Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – März 2017

Kalkowski
Der Kaffeehaussitzer in seiner natürlichen Umgebung Foto: © Vera Prinz

Leipziger Buchmesse, Blogbuster-Longlist oder die Neuerscheinung eines Buches mit Beiträgen von 40 Literaturbloggern: Der März war ein Monat voller spannender und vielseitiger Ereignisse in der Buchbloggerszene.

Beginnen wir mit einer Buchvorstellung: Blogger Sandro Abbate hatte letztes Jahr auf seinem Blog novelero unter der Überschrift „Warum ich lese“ geschildert, wie er zum Leser wurde und was dies für ihn bedeutet. Zahlreiche andere Literaturblogger haben dieses Thema aufgenommen – jetzt hat der homunculus Verlag 40 dieser Beiträge als Anthologie mit Sandro Abbate als Herausgeber veröffentlicht. Und als Kooperationspartner gleich noch die Stiftung Lesen dazu gewonnen, die daraus die Kampagne „Wege zum Lesen“ machen wird.

Beim Blogbusterpreis ist es eine Runde weitergegangen. Für den Preis der Literaturblogger liegt nun die Longlist mit 14 eingereichten Manuskripten vor. Der Blog Literatur-O-Meter gibt einen Überblick über die Longlisttitel und verlinkt auf die entsprechenden Blogbeiträge der am Preis beteiligten Blogs. Außerdem gibt es auf der Blogbuster-Homepage ein kostenloses eBook mit Leseproben aller Titel der Longlist. Am 11. April erfolgt die Bekanntgabe der Shortlist und am 4. Mai 2017 wird im Hamburger Literaturhaus die Siegerin oder der Sieger gekürt.

Netzwerken, sich kennenlernen, feiern: Die Leipziger Buchmesse war das Frühjahrshighlight für die Buchbloggerszene. Von den zahlreichen persönlichen Messeberichten und -rückblicken habe ich vier lesens- bzw. sehenswerte Beiträge herausgepickt: Die nüchterne, aber wie gewohnt treffsichere Variante im Blog AISTHESIS und die schöne Variante im Blog – klar – Schöne Seiten, wo es nicht nur Bilder von der Messe, sondern vor allem von Leipzig zu sehen gibt. Bilder, die exakt den Charme dieser wunderbaren Stadt einfangen. Bloggerin Mara Giese war dieses Jahr offizielle Kooperationspartnerin des Blauen Sofas und hat die dortigen Veranstaltungen auf ihrem Blog Buzzaldrins Bücher begleitet. Besonders gut gefallen hat mir dabei der Beitrag „Auf eine Zigarette mit Feridun Zaimoglu“. Und wer einmal generell wissen möchte, was Blogger eigentlich so auf Buchmessen machen, dem sei das Blogger-Logbuch im Blog Fräulein Julia empfohlen.

Tania Folaji bedauert in ihrem Blog Elektro vs. Print, dass sie viele der interessanten Bücher, die sie in Leipzig gesehen hat, wohl im stationären Buchhandel nie finden wird.

Marina Büttner hat sich das Gastland der Leipziger Buchmesse einmal genauer angesehen und in ihrem Blog literaturleuchtet einen wunderbaren Beitrag darüber geschrieben: „Poesie als Sprache der Freiheit – Lyrik aus Litauen“.

Die Blogger Thomas Brasch und Stefanie Leo haben gezeigt, wie man gegenteiliger Meinung sein, darüber diskutieren und dabei diejenige des anderen achten kann. Anlass war der Beitrag „Wozu braucht es Verisse“ auf brasch & buch, den Stefanie Leo in ihrem Blog Lesen Leben Lachen beantwortete – was wiederum ausführlich von Thomas Brasch kommentiert wurde. Es macht Spaß, die unterschiedlichen Standpunkte der beiden kennenzulernen.

Im Blog crimenoir gibt es eine im wahrsten Sinne des Wortes spannende Übersicht, welche Krimis man 2017 lesen sollte – davon werden wohl einige in meinem Bücherregal landen.

Und endlich komme ich einmal dazu, DEN Sachbuchblog überhaupt vorzustellen, nämlich Petra Wiemanns Blog Elementares Lesen. Sie bespricht dort das Buch „Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen“ von Yuval Noah Harari, ein  Werk, das zugleich fasziniert und beunruhigt.

Während alle über Martin Luther reden, nimmt sich Wolfgang Krisai alias buchwolf das Leben des Erasmus von Rotterdam vor – mit ausführlicher Literaturliste. Das Besondere übrigens an diesem Blog: Jeder Beitrag ist mit einer vom Blogger eigens dafür gestalteten Zeichnung illustriert. Ein Besuch lohnt sich.

Auf dem Hemator’s Blog habe ich eine interessante Beitragsreihe entdeckt, die sich kenntnisreich mit der Geschichte des amerikanischen Comics beschäftigt. Im März ist der fünfte Teil der Reihe erschienen.

Interessante Standpunkte: Die Journalistin Stephanie Jaeckel beschreibt in ihrem Blog klunkerdesalltags, was es für sie bedeutet, ein Buch zu rezensieren. Bloggerin Karin Lipski geht auf little words der Frage nach, warum sich Leser durch negative Kritiken zu Büchern, die sie mochten, oft persönlich angegriffen fühlen.

Zum Schluss noch ein paar Reisenotizen. Who is Kafka-Bloggerin Saskia Weyel war – passenderweise – in Prag und schreibt so anschaulich über ihre Literaturreise, dass man sich sofort auf den Weg in die Stadt an der Moldau machen möchte. Ihr Text hat mir zudem meine Kafka-extrem-Woche zurück ins Gedächtnis gerufen, die ich dort vor etlichen Jahren verbracht habe. Isabella Caldart war in Mexiko-Stadt auf den Spuren der Beat-Generation unterwegs und schreibt in ihrem Blog novellieren darüber. Und der Kaffeehaussitzer hat in München den Liebeskind Verlag besucht.

Nun bleibt mir nur noch, viel Spaß beim Schmökern und einen guten Start in den April zu wünschen.

 

Uwe Kalkowski ist seit vielen Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler in großen und winzigen Buchhandlungen, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Marketingmensch in verschiedenen Fachverlagen; seit 2009 ist er Marketingleiter des RWS Verlags in Köln. Als Kaffeehaussitzer bloggt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse. In der Kolumne Kaffeehaussitzers Netzrückblick gibt er hier auf buchmarkt.de regelmäßig eine Übersicht über lesenswerte Fundstücke aus den Literaturblogs. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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