliehen. Eine mit 21 Literaturbloggern besetzte Jury hat den Preis an Shida Bazyar für ihren Roman „Nachts ist es leise in Teheran“ vergeben. Eine wohlverdiente Auszeichnung für ein großartiges Buch.

Auf Instagram scheint es einen neuen Trend zu geben: Bücher anzuzünden und die brennenden Bücher dann zu photographieren. Anabelle Stehl hat auf ihrem Blog Stehlblüten deutliche Worte zu diesem unsäglichen Gebaren gefunden.

Im Blog Ist das Literatur hat sich Leonhard Landes vorgenommen, durch Veränderung seiner Lesegewohnheiten die eigene Filterblase aufzubrechen. Ein guter Ansatz, bedenkens- und nachahmenswert. Passend dazu: Wie es sich anfühlt, nirgends dazuzugehören, überall unerwünscht zu sein und dabei langsam, aber unaufhaltsam den Weg der Radikalisierung einzuschlagen – das hat Fikry El Azzouzi in seinem Roman „Wir da draußen“ auf bedrückende Art realistisch dargestellt. Auf Kaffeehaussitzer wurde das Buch vorgestellt.

Kein Monatsrückblick ohne einen Text zum Thema Blogger, Literaturkritik und ihr Verhältnis zu Verlagen. Im Blog Begleitschreiben schreibt Gregor Keuschnig unter dem Titel „Blogger sind keine Marketingpuppen“ darüber.

„Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante war wohl eines der Highlights im diesjährigen Weihnachtsgeschäft. In vielen Blogs wurde über das Buch berichtet, den Beitrag von Constanze Matthes in ihrem Blog Zeichen & Zeiten fand ich besonders gelungen.

Im Blog Leckere Kekse wurde eine neue Rubrik eingeführt: Der Krimicheck. Da es meist nicht einfach ist, einen Krimi vorzustellen, ohne zuviel  zu verraten, gibt es mit dieser Checkliste einen kurzen und knappen Leseeindruck. Als Krimileser finde ich die Idee gut und bin gespannt, wie sich das entwickelt. Das erste auf diese Weise vorgestellte Buch war Melanie Raabe„Die Wahrheit“.

Eine spannende Entdeckung habe ich Karla Paul zu verdanken, die im Thalia Magazin „Stories“ den Blogger Michael Sommer vorgestellt hat, der mit Hilfe von Playmobil-Figuren auf seinem Videokanal Sommers Weltliteratur to go Werke der Literaturgeschichte in kurzen Clips nachspielt. Wieder eine Art und Weise mehr, sich der Literatur zu nähern. Und sehr gelungen.

Und zum Schluss die Apokalypse. Der Text aus dem Johannesevangelium ist als eigenständige Ausgabe in einem Prachtband aus dem Manesse-Verlag erschienen. Neu aus dem Altgriechischen übersetzt wurde er von dem Schweizer Altphilologen Kurt Steinmann. Im Blog lustauflesen.de gibt es ein lesenswertes Interview mit ihm, in dem er über die Stellung dieses Buches in der Literatur spricht und aus dem Übersetzer-Nähkästchen plaudert.

In der Hoffnung, dass die echte Apokalypse aber doch noch etwas auf sich warten lässt wünsche ich uns allen ein friedliches, glückliches und erfolgreiches neues Jahr 2017.

 

Uwe Kalkowski ist seit vielen Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler in großen und winzigen Buchhandlungen, als Student der Verlagswirtschaft in Leipzig und als Marketingmensch in verschiedenen Fachverlagen; seit 2009 ist er Marketingleiter des RWS Verlags in Köln. Als Kaffeehaussitzer bloggt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse. In der Kolumne Kaffeehaussitzers Netzrückblick gibt er hier auf buchmarkt.de regelmäßig eine Übersicht über lesenswerte Fundstücke aus den Literaturblogs. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

Kommentare (2)
  1. Sehr interessant! Aber bitte das ‚h‘ aus Gebaren streichen. Das tut weh und stört die Konzentration beim Weiterlesen ;)

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