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Veranstaltungen 13.06.2013 14:32

Evangelische Medientage: Jetzt geht es um individuelle Strategien

Veranstaltungen - Wolfgang Riewe eröffnete...
Wolfgang Riewe eröffnete...
Als Wolfgang Riewe (Evangelisches Medienhaus Bielefeld) seine Begrüßungsrede bei den Evangelischen Medientagen 2013 beendet hatte, war das die letzte in seiner Funktion als Vorsitzender des EMVD. Riewe geht nämlich noch in diesem Jahr in den Ruhestand und gibt auch den Vorsitz im EMVD ab. Nicht von Rührung war sie geprägt, sondern von guter Stimmung. Noch kurz vor Ende seiner Amtszeit sind für ihn einige Wünsche in Erfüllung gegangen, wie er sagte.

Am ersten Tag der zweitägigen Zusammenkunft evangelischer Medienschaffender, die die beiden Verbände Evangelischer Medienverband Deutschlands (EMVD) und die Vereinigung evangelischer Buchhändler und Verleger (VEB ) wieder gemeinsam gestalteten, freute Riewe sich über Fortschritte für mehr Kooperation der evangelischen Presse und über Anzeichen darüber, dass Inhalte auch im Netz wieder Käufer finden.

Konkret nannte er die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages der evangelischen Kirchenzeitungen, in dem sie sich in Zukunft zu Kooperation verpflichten und die für heute anstand. Zu erwarten ist, dass sich dieser auch auf die Buchverlage in den kirchlichen Medienhäusern auswirkt, die oft eng an die Zeitungen angelehnt sind. "Wir sehen uns nicht mehr als Konkurrenten, sondern im letzten Jahr sind viele Kooperationen entstanden, die positiv in die Zukunft blicken lassen", sagte er.

Als positives Signal wertete er auch den Start von Bild Plus einen Tag zuvor, eine Online-Plattform des Axel Springer Verlags, für deren Zugang Leser in Zukunft bezahlen müssen. "Es ist gut, dass jetzt die Springer Medien vorangehen und digitale Medien kostenpflichtig machen", sagt er und verband die Hoffnung damit, dass im Netz zukünftig für Qualitätsjournalismus Einnahmen generiert werden könnten.

Um genau diese Fragen, woher künftig für die Erstellung von gut recherchierten Inhalten das Geld herkommen soll, ging es dann auch in Vorträgen auf Medientagen, die unter dem Motto "Lauter Revolutionen" standen.

Prof. Dr. Lars Harden, Geschäftsführer aserto, zeigte vier Trends in der Medienbranche auf, die er griffig in Thesen packen konnte und für die er spannende Beispiele fand (ließ aber wie er selbst anmerkte das weite Feld des Megatrends von Social Media erst mal aus, "weil das niemand mehr hören kann"): "1. Print setzt auf Haptik und Optik. 2. Medieninnovationen haben das Vergnügen der Nutzer im Blick. 3. Medienunternehmen sind zu selten Innovationstreiber. 4. Medienunternehmen machen keine Medien mehr, Wirtschaftsunternehmen machen Medien."

In drei anschließenden Workshops gaben Katja Spilchal von PaperC mit jugendlicher Verve Einblicke in Direktmarketing, E-Business und Abomodelle, der Berater, Journalist und Blogger Christian Jakubetz stellte Ideen für den Crossmedialen Workflow und Redaktionsorganisation vor und Buchhandelsberaterin Ellen Braun zeigte Strategien für den Handel vor Ort auf: "Kauf bei mir – ich bin von hier" hatte sie ihr Thema genannt, eine charmante Umschreibung für Buy local.

"Was nicht funktioniert sind Rezepte", enttäuschte sie gleich zu Beginn, Buchhändler müssen sich auf den Weg machen, ihre persönliche Strategie für den Handel vor Ort zu finden, lautet ihre Botschaft und sie machte Mut: "Das Schreckgespenst Amazon blockiert, wenn man nur auf diesen Wettbewerber schaut, es geht darum positiv Nischen zu suchen, was passt und was kann ich mit den Mitarbeitern bewegen?" Dabei können Mitbewerber je nach Sortiment inzwischen auch das Cafe nebenan oder der Blumenladen um die Ecke sein. "Es geht darum, die größtmögliche Schnittmenge zwischen eigenem Können und den Bedürfnissen der Kunden zu erzielen und so neue Angebote zu kreieren", so Braun.

Anschließend erntete Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang viel Lob für seinen dezidierten ("Wir brauchen ein entschiedenes Vorgehen gegen Vermittler, sprich Google, Youtube & Co., die an den Werken der Künstler Geld verdienen und nichts abgeben.") wie unterhaltsam gestalteten Einblick in den aktuellen Kampf um die Sicherung des Urheberrechts. Ein Thema, das sich noch in die anschließende Podiumsdiskussion hineinzog.

Diese machte noch einmal deutlich, dass sich der Buchhandel einiges einfallen lassen muss, um seine Kunden weiterhin zu halten. Denn: "Ich kann mich kaum mehr erinnern, wann ich das letzte mal in einer Buchhandlung war", sagte Harden. Für den Kauf von Büchern gingen auch die anderen Teilnehmer kaum mehr in eine Buchhandlung, außer sie wollten sich inspirieren lassen. Dabei wurde in einigen persönlichen Diskussionen im Anschluss auch klar, dass der Buchhandel das Medium Internet noch viel zu wenig nutze, um die Zielkäufer an das eigene lokale Angebot zu gewöhnen. Klar wurde auch: Die technologischen Möglichkeiten werden weiter wachsen, so dass noch mancher Veränderungsprozess bevorstehe. Und: "Angebote werden sich noch stärker ausdifferenzieren", so Harden auf die Frage, wie die Medienlandschaft 2020 aussehen könnte. Viel Platz also für viele neue Ideen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Am Abend trug dann das Kabarett Duo Camillo zur guten Stimmung auf den Medientagen bei. "In der Kirche ist es wie beim Hochwasser, der Grund ist aufgeweicht, die Dämme brechen und die alten Säcke liegen im Weg."


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Wolfgang Riewe eröffnete...
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...unter dem großen Lutherbild die Evangelischen Medientage (passte irgendwie zur laufenden Lutherdekade)
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Prof. Dr.  Lars Harden: "Es fällt auf, dass nur die wenigsten Medienunternehmen ein systematisches Innovationsmanagement betreiben."
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Ellen Braun: "Die Städte müssen sich mehr zu Kulturzentren hin entwickeln, da müssen wir langen Atem haben oder mitarbeiten."
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Christian Sprang: "Es ist kein Problem, wenn Google andere Werke nutzt, das wäre urheberrechtlich vertretbar. Das Problem ist, dass die großen Konzerne dafür nichts zahlen wollen, sondern das Geld lieber selbst behalten."
Christian Sprang: "Es ist kein Problem, wenn Google andere Werke nutzt, das wäre urheberrechtlich vertretbar. Das Problem ist, dass die großen Konzerne dafür nichts zahlen wollen, sondern das Geld lieber selbst behalten."
Auf dem Podium: Prof. Dr. Lars Harden, Dirk Platte, Jörg Bollmann (Moderation), Christian Jakubeitz, Dr. Christian Sprang
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Das Duo Camillo mit
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Martin Schultheiß (Panorama) und  Fabian Vogt...
Martin Schultheiß (Panorama) und Fabian Vogt...
...begeisterte die Teilnehmer am Abend der Kommunikation
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