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Vier Bücher in einem

Im BuchMarkt-Februarheft 2012, Seite 74 setzt unser Autor Helmut Benze seine Serie STERNstunden des Verkaufs mit einem weiteren Bericht über das "Büchertrio" der Buchhändlerin Beate S. fort. Bei jedem der monatlichen Zusammenkünfte des Lesezirkels präsentieren drei TeilnehmerInnen je ein Buch im Wettbewerb um das Buch des Monats. Dasjenige Buch, dem die Mehrheit der Anwesenden die meisten Stimmen gibt, wird von Beate S. als Buch des Monats einen Monat lang in wechselnden Inszenierungen herausgestellt. Und regelmäßig auch deutlich besser verkauft. Oft sogar besser als Bestseller der SPIEGEL-Liste oder Bücher, die besonderes Medienecho hatten. Dieser Erfolg unterfüttert die Erkenntnis, dass Buchhändler-Empfehlungen und gute Inszenierungen Kunden überzeugen.

Vier Bücher in einem:
Der Gewinner des im Heft geschilderten Treffens hatte C. W. Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“ (Rowohlt) als Wunderbuch vorgestellt, das in sich vier Bücher vereint. Einen blendend geschriebenen Tatsachenroman (der Untertitel lautet zurecht: „ Roman der Archäologie“), ein fesselndes Abenteuerbuch, ein Lexikon und eines der besten Sachbücher der Jahrzehnte seit 1949 (!).
In der Tat ist es Ceram (hinter dem Pseudonym verbarg sich – auch seinem Verleger gegenüber – der Rowohlt-Cheflektor Kurt W. Marek) gelungen, für unmöglich gehaltenes zu schaffen: Eine höchst unterhaltsame, interessante und begeisternde, gleichwohl nahezu lückenlos zuverlässige Einführung in die archäologische Wissenschaft.
2008 hat der Archäologe Dr. Michael Siebler in freundschaftlichem Einvernehmen und produktiver Zusammenarbeit mit Hannelore Marek eine Heranführung an die jüngsten Erkenntnisse der Archäologie (seit 1949) in den Ceram-Text integriert und damit den Ceram für die nächsten Jahrzehnte vorgelegt.
Diese behutsame Neubearbeitung beweist, dass Cerams Weltbestseller seine Faszination bewahrt hat, und dass dieses Werk eines der seltenen Bücher bleiben wird, die vier Bücher in einem bieten.
Damit ist „Götter, Gräber und Gelehrte“ ein ideales Geschenk für unterschiedliche Leserkreise.

Aktionseinstieg mit einem Rätsel und guter PR:
Beate S. war – wie die große Mehrheit des Lesezirkels – begeistert von der Präsentation eines ihrer Gäste und von dem Buch, das sie zwar kannte aber noch nicht in seiner Vielseitigkeit erfasst hatte.
> Der Präsentator hatte das Buch weder genannt noch gezeigt, als er behauptete, ein Wunderbuch vorzustellen, das Roman, Sachbuch, Abenteuerschmöker und Lexikon in einem sei. Aus diesem Rätsel entwickelte Beate S. ihren Prolog für die eigentliche Inszenierung des Ceram.
> Sie stellte in der Woche vor der Ceram-Aktion 12 Bücher auf einen Aktionstisch. Lexika, Abenteuerbücher, Romane und Sachbücher. Darunter auch Ceram. Ein Plakat lud Gäste und Kunden der Buchhandlung dazu ein, unter diesem Dutzend das eine Buch zu finden, welches vier Bücher in einem bietet:
„Wer mir dieses Buch nennt, erhält eine Familien-Jahres-Freikarte für eines der großen Museen der Stadt“
> Dieser Prolog wurde von der Pressestelle des Museums für Archäologie und Völkerkunden nach der Woche und damit zum Beginn der eigentlichen Ceram-Aktion lokalen Medien als Beispiel für kreative Kooperation kultureller Einrichtungen angeboten.
Mit guter Resonanz: Es gab beachtliche PR für Museum, Beate S. und für das „Wunderbuch“.
> Überdies verkaufte Beate S. in dieser Woche vor der Aktion bereits zehn Cerams. sowie mehrere der anderen Bücher vom Prologtisch.
Pro Woche eine Inszenierung für „Vier Bücher in einem“
> In der ersten Woche wurde das Buch in Stapeln auf einer mitten im Schaufenster eingerichteten Lesebühne präsentiert. Lesesessel mit Fußbank, modernem Lesepult und alter Leselampe, Tischchen mit Samowar, Karaffen mit Wein, Saft und Wasser: Ceram inmitten einer gemütlichen ROMANlese-Situtation.
Dreimal täglich lasen Mitglieder 15 bis 30 Minuten lang aus dem ROMAN vor.
Die Lesungen waren vor dem Schaufenster und im Laden zu hören.
> In der zweiten Woche wurde eine Studierstube ins Schaufenster gebaut:
Stehpult, Globus, PC, Regale mit Lexika und anderen Nachschlagwerken.
Auf einer Wissensleiter mit Lexika auf jeder Sprosse ganz oben Ceram:
„Das unterhaltsamste Lexikon des Jahrhunderts.“
> In der dritten Woche standen im Schaufenster auf dem aus Sportwettkämpfen bekannten Treppchen verschiedene Sachbücher auf der Bronze- und Silberstufe.
Auf dem Goldpodest stand - von Lorbeer umkränzt - eine Ceram-Pyramide: „Das Sachbuch der Jahrzehnte.“
> In der vierten Woche verwandelte Beate S. ihr Schaufenster (mit Unterstützung des Archäologie- und Völkerkundemuseums sowie des Stadttheaters) in ein Abenteuerlager mit Zelt, Kanu, Feuerstelle, Waffen und Tragen voller Ceram.
Dreimal täglich und zweimal nach Geschäftsschluss lasen Beate S., Mitglieder des Lesezirkels sowie inzwischen begeisterte Leser des jüngst erworbenen Ceram besonders spannende Szenen aus dem Ceram vor.
> Fazit: Eine Aktionsserie, die viel Aufmerksamkeit und lokale Medienresonanz erfuhr. Allein im Aktionsmonat verkaufte Beate S. mehr als 100 Exemplare, Darüber hinaus viele einschlägige Werke (z. B. Carter: „Tut Ench Amun“, Kramer: „Die Geschichte begann mit Sumer“, Siebler: „Troia-Homer-Schliemann: Mythos und Wahrheit“).